1. Home
  2. People
  3. Swiss Stars
  4. Franjo von Allmen in der Sommervorbereitung
Franjo von Allmen in der Sommervorbereitung

«Ich vergesse nicht, woher ich komme»

Er startet nicht nur auf den Abfahrtsski durch. Weltmeister Franjo von Allmen liebt das Tempo – auch auf dem Motocross-Töff. Seinen WM-Coup hat er verarbeitet. Er bleibt auf dem Boden – und bereitet sich auf den Olympia-Winter vor.

Artikel teilen

<p>Das Posieren macht ihm Spass. Franjo von Allmen beim Shooting am Uebeschisee im Kanton Bern. </p>

Das Posieren macht ihm Spass. Franjo von Allmen beim Shooting am Uebeschisee im Kanton Bern. 

Marco Büchel

Er strahlt bis über beide Ohren. Sprünge, Dreck und scharfe Kurven – auf Abfahrts-Weltmeister Franjo von Allmen wartet der Motocross-Töff. «Nicht zu wild», ruft ihm der Fotograf zu, der frühere Skirennfahrer Marco «Büxi» Büchel (53). «Nicht dass du dich verletzt.» Ja nichts riskieren, bald startet die neue Skisaison – mit dem Höhepunkt, den Olympischen Spielen, im Februar. Franjo gibt Gas. Einige Runden später steigt er grinsend vom Töff. «Ich glaube, ich habe mir den Finger gebrochen.» Alles halb so wild, aber einen blauen Fleck hat der 24-Jährige allemal davongetragen. 

<p>Höher, schneller, weiter. Im Motocross will sich Franjo von Allmen privat verbessern. Rennen fahren will er vorerst nicht.</p>

Höher, schneller, weiter. Im Motocross will sich Franjo von Allmen privat verbessern. Rennen fahren will er vorerst nicht.

Marco Büchel

Die Motocrossstrecke Grundbach in Schwarzenberg BE gefällt Franjo von Allmen. Überhaupt hat er im Sommer diverse Gelegenheiten genutzt, um seinem Hobby zu frönen. Eigentlich habe er einst auf der Strasse angefangen mit Töfffahren, erzählt er. «Ich musste aber zugeben: Im jugendlichen Übermut ist das viel zu gefährlich.» Somit verlagerte er das Ganze auf die Motocrossstrecke. «Da kann man Gas geben, und niemand ist böse», erzählt er augenzwinkernd. Zudem sei der Sport körperlich und koordinativ sehr anspruchsvoll – was ihm auch beim Skifahren zugutekommt.

«Ich kann eine Kurve zehn Mal anders fahren und trotzdem zehn Mal schnell sein. Ich lerne, intuitiv zu handeln. Und das kann ich sehr gut auf den Schnee übertragen.» Der Schnee, sein Element. Im vergangenen Skiwinter schaffte von Allmen seinen Durchbruch. Ohne je eine Weltcupabfahrt gewonnen zu haben, rast er in Saalbach (Ö) zuoberst aufs Podest. Weltmeister. Mit gerade einmal 23 Jahren. Drei Tage später doppelt er nach und holt zusammen mit Loïc Meillard (28) Gold in der Team-Kombination. «Inzwischen habe ich es realisiert. Es ist noch immer sehr speziell, wenn mich Leute darauf ansprechen. Es passierte alles sehr unerwartet, und doch ist es etwas, das fürs Leben bleibt.»

<p>Hauptsache, schnell. In der Abfahrt gehört er zu den Besten, von<br />Allmen liebt aber auch das Tempo beim Motocross.</p>

Hauptsache, schnell. In der Abfahrt gehört er zu den Besten, von Allmen liebt aber auch das Tempo beim Motocross.

Marco Büchel

Die ganze positive Energie nehme er mit für die weitere Karriere. «Dass sich meine harte Arbeit so ausgezahlt hat, ist eine Genugtuung.» Nach der Saison nahm sich der frischgebackene Doppelweltmeister erst einmal eine Auszeit. Mit Freunden reiste er für ein paar Tage nach Griechenland. «Draussen in der Natur sein, den Kopf lüften, etwas Distanz gewinnen zu allem. Ich war viel auf dem Töff und natürlich im Kraftraum.» Auch der Abstand zum Team habe gutgetan nach den intensiven Monaten. Ein Team, das den Winter über begeistert hat – mit dem Höhepunkt an der WM, wo die Schweizer Ski-Männer Medaille um Medaille abräumten und mit ihrem Spirit für gute Stimmung und Lacher sorgten. Die Bilder mit den halb rasierten Glatzen nach von Allmens Abfahrtssieg gingen um die Welt.

<p>«Im Moment steht die Skikarriere im Vordergrund. Ich möchte gern noch ein paar Jahre weitermachen.»</p>

«Im Moment steht die Skikarriere im Vordergrund. Ich möchte gern noch ein paar Jahre weitermachen.»

Marco Büchel

«Ich bin immer noch ich»

Inzwischen ist der Schopf nachgewachsen. Von Allmen lacht, wuschelt sich durch die Haare. «Es hat sich mega viel verändert», sagt er dann. «Ich werde überall erkannt, die Leute zeigen ihre Freude, die sie nicht nur dank mir, sondern dank dem ganzen Team erleben durften.» Dennoch ist es dem Berner Oberländer wichtig, auf dem Boden zu bleiben. «Ich bin immer noch ich. Es ist mir wichtig, dass ich nicht vergesse, woher ich komme. Mein Freundeskreis ist der gleiche wie früher. Die holen mich schon runter, wenn ich abheben sollte.» Auch zu Hause verbringt Franjo von Allmen gern Zeit.

In der WG in Boltigen BE, die er mit Bruder Kilian teilt, kann er sich erden, Energie tanken. Die braucht er bald. Ende November steht in Copper Mountain (USA) das erste Speedrennen der neuen Saison auf dem Programm. Im Februar finden die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina (I) statt. Das ist für Franjo von Allmen noch weit weg. «Ich versuche, mich auf die Saisonvorbereitung zu konzentrieren. Ich will die ersten Rennen gelassen angehen.» Die Saison beginne wieder bei null, und für ihn stehe im Fokus, solides Skifahren zu zeigen und mit guten Resultaten zu punkten.

<p>Doppelweltmeister: Mit 23 Jahren holt sich Franjo von Allmen (l.) Gold in der Abfahrt und der Team-Kombi. Hier mit Teamkollege Marco Odermatt.</p>

Doppelweltmeister: Mit 23 Jahren holt sich Franjo von Allmen (l.) Gold in der Abfahrt und der Team-Kombi. Hier mit Teamkollege Marco Odermatt.

© PASCAL MORA

Dass die Erwartungen an ihn gestiegen sind, bringt ihn nicht aus der Ruhe. «Klar, der Druck von aussen ist da. Aber ich kann beeinflussen, wie viel Druck ich mir selbst mache.» Und dann kommt er vielleicht wieder, der Schweizer Team-Spirit. «Was wir erleben durften, war einzigartig. Es lief so vielen so gut, und natürlich probieren wir das mitzunehmen. Wir standen nach der Sommerpause mit grosser Freude wieder zusammen auf den Ski.» Die Freude, man spürt sie in dem, was Franjo von Allmen sagt und tut. Auf dem Schnee oder eben auf dem Töff im Dreck. 

Von Nadine Gerber vor 14 Stunden