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Nashville meets Zürich-Oerlikon

Hausbesuch beim Country-König Albi Matter

39 Jahre lang organisierte Albi Matter das legendäre Country-Festival im Zürcher Albisgüetli. Just zum Jubiläum muss er gezwungenermassen einen neuen Weg gehen und holt die Western-Stars nun für zwei Tage ins Hallenstadion.

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<p>Boots, Stetson und alles, was dazugehört: Mister Country Albi Matter und seine Frau Winny im authentischen Western-Outfit.</p>

Boots, Stetson und alles, was dazugehört: Mister Country Albi Matter und seine Frau Winny im authentischen Western-Outfit.

Fabienne Bühler

Albi Matter (74) lehnt sich auf dem grossen Ledersofa zurück und zählt auf: «Johnny Reid! Gebürtiger Schotte, jetzt einer der erfolgreichsten Country-Musiker Kanadas! Ich brachte ihn als Erster nach Europa. Runaway June! Gegründet von Jennifer Wayne, der Enkelin von John Wayne. Und dann, ganz lässig: The Boykinz! Vier schwarze Girls der Generation Z, zum ersten Mal in Europa.» Hinter jeden Namen setzt Matter ein Ausrufezeichen – oder zwei. Er ist in seinem Element, betet die Namen der Stars runter, die Ende März am Albi’s Country Festival im Hallenstadion auftreten werden. «18 Bands, 126 Musikerinnen und Musiker in zwei Tagen. Das sind 1350 Minuten Country vom Besten!» Albi hats ausgerechnet.

Dazu gibts Crashkurse in Line Dance und Verkaufsstände für Gürtelschnallen, Stetsons, Motorräder und Gitarren. Auch der traditionelle Nashville Sunday Brunch findet statt. An dem verdiene er zwar nichts, sagt Albi, aber seine Devise lautet: «Give the people what they want» – Gib den Leuten das, was sie möchten. Das Publikum habe eben den Plausch am Brunch. Home Sweet Home Alabama.

<p>Kommandozentrale der Agentur Show and Music. Matter nennt sich selber One-Man-Show und liebt das organisierte Chaos.</p>

Kommandozentrale der Agentur Show and Music. Matter nennt sich selber One-Man-Show und liebt das organisierte Chaos.

Fabienne Bühler

Seit gut 50 Jahren ist Albert «Albi» Matter im Business. Als Discobetreiber («The Big Apple» in den 1980er-Jahren), mit seiner Agentur Show and Music AG – einer One-Man-Show – als Konzertveranstalter und Künstlervermittler, auch als Manager, als Organisator von Country-Flussfahrten – und vor allem war er 39 Jahre lang Co-Organisator und Programmchef des Country-Festivals im Schützenhaus Albisgüetli. Er ist profunder Kenner der Szene, lebte zwei Jahre in Kanada und hat exzellente Kontakte in Nashville Tennessee, dem Epizentrum des Country. «Ich war schon über 40-mal dort und kenne viele Agenturen, Managements und Bands persönlich», sagt er.

Dieses Jahr würde Matter zum 40. Mal das Country-Festival im Albisgüetli organisieren. Das Jubiläum ist ihm allerdings nicht vergönnt: Die Verantwortlichen haben beschlossen, das Festival künftig in Eigenregie durchzuführen. Matter wurde vor die Tür gesetzt. Details der Trennung will er nicht öffentlich kommentieren, er meint nur: «Wir konnten uns nicht einigen, wie und in welcher Form eine weitere Zusammenarbeit aussehen könnte.»

<p>Matter, der Vielseitige: Neben Künstlervermitt­lung und Management organisiert er auch Country-Flussfahrten und konzipiert 3D-Bücher.</p>

Matter, der Vielseitige: Neben Künstlervermittlung und Management organisiert er auch Country-Flussfahrten und konzipiert 3D-Bücher.

Fabienne Bühler

Albi Matter ist nicht nur Country-Papst, sondern auch Gentleman alter Schule. Privat ist er ein Zigarren-Aficionado, hört gern klassischen Rock («Status Quo») und publiziert als Hobby 3D-Bücher von Schweizer Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel vom Bundeshaus in Bern. Albi ist zudem stolzer Grossvater von zwei Enkeln, hat drei erwachsene Töchter aus erster Ehe und ist seit zwanzig Jahren mit Winny, 61, verheiratet. Sie stammt aus Malaysia, ging dort in eine deutsche Schule und kam via Job in Deutschland in die Schweiz. Damals arbeitete sie im Circus Conelli als Allrounderin – und fiel Albi auf, der mit Zirkusdirektor Herbi Lips an der Bar stand. «Wer ist sie?», fragte Albi – worauf Lips die Rolle des Postillon d’amour übernahm und die beiden miteinander bekannt machte.

<p>Matters mögen Spass und geben gerne Vollgas, früher auch auf einer ausgewachsenen Harley.</p>

Matters mögen Spass und geben gerne Vollgas, früher auch auf einer ausgewachsenen Harley.

Fabienne Bühler

«Ich habe einen lieben Mann, einen guten Mann, einen schönen Mann geheiratet», sagt Winny und strahlt. Sie arbeitet in einer Migros-Filiale in Zürich und ist ein absolutes Ass im Badminton. «Es ist ein rasantes, trickreiches Spiel mit viel Raffinesse», schwärmt sie und zeigt auf Dutzende Pokale, die das Wohnzimmer schmücken: unter anderem Silber 2017 an der Schweizer Seniorenmeisterschaft und 2019 Bronze. Noch immer nimmt sie oft und gerne an internationalen Turnieren teil. «Sie darf aber nichts mehr gewinnen, wir haben keinen Platz mehr», kommentiert Albi trocken und strahlt vor Stolz. Überall in der Wohnung sind kleine Liebesbotschaften, sogar in den Blumenkästen auf der Terrasse steckt ein Schildchen mit «Ich liebe dich».

<p>Nicht ohne meinen Stumpen. Musikorganisator Albi Matter und seine Liebe zu edlen Zigarren sind legendär.</p>

Nicht ohne meinen Stumpen. Musikorganisator Albi Matter und seine Liebe zu edlen Zigarren sind legendär.

Fabienne Bühler

Tiefer Glaube an das Gute

Von der Terrasse aus geht der Blick über Zürich und den See bis zu den Glarner Alpen. Hier in einer Ecke des Wintergartens hat Winny einen Hindu-Altar, an dem sie täglich betet und kleine Opfergaben darbringt. Albi ist gläubiger Katholik: «Ich glaube an das Gute, in den Menschen und im Schicksal.» Im Wohnzimmer hängt ein Ölbild, das verschiedene Ethnien und Religionen darstellt. «Das», erzählt er, «liess ich vor Jahrzehnten in Asien malen. Es ist eine Kopie von ‹Golden Rule› des US-Künstlers Norman Rockwell von 1961.» Kleiner Unterschied zum Original: Albi liess sein eigenes Konterfei reinschmuggeln. So viel Eitelkeit darf sein.

<p>Zwei Kulturen und viel gegenseitiger Respekt. Katholik Albi Matter richtete seiner Winny im Wintergarten einen kleinen Hindu-Tempel ein.</p>

Zwei Kulturen und viel gegenseitiger Respekt. Katholik Albi Matter richtete seiner Winny im Wintergarten einen kleinen Hindu-Tempel ein.

Fabienne Bühler

Nun ist er also «On the Road Again» und feiert sein 40-Jähriges dort, wo 1980 das erste Country-Festival in der Schweiz stattfand. Im Hallenstadion sind Stammgäste wie die Bellamy Brothers dabei, aber ebenso der Schweizer Blues-Vater Philipp Fankhauser und – natürlich, Matter ist sein Manager – der Zürcher Prix-Walo-Gewinner Florian Fox, der «Swiss Guy» mit Stimmrecht in der Country Music Association (CMA) in Nashville. Doch auch ein junges Talent aus den USA bringt Matter nach Zürich: den 19-jährigen John Foster aus Louisiana. «Der wird ein Superstar», prophezeit Albi. Country boomt. Auch dank Künstlerinnen wie Beyoncé, Miley Cyrus und Taylor Swift. «Grosse Namen helfen, wenn man so ein Festival im Hallenstadion stemmt», sagt Matter, «dennoch bleibt es ein grosses Wagnis.» Der Umzug ist jedoch auch eine Chance: Weit weg vom Althergebrachten ist die Hemmschwelle für ein neues und ein jüngeres Publikum deutlich tiefer.

Von Ruth Brüderlin am 16. Februar 2026 - 06:00 Uhr