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50`000 Abonnenten auf Youtube, 25`000 auf Instagram und 340`000 auf TikTok – egal auf welcher Plattform, der Comedian Adrian Vogt alias «Aditotoro» ist ein aufstrebender Stern am Social-Media-Himmel. Nicht umsonst, hat er an den Swiss Comedy Awards 2020 den Sieg in der Kategorie «online» einfahren können.  
Youtuber und «Swiss Comedy»-Award Gewinner Adrian Vogt

«Ich gehörte nicht zu den Coolen»

Mit nur 21 Jahren ist Adrian Vogt erfolgreicher Youtuber, Streetwear-Designer und Podcaster. Seit Neustem besitzt er einen Swiss Comedy Award. Sogar Viktor Giacobbo gratulierte.

Er lässt sich aufs Sofa fallen, legt die Füsse entspannt auf den Tisch. Adrian Vogt hat gerade den Rasen gemäht und lädt jetzt ein Video davon ins Internet. Der 21-Jährige ist ein Schweizer You­tuber, kürzlich gewann er für seine ­Arbeit den Swiss Comedy Award in der Kategorie «Online». Vogt empfängt uns zu Hause in Baselland. Es riecht nach Wein und Schnaps. Die Eltern, mit denen er im heimeligen Bauernhaus wohnt, stellen beides selber her.

«Ich gehörte nicht zu den Coolen in der Schule und musste mir wegen der Videos viele dumme Sprüche anhören.»

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Von klein auf ist er fasziniert von Computern und Filmstudios. Er will Moderator werden und besorgt sich deshalb 2015 Kamera und Mikrofon. Zunächst filmt Vogt, wie er Computergames spielt und diese auf Hochdeutsch kommentiert. Unter dem Namen «Aditotoro» lädt er sie auf Youtube. Ein Jahr später wechselt er auf ­Baseldeutsch, steht selber vor die Linse und gibt ­unterhaltsame Einblicke in sein Leben. Er spricht frei von der Seele und benutzt dabei viele Angli­zismen. Jeden seiner Sätze würzt er ­gekonnt mit  Ironie und Sarkasmus. Trotzdem ist er damals noch unsicher: «Ich gehörte nicht zu den Coolen in der Schule und musste mir wegen der Videos viele dumme Sprüche anhören.»

Doch Freunde und Familie unterstützen ihn – und den Zuschauern gefallen seine Reise-, Sport- und Unterhaltungs­filme. Heute ist ihm deshalb egal, was andere von ihm halten. Er mag kritische Zuschauer sogar: «Das beweist, dass meine Inhalte bewe­gen und zum Nachdenken anregen.»

Adrian Vogt, Youtuber, Gewinner Swiss Comedy Award Online, 2020

Sein Zimmer hat der Youtuber in ein Filmstudio verwandelt.

Fabienne Bühler

Gratulant Giacobbo

Als er diesen September den Swiss ­Comedy Award gewinnt, ist die Freude gross. Vogt staunt nicht schlecht, als ihm gar «der grosse» Kabarettist Viktor Giacobbo, 68, gratuliert: «Ich habe mich gefragt, woher der mich überhaupt kennt!» Doch Vogt bleibt bodenständig. So bodenständig, dass er nach den Swiss Comedy Awards mit seinem Kollegen spontan auf einem Steg am Zürichsee übernachtet, weil sie den letzten Zug verpasst haben. «Es war schon etwas kalt.»

«Ich springe auf dem Tram­polin, spaziere oder mähe den Rasen.»

Hört und schaut man zu, scheint das Leben von «Aditotoro» lustig und unkompliziert. Richtet man eine Kamera auf ihn, zieht er eine ausgefallene Sonnenbrille an, zupft am Schnauz und gibt den «lustigen Schweizer Bünzli». Sentimentale Momente behält er für sich. Zu gross ist der Ehrgeiz, die Kunstfigur aufrechtzuerhalten. Das ­beeinflusst auch sein Privatleben: «Meine letzte Beziehung ging in die Brüche, weil mir Youtube wichtiger war.» Wie er in seinem Podcast «Luusbuebe» erklärt, schaltet sein kreativer Kopf nie ab. Stören tut ihn das aber nicht.

Die selbstständige Videopro­duktion ­erfüllt ihn – auch wenn er ­wegen seiner Farbsehschwäche beim Bearbeiten von ­Videos auf den Kon­trollblick anderer angewiesen ist. Neben seinen Filmen designt Vogt auch Kleider und Accessoires. Seine Marke nennt er «De Bifferent». Der Name ist abgeleitet vom Englischen «be different» (zu Deutsch «sei anders»). Ganz nach dem Lebensmotto des Youtubers.

Adrian Vogt, Youtuber, Gewinner Swiss Comedy Award Online, 2020

Die Natur ist sein Zufluchtsort – und gleichzeitig eine Inspirationsquelle.

Fabienne Bühler

«Peace und Blüemli»

Die Leidenschaft für die Medienwelt aber ist grösser als alles andere. Vogt vertieft sie 2018 als Produzent bei ­Radio Basilisk und 2020 als Moderator beim Jugendmagazin «SRF Young­bulanz». Zuvor arbeitete er ein Jahr bei ­einer Bank. Mitgenommen aus dieser Zeit hat er nur «Peace und Blüemli». Ein Satz, der bei der Simulation eines Banküberfalls fiel. Heute benutzt Vogt die Worte zur Verabschiedung in seinen Videos.

Adrian Vogt, Youtuber, Gewinner Swiss Comedy Award Online, 2020

Seine Freizeit verbringt der Basel­länder fern von der ­digitalen Welt beim Rasenmähen oder Trampolinspringen.

Fabienne Bühler

Eine Auszeit von der digitalen Welt gönnt er sich jeweils daheim im grossen Garten: «Ich springe auf dem Tram­polin, spaziere oder mähe den Rasen.» Die Natur ist sein Zufluchtsort – und gleichzeitig eine Inspirationsquelle. In vielen seiner Videos erkundet Vogt die Schweizer Berglandschaft. Dabei kann es auch mal zu spontanen Sprüngen von Klippen oder in einen Bergsee kommen – solange darin keine Bojen sind: «Ich gehe nicht freiwillig in die Nähe einer Boje!» Woher diese Angst? «Keine Ahnung. Ich finde, die sind einfach beängstigend und hässlich.»

Adrian Vogt, Youtuber, Gewinner Swiss Comedy Award Online, 2020

Schnauz, Frisur, Sonnenbrille und Klamotten aus dem Brocki: Der alternative Stil ist Adrian Vogts Markenzeichen.

Fabienne Bühler
Von Lara Zehnder am 17.10.2020
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