Als Stefan Hofmänner die Tür öffnet, streift da ein riesiger buschiger Kater umher. «Köbu!», ruft er lachend, während das Tier die Ankömmlinge neugierig betrachtet. Draussen liegt die Kälte der bitteren Winternacht über Bolligen BE, drinnen ist es warm und ruhig. In dem kleinen Haus mit Terrasse und Blick über verschneite Hügel lebt einer der bekanntesten Sportkommentatoren des Landes – ganz ohne Starallüren.

Stefan Hofmänner (l.) mit Ex-Ski-Star und Co-Moderator Beat Feuz im Einsatz am Pistenrand in Wengen BE.
PETER SCHNEIDERWenn im Skizirkus ein Schweizer triumphiert oder ein Schwingerkönig gekrönt wird, ist sie da: die Stimme von Stefan Hofmänner. 59 Jahre alt, Sportlehrer von Beruf, SRF-Kommentator aus Leidenschaft. «Die Bühne gehört den Athleten. Ich bin der Beleuchter», sagt er bestimmt. «Ich stehe nicht auf der Bühne und ziehe eine Show ab. Das wäre eine unfassbare Anmassung.» Über 30 Sportarten hat er bereits kommentiert, doch er empfindet sich niemals selbst als Star. «Darum kann ich mit Bescheidenheit andere leuchten lassen. Und das finde ich edel», erklärt er.
Langnauerli als Hobby
Im Haus begegnet man immer wieder seinen Katzen. Köbu, der grosse Kater, der uns begrüsst hat, lässt sich von uns nicht beirren und strahlt sehr viel Ruhe aus. Seine Schwester «Flo» ist eher auf Futter aus. Getauft hat die Tiere Hofmänners Tochter Lina. Die 22-Jährige studiert in Freiburg Medien und Kommunikation.
Überall sind Spuren der Familie zu sehen: Fotos, Kalender und kleine Erinnerungsstücke, ergänzt durch Bilder der beiden Kinder seiner Partnerin aus Diemtigen. Mit ihr ist Hofmänner seit 2017 zusammen. Seine Familie hält der SRF-Mann jedoch aus der Öffentlichkeit heraus.

Kater Köbu ist immer dabei, auch beim Kaffeezubereiten. «Die Maschine ist einfach super», sagt Stefan.
Kurt ReichenbachGerne spricht er aber über seine auffällige Einrichtung. Ein Bild an der Wand zeigt eine imposante Highland-Kuh namens Arran, gemalt von einem befreundeten Künstler. «Das Bild strahlt Kraft und Ruhe aus», sagt Hofmänner. Einige Stücke stammen aus skurrilen Begegnungen: Ein Australier, verlassen von seiner Schweizer Partnerin, musste seine Möbel verkaufen. Hofmänner kaufte einige davon und half dem Verlassenen dadurch etwas aus seiner Misere.
Was dem Kommentator im Alltag hilft, sich zu entspannen, ist Musik. Hofmänner spielt «Langnauerli», eine einfache Handorgel. «In der Volksmusik gibt es extrem viele Noten – aber nicht für das Langnauerli. Das Instrument war fast ausgestorben und wird erst seit ein paar Jahren wiederbelebt. Dank Leuten wie dem Musiker Thomas Aeschbacher.» Getroffen haben sich die beiden am Buskers-Festival in Bern, wo er den Schweizer Sänger auf das Instrument ansprach. Hofmänner brachte sich das Spiel danach selbst bei.

Ein Klassiker für den Musikgenuss: Die restaurierte Jukebox spielt berndeutsche Hits. «Ich lasse die Musik auf mich wirken», sagt Stefan.
Kurt Reichenbach«Ich bin immer SRF»
Neben der Musik darf der Sport in der Wohnung nicht fehlen: An den Wänden hängen Glocken und ein Schwingerkranz – Geschenke der Galli-Fassnachtszunft aus Kriens, die ihm zu Ehren ein Fest auf dem Pilatus organisierte, mit Besuchern wie den Schwingern Joel Wicki, Kilian Wenger und den Jodler-Geschwistern Rymann.
Trotz seiner Bekanntheit durch seine Arbeit beim Fernsehen bleibt Hofmänner bescheiden. «19 von 20 Reaktionen sind positiv. Leute sagen: ‹Danke vielmals, ich höre so gerne zu.› Das tut gut.» Doch der Ruhm hat auch seine Schattenseiten: «Egal, wo ich auftauche, ich bin immer auch SRF. Diese Verantwortung spüre und trage ich auch.» Um dem Stress zu entgehen, zieht er sich regelmässig zurück: «Ich bin heute mehr zu Hause als früher.»
Kommentieren ist für ihn Passion. «Moderieren? Nein danke. Das sind zwei komplett verschiedene Welten», sagt er. «Ich liebe das Eintauchen, die Vorbereitung, die Analyse.» Künstliche Intelligenz betrachtet er kritisch: «Ich habe KI noch nie bewusst genutzt. Ich sehe die Vorteile, aber auch die Nachteile.»

Am Mikrofon ist Hofmänner in seinem Element. «Kommentieren ist für mich Passion.»
Kurt ReichenbachSein persönlicher Ausgleich liegt weit weg von Mikrofon und Medienstress. So auch beim Enzianstechen im Simmental. Mit einem Bergbauern sticht er dort die gelbe Wurzel aus, die die Grundlage für den kräftigen Schnaps ist. «Das ist ein Leben ohne Luxus, aber voller Ehrlichkeit. Rein, klar, hart und schön», sagt Hofmänner. «Wenn ich dort bin, komme ich zur Ruhe. Das ist sehr schön.»
