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Fussballer bricht mit einem Tabu

Francisco Rodriguez kämpfte gegen Depressionen

Er ist Top-Sportler, wirkt selbstbewusst und aufgestellt. Doch in ihm drin sah es lange ganz anders aus. Profi-Fussballer Francisco Rodriguez litt an Depressionen. In einem Interview spricht der jünger Bruder von Nati-Star Ricardo offen über die psychische Krankheit und darüber, wie er wieder aus dem Loch fand.

Francisco Rodriguez

Fussballer Francisco Rodriguez liess sich wegen Depressionen behandeln.

Bongarts/Getty Images

«Warum ich? Ich bin doch Fussballer, ich bin stark.» Warum geht es ausgerechnet ihm nicht gut – Diese Frage stellte sich Francisco Rodriguez, 25, als er realisierte, dass er an einer psychischen Krankheit leidet. An Depressionen.

Mit dem welschen TV-Sender «RTS» sprach Francisco nun über den Umgang mit seiner Erkrankung. Wie es dazu kam, sei schwierig zu erklären: «Man muss es fast selbst erlebt haben», findet er. Es gehe so schnell in die Tiefe und dann komme alles rauf, was in den vergangenen Jahren passiert ist. 

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Geschehen ist das im Herbst des vergangenen Jahres. Damals spielte Rodriguez für den FC Lugano. Zum letzten Mal stand er am 27. Oktober 2019 für den Verein während des Matches gegen St. Gallen auf dem Platz. Wie er das noch geschafft hat, kann er sich heute nicht mehr recht erklären.

Gegenüber «RTS» sagt er: «Ich konnte es nicht mehr steuern. Ich habe es zwar eine Woche lang versucht. Gegen St. Gallen habe ich Ende Oktober noch gespielt, aber ich weiss nicht mehr wie. Mental war ich irgendwie kaputt.»

«Ich hatte eine mittelschwere Depression»

Als er sich schliesslich im Abschlusstraining verletzte, sei für ihn alles nur noch schwarz gewesen. «Ich konnte nicht mehr, hatte keine Lust und auch keine Motivation mehr. Da hat es eigentlich angefangen, ich hatte eine mittelschwere Depression», sagt Rodriguez.

Um wieder aus dem Loch zu finden, holt er sich professionelle Hilfe. Dank der Unterstützung von Psychologen und nach einer Auszeit von einem Monat in einer psychiatrischen Klinik fand Francisco wieder raus aus der Dunkelheit. Auch seine Familie sei dabei eine Hilfe gewesen. Francisco ist der jüngere Bruder von Nati-Star Ricardo Rodriguez, 28, und Roberto, 30, der ebenfalls Fussball-Profi ist. 

Insgesamt habe er acht, neun Monate mit den Depressionen zu kämpfen gehabt. Heute gehe es ihm aber so gut wie nie. «Ich habe viel Erfahrung, das macht einen nur stärker», sagt Francisco. Zudem tue er das, was er am meisten liebt: «Ich spiele Fussball.» Aktuell ist er beim FC Schaffhausen unter Vertrag.

Im aktiven Fussball noch immer ein Tabu

Warum er jetzt und nicht erst nach dem Karrieren-Ende über seine Depression spricht, begründet Rodriguez wie folgt: «Ich finde es wichtig, eine Message gegen aussen zu geben. Ich habe eine Depression gehabt, aber ich bin noch da.»

Damit bricht er ein Tabu. Bislang bekannte sich noch kaum ein aktiver Fussballspieler zu psychischen Problemen. Francisco meint dann auch: «Vielleicht sind viele Spieler in dieser Phase drin, aber sie reden nicht darüber.» Er könnte sich vorstellen, eine Ansprechperson für die Menschen zu sein, die an Depressionen leiden.

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Über die Aktion «DARÜBER REDEN. HILFE FINDEN.»

Viele Menschen in der Schweiz leiden auch seelisch unter den Auswirkungen der Coronakrise. «DARÜBER REDEN. HILFE FINDEN» heisst der Aktionstag, der vom BAG initiiert wurde und am 10. Dezember 2020 stattfindet. Die Hilfsorganisationen Pro Mente Sana, Dargebotene Hand, Pro Juventute, Pro Senectute, Caritas und das Schweizerische Rote Kreuz widmen sich gemeinsam mit Ringier, der SRG (alle vier Sprachregionen) und vielen weiteren Akteuren den verschiedensten Aspekten des Themas «psychische Gesundheit». Menschen in schwierigen Situationen erfahren so Solidarität und werden über konkrete Hilfsangebote informiert. Der Tag sensibilisiert auch die Gesamtbevölkerung dafür, im Umfeld aufmerksam zu sein und Hilfe zu leisten.

Weitere Informationen: bag-coronavirus.ch/hilfe

Von Fabienne Eichelberger am 15.12.2020
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