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Auswanderin Britta Biedermann in Dänemark

«Ich vermisse Schoggi und Käse»

Die 66-jährige Schweizer Auswanderin Britta Biedermann aus Stäfa ZH lebt seit Jahren in Broager, Dänemark. Auf ihrer Farm baut sie Biogemüse an, hält Hühner, Bienen und bald Alpakas. Sie geniesst das einfache Leben und die Ruhe der dänischen Ostküste.

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<p>Britta Biedermann mit Katze Bianca und einem ihrer Hühner. Die ehemalige Bibliothekarin hat drei Katzen, zwei Bienenvölker und demnächst vier Alpakas, von denen zwei trächtig sind.</p>

Britta Biedermann mit Katze Bianca und einem ihrer Hühner. Die ehemalige Bibliothekarin hat drei Katzen, zwei Bienenvölker und demnächst vier Alpakas, von denen zwei trächtig sind.

Lene Christensen

Von Stäfa ZH nach Broager. An Dänemarks Ostküste baut Britta Biedermann (66) auf ihrer kleinen Farm Biogemüse an, hält Hühner, Bienen – und bald auch Alpakas.

«Aktuell bewegt mich die Frage, wie ich meinen Hofplatz mit Farnpflanzen gestalten kann. Wenn ich morgens aufwache, höre ich Stille – und später ‹Dansk Radio P4 Syd›. Zum Frühstück esse ich Toastbrot mit ‹Luussalbe›: eigenen Honig mit Butter gemischt – das Ganze streiche ich auf den Toast. Die Butter schmilzt, und der Honig beginnt zu fliessen – das brachte mir mein Vater bei.

Zur Arbeit fahre ich gar nicht, denn was es zu tun gibt, findet sich im oder ums Haus herum. Mein Arbeitstag dauert unterschiedlich, je nachdem ob ich Helfer oder Gäste auf dem Hof habe. Meist arbeite ich von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr, natürlich mit Pausen. Am Feierabend gönne ich mir einen guten Film aus dem Onlineangebot der hiesigen Bibliothek.

«Nicht nur davon träumen, sondern machen»

Typisch dänisch an mir ist: Jetzt machen wir mal bis dahin, und dann nehmen wir es von dort. Touristen aus meiner Heimat zeige ich den Alsik-Tower in Sonderburg. Von dort oben hat man einen fantastischen Rundblick über die verschiedenen Wasser wie Fjorde, Nor und Sund. Jedes Wasser hat einen Namen, vergleichbar mit Bergnamen in der Schweiz.

Überschätzt werden hier: Da fällt mir beim besten Willen nichts ein. Am meisten stört mich an Dänemark: die Behörden. Von der Schweiz vermisse ich: Schoggi und Käse. Die Schweiz kann von Dänemark lernen: bei der Digitalisierung im öffentlichen Sektor und im Gesundheitswesen. Schweizer Politik verfolge ich nur in Form von Headlines auf 20min.ch. Ich würde zurückkehren, wenn Dänemark durch den steigenden Meeresspiegel überflutet würde. Ich lebe nur 30 Meter über Meer. Mein Tipp für andere Auswanderer: nicht nur davon träumen, sondern machen.»

Britta Biedermann

Lene Christensen

Britta Biedermann (66) war einst Bibliothekarin, heute ist sie Biobäuerin. Die Single-Frau lebt im eigenen Haus, mit AHV und Pension hat sie monatlich 4000 Franken zur Verfügung. In Broager kostet ein Brot 3.50 Franken, der Coiffeur 55 Franken. Auswandern nach Dänemark wollte sie immer schon, sie hat dänische Wurzeln. Im örtlichen Ruderklub fährt sie gern mit einem Nydam-Replikat, dem Vorläufer der Wikingerboote, auf dem Meer. Innert fünf Jahren fing sie in der Fremde zweimal neu an, gab den ersten Hof nach drei Monaten auf, weil Windturbinen am Haus ihr gesundheitlich zusetzten. «Jetzt siehts so aus, als ob meine Pläne aufgehen.» 35 Kilo Honig erntete sie heuer auf ihrer Farm (www.britta-farm.org).

René Haerig, Ringier
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Von René Haenig am 5. Januar 2026 - 06:00 Uhr