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Magdalena Martullo-Blocher

«Ich brauche keine Maske, um aufzufallen»

Im März wurde sie als «Globi im Bundeshaus» verlacht. Jetzt erklärt Magdalena Martullo-Blocher, wieso sie trotz Häme früh auf Masken setzte. Und warum sie die Millionen-Bundesratsrente ihres Vaters völlig in Ordnung findet.

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Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher, 50, stutzt Mutters Garten in Herrliberg ZH.

Nik Hunger

Herrliberg ZH. Wohnsitz von SVP-Doyen Christoph Blocher, 79. Im Untergeschoss arbeitet emsig seine Tochter, Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher, 50. Durchatmen im Garten kann sie nur selten. Doch wenn, dann macht die SVP-Nationalrätin, was sie am besten kann: anpacken. Mächtig stolz präsentiert sie eine Gartenschere, die dank Kunststoff ihres Chemiekonzerns federleicht ist. Schwerer wog die Kritik, die sie im Frühjahr nach ihrem Maskenauftritt im Bundeshaus einstecken musste.

Frau Martullo-Blocher, seit ein paar Tagen tragen im ÖV alle eine Schutzmaske. Anfang März standen Sie im Parlament diesbezüglich noch auf einsamem Posten.
Ich trug als Einzige eine Maske, obwohl der Bundesrat bereits Abstand verlangte. Im Parlament sitzen wir ja quasi Haut an Haut.

Nationalratspräsidentin Isabelle Moret war nicht begeistert.
Sie warf mich aus dem Saal.

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Wie haben Sie das aufgenommen?
Es hat mich betroffen gemacht, dass der Bund so negativ über Masken sprach. Ich vermutete, dass er eines Tages Masken empfehlen oder vorschreiben müsste.

Viktor Giacobbo twitterte «Globi im Bundeshaus» zum Foto von Ihnen mit Maske.
Na ja, mit einer FFP2-Maske sieht man halt aus wie Globi. Und ich bin ja nicht Fotomodell von Beruf. Seine Aussage war nicht einmal das Schlimmste …

Was sonst?
Viele dachten, ich zöge eine Show ab, um aufzufallen. Dafür brauchte ich wohl keine Maske, ich bin ja genug bekannt (lacht).

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Maske unerwünscht! Nationalratspräsidentin Isabelle Moret, 49 (r.), verbannte Martullo-Blocher im März aus dem Saal.

keystone-sda.ch

Was war denn wirklich das Problem?
Zu jener Zeit war den meisten Corona nicht bekannt. Da vermittelte der Bundesrat, Masken nützten nichts und seien bei falscher Anwendung sogar gefährlich! Das war falsch.

Hat der Bundesrat in der Maskenfrage versagt?
Ganz klar! Die Regierung kommunizierte so widersprüchlich, weil sie viel zu lange nicht genug Schutzmasken hatte. Wegen der ablehnenden Haltung des Bundes kauften Private und Unternehmen auch keine Masken ein. Gerade in Altersheimen führte dieser Mangel zu vielen Ansteckungen und Toten. Das ist nicht in Ordnung.

Was hätten Sie sich denn gewünscht?
Hätte der Bund den Mangel zugegeben, hätten Unternehmer von Beginn weg grosse Mengen eingekauft. Viele Firmen mit Verbindungen nach China, auch Ems-Chemie, haben dem Bund angeboten, Masken zu beschaffen. Wochenlang kam keine Antwort. Dabei ging es um Leben und Tod!

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Magdalena Martullo-Blocher erachtete die Masken schon früh als wichtige Massnahme.

Nik Hunger

«Wo man Menschen persönlich kennt, kann man am schnellsten etwas bewirken»

Wie geht es Ems-Chemie nach der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie?
Der Umsatz sank deutlich. Wir brauchten aber keine Überbrückungskredite und in der Schweiz auch keine Kurzarbeit. Auf Corona waren wir gut vorbereitet. Wir haben schon im Januar alle Standorte mit Masken, Schutzbrillen und vier Tonnen Ethanol für Desinfektionsmittel ausgestattet – und Abstandsregeln eingeführt. Wo Distanzhalten nicht möglich war, galt Maskenpflicht.

Mitten in der Krise versorgten Sie Coiffeure mit Masken. Wieso?
Wo man Menschen persönlich kennt, kann man am schnellsten etwas bewirken. Mein Coiffeur in der Lenzerheide ist Vorstandsmitglied des Coiffeur-Verbands. Ich habe ihm angeboten, Masken für seine Branche zu besorgen, um die Öffnung zu ermöglichen. Er war sofort einverstanden. Doch die Westschweizer machten zuerst nicht mit. Der Röstigraben bestand auch während Corona. Als die Coiffeure den Vertrieb nicht organisierten, programmierten wir bei Ems-Chemie in zwei Tagen einen eigenen Webshop.

Wer bestellte bei Ihnen Masken und wie viele?
Insgesamt haben wir rund sechs Millionen Masken geliefert. In die Fleischindustrie, Spitäler, die Autobranche, an Fahrlehrer, Ärzte, Kleiderläden und sehr viele in den Detailhandel.

Sie waren immer für eine rasche Öffnung. In Klubs steckten sich nun mehrere Menschen an. Hat dies Ihre Haltung geändert?
Es ist nicht ideal, wenn 300 Leute wegen einer Ansteckung in Quarantäne müssen. Man sollte mögliche Betroffene sofort testen. Ist das Resultat negativ, sollten sie aus der Quarantäne entlassen werden. Wieso nicht auch mit Maske in Klubs gehen? Das ist wohl eine Gewohnheitssache.

«Für meinen Vater richteten wir extra ein separates desinfiziertes Büro ein, damit er Teleblocher aufnehmen konnte»

Wie viel Kontakt hatten Sie während des Lockdown zu Ihren Eltern? Sie gehören beide altershalber zur Risikogruppe.
Meine Eltern waren sehr konsequent mit dem Abstandhalten. Auf dem Höhepunkt der Pandemie sahen wir uns gar nicht mehr. Später dann nur draussen im Garten. Für meinen Vater richteten wir extra ein separates desinfiziertes Büro ein, damit er Teleblocher aufnehmen konnte. Zuletzt sah ich ihn vor ein paar Tagen an der Matura-Feier unserer ältesten Tochter Samira. Dort teilten wir uns auf, um genügend Abstand zu halten.

Ihr Vater steht gerade in den Schlagzeilen wegen seines bundesrätlichen Ruhegehalts von 2,7 Millionen, das er nach langem Verzicht nun nachfordert. Wie stehen Sie dazu?
Ach, das ist doch ein Sturm im Wasserglas! Er sagte nie, er verzichte – im Gegenteil! Als er abgewählt wurde, sagte er klar, er werde dieses Geld auf keinen Fall dem Staat schenken. Weil jetzt deutlich wird, wie der Bundesrat und das links-grüne Parlament Geld zum Fenster hinauswerfen und gleichzeitig mehr aus den Taschen der Bürger ziehen, kann ich den Entscheid nachvollziehen.

Hat er Sie vorher in seine Pläne eingeweiht?
Nein, er involviert mich nicht in all seine Entscheide. Das mache ich umgekehrt auch nicht – wir haben schlichtweg keine Zeit dafür. 

Von Onur Ogul am 10.07.2020
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