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80 Jahre Hausi Leutenegger

«Ich hätte Psychiater werden sollen»

Happy Birthday! Hausi Leutenegger ist Kult und 80. In Zermatt fährt er nochmals Ski wie ein Star und erzählt die Geschichte seines Lebens. «Ich bin viel schlauer, als die Leute meinen», sagt der Millionär.

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Hausi Leutenegger feiert ein grosses Jubiläum: Der Lebemann wird heute 80 Jahre alt.

David Carlier

«Der Hausi ist da, der Hausi ist da!» So tönts in den Pistenrestaurants. Frauen wollen ein Selfie. Und er, der «Burt Reynolds der Alpen», macht Komplimente, lobt ihre Schönheit. «Bei den Frauen muss man ein bisschen schummeln», lacht er. Und sie schmelzen dahin. Hausi zahlt eine Runde, immer, überall.

Er kann es sich leisten. In der «Bilanz» wird das Vermögen des Wahl-Genfers aus dem Thurgau auf 150 Millionen geschätzt. «In Wirklichkeit sinds nur etwa 100», korrigiert Hausi, Kind einfacher Eltern. Beim Lehrabschluss am 1. September 1959 hat ihm Meister Kurt Kradolfer prophezeit: «Sie werden nie Karriere machen als Bauschlosser. Lernen Sie Englisch, und gehen Sie nach Hollywood. Wenn das nicht reicht, gehen Sie zum Circus Knie. Und wenn das nicht hinhaut, gehen Sie zur Mafia, dort sind Sie bald der Boss.» Hausi antwortete: «Wir sehen uns wieder.» Ging nach Hollywood und holte sich im Bob Olympiagold, die Genfer Mafia hat er gemieden wie die Pest, und im Circus war er nur Zuschauer.

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Ganz der Alte: Der «Commander» beim Skifahren am Matterhorn, nur das linke Knie schmerzt.

David Carlier

80 Jahre Hausi Leutenegger …
Hausi Leutenegger:… ein Wendepunkt im Leben. Den Hausi von früher gibts nicht mehr. Den Hausi von Jubel und Trubel, den Lustigen, der überall dabei war, wird man nicht mehr gross sehen. Das machte ich als Werbung für meine Firma.

Hausi national ist brav geworden?
Ich habe mit meiner Frau Anita den Seelenfrieden gefunden, ja. Ich habe jetzt in Zermatt schon nach zwei Tagen Heimweh nach ihr.

Wirklich Schluss mit Rambazamba?
Natürlich, dieser ganze Zirkus war nett und lustig, aber nicht mein Alltag.

«Ich will nicht ewig den Globi spielen»

Sie haben stets alle Einladungen der sogenannt guten Gesellschaft abgelehnt.
Ja, ich war mit 30 Millionär, von da an habe ich gesagt, ich lasse mich nicht einladen. Da gab es viele von diesen Gaunern in Genf, die mich mit dem 
Privatjet nach Nizza runterfliegen wollten, um mich zu verwöhnen und dann etwas zu verlangen. Die sind alle verlumpet seither. Ich bin noch da. Ja, aber der Spass hört mit dem hohen Alter auf. Ich will nicht ewig den Globi spielen.

Vielleicht wurden Sie auch unterschätzt, weil Sie immer der lustige Hausi waren.
Ich bin viel schlauer, als die Leute meinen. Ich spreche fünf Sprachen, nicht perfekt, aber ich kann mich in fünf Sprachen unterhalten, nur Holländisch kann ich perfekt. Die Leute haben erst gemerkt, was ich draufhabe, als ich in internationalen Filmproduktionen auftauchte. Als die Weltstars, mit denen ich drehen durfte, sagten: «Hans is a nice guy!» Ben Gazzara hat mich gerühmt, Lee Van Cleef, Klaus Kinski und so weiter.

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Sportlich: Wenns nicht die Skipiste ist, hockt er aufs Velo oder spielt Golf.

David Carlier

Wie stehts um Ihre Gesundheit. Lässt Ihr Gedächtnis nach?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin eine Leseratte, ich habe ein Riesengedächtnis. Ich erinnere mich an die Menschen, an die Namen. Ich mache jeden Morgen 30 Liegestütze, ich fahre auf den Kanarischen Inseln Velo.

Und was sagt Ihr Arzt?
Ich gehe jedes Jahr zweimal zum Check nach Oberstaufen in Bayern. Mein Arzt sagt: «Sie muss man mit hundert totschlagen.»

Und wie stehts mit dem Geld?
Ich habe ein Testament gemacht, alles ist geregelt.

Und wie mit der Liebe?
Ich liebe eine Frau, und das ist Anita, ich bin so verliebt in diese Frau, es ist wahnsinnig, wir sind seit acht Jahren verheiratet, und ich kannte sie schon lange vorher. Ich kann heute fast nicht mehr ohne sie sein.

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Filmreifer Gentleman: Hausi sagt im Fumoir des «Zermatterhofs»: «Komm, wir gehen ein bisschen wichtigtun.» Und lacht sein breites Hollywood-Grinsen. Natürlich gehören Anzug und Zigarre dazu.

Remo Nägeli

Wie feiern Sie den 80. Geburtstag?
Im engsten Kreis, auf den Kanarischen, mit maximal 18 Leuten, in einem Luxuslokal. Meine Freunde Heinz Taufer, mit ihm fahre ich seit 35 Jahren Velo, und Max Buri sind dabei, Sohn Jean-Claude mit seiner künftigen Frau und unser Direktor Urs Vögele.

Schauen wir zurück: Was war Ihre beste Idee?
Dass ich nie eine Bank brauchen wollte! Und so nie von einer Bank abhängig wurde.

Warum?
Als ich mit meiner Firma angefangen habe, hat der Chef der Raiffeisenbank am Bichelsee zu mir gesagt: «Wir können dir den Service machen, aber wir können dir nie einen Kredit geben.» Sie haben mir nicht verziehen, dass ich als katholischer Turner zum Turnverein Balterswil gegangen bin. Das haben mir die Bichelseeler nie verziehen. Der Präsident der Raiffeisenbank am Bichelsee hat gesagt, diesem Zigeuner geben wir dann nie Geld.

Wo haben Sie sich total getäuscht?
Ich habe mich praktisch nie getäuscht.

Gab es keinen Moment, in dem Sie sich gesagt haben: Ich habe einen Riesenfehler gemacht?
(Schweigt lange.)

Kommt Ihnen nichts in den Sinn?
Nein.

Und worauf sind Sie besonders stolz?
Dass ich mit 19 Jahren eidgenössischer Kranzturner geworden bin! Das war mein grösster Erfolg. Und natürlich, dass Jean Wicki mir das Vertrauen 
geschenkt hat und ich als Bremser mit ihm die Bob-Goldmedaille in Sapporo gewonnen habe. Wicki war eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Er war der einzige Mann, den ich fragen konnte: «Jean, was meinst du?»

Also der eidgenössische Kranz, Olympia …
… und die ganze Filmkarriere! «Commander» und «Kommando Leopard», das waren weltweit gespielte Filme, darauf bin ich grausam stolz. Schaut auf Youtube, die sind immer noch drauf!

Ich dachte, Ihr grösster Stolz sei der Aufbau der Firma.
Nein, dass ich mit 19 eidgenössischer Kranzturner geworden bin, das wars! Ich marschierte durchs Dorf mit dem Kranz auf dem Kopf, und die Musik hat gespielt.

Das ist heute noch das Grösste für Sie?
Ja, das ist der grösste Stolz in meinem Leben.

Aber eine Firma so lange so erfolgreich zu führen, das ist doch eine grössere Leistung.
Das hat sich einfach ergeben. Ich habe mich schnell daran gewöhnt. Schnell ans Geld gewöhnt. Und an den Erfolg habe ich mich sofort gewöhnt.

Zur Person

Hausi Leutenegger wurde am 16. Januar 1940 geboren. Der Unternehmer verdient mit seinen schweizweit tätigen Montageteams Millionen. Er machte Karriere als Kranzturner, Filmstar und Olympiasieger im Viererbob (Sapporo 1972).

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Weisch no? In Sapporo 1972 gewinnen Jean Wicki, Hausi Leutenegger, Werner Camichel und Edy Hubacher (v. l.) Olympiagold im Viererbob.

Keystone

«Einem Lappi sage ich Lappi – und fertig»

Die ganze Schweiz weiss, dass Hausi grosszügig ist. Ihr Vater war sicher anders.
Er war nicht geizig. Wir hatten einfach nichts. Aber meine Mutter, die nicht viel hatte, war immer grosszügig. Wenn wir zu Hause Metzgete hatten, verteilte sie allen armen Leuten Fleisch.

Das kommt also von der Mutter?
Die Grosszügigkeit meiner Mutter war enorm, sie war der beste Mensch der Welt.

Sind Sie mit allen so lieb?
Ich kann auch anders. Einem Lappi sage ich Lappi – und fertig. Ich bin nicht ganz so fein, wie die Leute meinen. Wenn mich einer verseckelt hat, habe ich ihm eine Lektion erteilt.

Sie haben dreingeschlagen?
Nein, das nicht. Ich war ja immer nett mit allen, habe ihnen Geld gegeben, Probleme gelöst für sie. Aber wenn mich ein Monteur verseckelt hat, nicht aufgestanden ist, dann bin ich hingegangen und habe ihn unsanft aus dem Bett gezogen.

Und selber, keine Angst vor dem Sterben?
Ich kann morgen gehen, das macht mir keine Angst. Ich war nett mit den Leuten.

Wenn Sie nicht nett gewesen wären, wäre der Tod etwas Schlimmes?
Ja, natürlich, ich denke nicht an die Hölle, es gibt ein weiteres Leben, ich hatte diesen Traum, in dem ich diesen Frieden gespürt habe, diesen blauen Himmel gesehen habe. Und alles war gut.

Sie haben viele beste Freunde …
… gehabt. Viele sind gestorben. Ich pflege die Freunde: Jede Weihnacht verschicke ich etwa 80 Geschenke, Agenden, Kalender.

Früher warens noch Cartier-Kugelschreiber.
Früher, an meine Kunden. Aber heute darf man das ja nicht mehr machen.

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Ein Schluck Schnee: Auch Umfallen muss gelernt sein: Hausi stürzt kopfvoran in den Schnee, steht aber sofort wieder auf: «Nichts passiert!»

David Carlier

Was war Ihr bester Deal?
1978 habe ich mitten in Genf einen Block für 3,2 Millionen gekauft, mit 24 Wohnungen. Der ist heute das Achtfache wert.

Was ist für Sie der grösste Luxus?
Meine Weltreisen. Ich habe fünf Weltreisen mit meiner Familie gemacht.

Das ist der grösste Luxus?
Ja, mit der Familie und Freunden um die Welt fliegen. Ich war an allen Formel-1-Rennen der Welt, bin immer erster Klasse geflogen. Und natürlich ist mein Luxus meine Villa auf den Kanarischen. Ich habe an meinem 40. Geburtstag die schönste Villa gekauft, direkt neben dem Golfplatz.

Ihr Paradies?
Ja, und meine Villa am Genfersee. Ich verbringe das halbe Jahr hier, und wenns kalt wird, gehen wir für vier Monate auf die Kanarischen. Ich wohne noch in Freienbach im Kanton Schwyz.

Ihr Steuerdomizil?
Ja, fürs Privatvermögen, ich zahle überall in der Schweiz Steuern, weil wir überall Firmen haben.

Ihre grösste Dummheit im Leben?
Ich habe einem anderen Autofahrer den Weg abgeklemmt. Bin falsch gefahren. Er musste wegen mir anhalten und sagte: «Sie sind ja besoffen.» Mein Fehler war, dass ich ihn an der Krawatte gepackt und geschüttelt habe, die Krawatte abgerissen. Er rannte auf den Polizeiposten, ich habe mich entschuldigt und musste für das Rote Kreuz 2000 Franken einzahlen.

Keine wirklich grosse Dummheit.
Es kommt mir nichts anderes in den Sinn.

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Vielfältig: Hausi Leutenegger ist Kult-Figur, Selfmade-Millionär und Sportlegende.

Remo Nägeli

«Früher habe ich sogar Krähen gezüchtet»

Was tun Sie, um gesund zu bleiben?
Ich trinke mässig Alkohol, fahre 2500 Kilometer Velo pro Jahr, habe immer noch 9,8 Handicap im Golf. Und ich habe die grösste Freude an der Natur. Auf den Kanarischen habe ich eine grosse Voliere mit Kanarienvögeln, Papageien, alles durcheinander. Die schönsten Momente sind für mich, den Vögeln zuzuschauen, wie sie sich streiten. Ich bin der kanarische Vogelprofessor. Immer im Mai fahre ich übers Land und schaue, wo die Krähennester sind. Ich beobachte die jungen Krähen. Früher habe ich sogar Krähen gezüchtet.

Aha?
Ich hatte eine Krähe, die hiess Köbeli. Sie hat mein Haus bewacht wie ein Hund. Wenn ein Unbefugter sich dem Haus näherte, kam sie runter und machte ihm einen Pick in den Kopf. Jaja, der Köbeli!

Sie haben Sportklubs finanziell unterstützt, Veloklubs, Fussballmannschaften. Sponsern Sie auch Politiker?
Nein.

Gar nicht politisch aktiv?
Nein, ich bin auf der Linie von Maurer Ueli, Brunner Toni und Blocher. Die drei Männer sind für mich die wichtigsten Leute.

Gibt es auch bei den Linken solche, die Sie respektieren?
Ich respektiere alle, die etwas leisten.

Kennen Sie auch die Jungen?
Ja, gerade die Jungen fahren auf mich ab. Ich habe vor 120 Jungbankern in Zürich gesprochen, sie meinten, sie würden mir gern zwei, drei Stunden zuhören.

Hatten Sie einst Minderwertigkeitskomplexe?
Das war ganz normal. Mein Vater war Fabrikarbeiter, acht Kinder. Wir waren Sepplis …

Wollten Sie beweisen, dass Sie auch ein Grosser sind?
Genau. Ich habe den Komplex zu Hause mitbekommen, aber durch den Sport war ich früh erfolgreich. Ich habe immer gewusst und meinen Freunden mit 20 auch gesagt: «Ich werde Millionär.»

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Vom Seppli zum Hausi. Hausi Leutenegger: «Ich kann in die Leute reinschauen, merke sofort, wer für mich ist und wer gegen mich ist.»

David Carlier

Was sagen Sie, wenn die Leute sagen, Hausi kauft sich die Sympathien …
Es ist mein Geld, das geht nur mich was an. In jungen Jahren habe ich viel ausgegeben, wenn ich durch Genf gezogen bin, manchmal einen Haufen Geld für Champagner. Ganz Genf hat mir gehört. Und wenn ich etwas betrunken war, hat mich die Polizei nach Hause gefahren. Und dort haben wir zusammen weitergefeiert. Ich habe auch die Polizei gesponsert. Wenn ich mit anderen esse, zahle immer ich. Ich will niemandem etwas schuldig sein. Ich will auch nicht eingeladen werden.

Und wenn die Leute sagen, der Hausi ist ein Frauenheld?
Das war früher mal so. Die Frauen, die hinter mir her sind, wissen das. Ich habe mit den Frauen immer einen guten Kontakt gepflegt.

Gibt es etwas, das Sie nicht verzeihen können?
Ich muss niemandem etwas verzeihen. Die grosse Gabe im Leben ist die Fähigkeit zu verzeihen. Denn man tut sich selber weh, wenn man nicht verzeiht. Ich war nie nachtragend.

Wie würden Sie Hans Leutenegger mit wenigen Worten charakterisieren?
Einfach geboren, normale Intelligenz, aber sehr fleissig und lustig. Ich war der beste Kopfrechner in der Schule, und ich habe eine Gabe: Ich kann in die Leute reinschauen, merke sofort, wer für mich ist und wer gegen mich ist. Ich habe die beste Menschenkenntnis überhaupt. Und ich merke sofort, wenn jemand heuchelt. Ich sollte eigentlich Psychiater werden, ich habe so viele Menschen gut beraten. 

Von Peter Rothenbühler am 16.01.2020
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