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SVP-Nationalrat ist der Gewinner der CO2-Abstimmung

Imark, der Grünen-Schreck

Er hat alle ausgebremst: SVP-Nationalrat Christian Imark ist der grosse Gewinner der CO2-Abstimmung. Wer ist dieser Mann, der knallhart und todernst argumentiert und gleichzeitig so unbekümmert durchs Leben rollt?

Christian Imark SVP Nationalrat aus Fehren SO war Kampagnen Leiter gegen das CO2 Gesetz. Bild © Remo Naegeli

Auf dem Bobby-Car genauso rasant wie im Abstimmungskampf: SVP-Nationalrat Christian Imark, 39, zu Hause in Fehren SO

Remo Nägeli

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, wenn man hart für eine Prüfung gearbeitet hat, am Ende eine Sechs bekommt und die Müdigkeit wie ein Gewitter über einem zusammenbricht?Ungefähr so fühlt sich Christian Imark, 39, zwei Tage nach dem Abstimmungssonntag. Der SVP-Nationalrat sitzt in der Rattan-Lounge auf seiner Terrasse in Fehren SO, rundherum Wiesen mit frisch gemähtem Gras und Einfamilienhäuser mit Trampolin im Garten. Er spült die sommerlich Hitze mit einem Schluck Leitungswasser herunter und sagt: «Über Monate habe ich eine Position vertreten, die alle anderen als verrückt abtaten, und am Ende sagt die Mehrheit des Volks: Du hattest recht – das ist eine Genugtuung, aber der Kampf hat mich auch geschlaucht.»

Diese «verrückte Idee», wir wissen es längst, ist das Nein zum revidierten CO2-Gesetz – und seit vergangenem Sonntag Tatsache. Christian Imark hat als Kampagnenleiter der Gegner wesentlich zum Scheitern der Vorlage beigetragen.

Christian Imark SVP Nationalrat aus Fehren SO war Kampagnen Leiter gegen das CO2 Gesetz. Bild © Remo Naegeli

«Ich geniesse die Stille rund um mein Haus», sagt Imark – kurz bevor zwei Traktoren das Heu lautstark zu Ballen pressen.

Remo Nägeli
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Unvergessen bleibt sein Auftritt vor vier Wochen in der SRF-«Arena», als er Bundesrätin Simonetta Sommaruga an den Karren fuhr und worüber er später selbst sagte: «Ich war zu laut und zu aggressiv.»

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Harter Schlagabtausch in der SRF-«Abstimmungs-Arena» zum CO2-Gesetz: Umweltministerin Simonetta Sommaruga und SVP-Nationalrat Christian Imark.

ZVG

In dieser Sendung müsse man in kurzer Zeit auf den Punkt kommen, «und wenn man dann Dinge hört, die einfach nicht stimmen, dann, dann …» Imark ballt auch jetzt noch die Fäuste, wenn er daran denkt. Gleichzeitig muss er über seinen emotionalen Eifer schmunzeln. «Ich bin selbstkritisch, mir gefällt auch nicht alles, was ich von mir sehe.»

In der Presse liest man immer wieder, Imark habe sich in den vergangenen Jahren vom gmögigen Giel zum kämpferischen Scharfmacher entwickelt. SP-Nationalrätin Nadine Masshardt, die mit Imark in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie ist, sagt über ihn: «Mit Halbwahrheiten sowie persönlichen Angriffen legte sich Christian Imark gegen das CO2-Gesetz ins Zeug. Diese Art des Politisierens beunruhigt mich.»Er selbst findet: «Ich habe mich nicht verändert.» Vielmehr hänge die Art, wie er politisiere, von seiner jeweiligen Funktion ab. «Als Nationalrat etwa darf man nicht zu sehr differenzieren, sonst wird man nicht gehört.» 

Christian Imark SVP Nationalrat aus Fehren SO war Kampagnen Leiter gegen das CO2 Gesetz. Bild © Remo Naegeli

Im FC Nationalrat ist Christian Imark Innenverteidiger. Zu Hause jongliert er nur noch selten Bälle. Für das München-Trikot musste er tief in die Kleiderkiste greifen.

Remo Nägeli

Christian Imark hat die klassische Ochsentour hinter sich. Mit 16, als er die Lehre zum Polymechaniker beginnt, tritt er der SVP bei. Mit 19 wird er ins Kantonsparlament von Solothurn gewählt, mit 29 zum Parlamentspräsidenten – als jüngster in der Geschichte des Kantons. Seit 2015 sitzt er im Nationalrat.

Politisiert haben ihn die grossen Themen, die Europapolitik und die Migrationsfragen. Schon als Schüler liest er Zeitung, schaut die «Arena» – als Einziger in der Familie. «Meine Eltern sind nicht politisch», sagt er. Sein Vater, ein gebürtiger Belgier und Physiotherapeut, hat in der Schweiz nicht einmal das Stimmrecht. Seine Mutter ist medizinische Praxisassistentin und mit den vier Kindern absorbiert. Imark hat eine ältere Schwester und zwei ältere Halbgeschwister. Wobei er selbst nicht zwischen «halb» und «ganz» unterscheidet: «Geschwister sind Geschwister.»

Fast sein ganzes bisheriges Leben hat Imark in Fehren im Schwarzbubenland verbracht. Nur als er nach der Lehre an der Fachhochschule Burgdorf Architektur studierte, zog er für kurze Zeit weg. «Ich bin ein Landmensch.» 2011 organisiert er in Fehren erstmals ein Dorffest. Als OK-Präsident kauft er aus dem eigenen Sack ein Festzelt, weil es keine geeignete Scheune gibt. Später vermietet er das Zelt an andere Party-Organisatoren und kauft sich mit den Erträgen weiteres Material hinzu. Heute ist er als selbstständiger Unternehmer in der Vermietung von Event-Infrastruktur tätig. «In meinem Leben ist selten etwas durchgeplant», sagt er. Seine Stärke sei, das Potenzial einer Sache zu erkennen und für sich zu nutzen.

Christian Imark SVP Nationalrat aus Fehren SO war Kampagnen Leiter gegen das CO2 Gesetz mit seiner Frau Carmen Imark

Seit 15 Jahren sind Christian und Carmen Imark, 33, ein Paar. Sie arbeitet 40 Prozent in der Spitalpflege.

ZVG

Nun – das ist auch in der Liebe so geschehen. 2006 hat er seine künftige Frau Carmen an einem Dorffest kennengelernt. Sie kommt aus Röschenz, drei Dörfer weiter, und ist sechs Jahre jünger als er. 2015 haben die beiden in der St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn geheiratet – mit dem Segen von Bischof Felix Gmür.

2019 kommt Tochter Liah Maria Anna Petra zur Welt, vor einem Jahr dann Jonah Valentin Maria Florian. «Vier Vornamen sind in unserer Familie Tradition», sagt Imark – er selbst heisst Christian Josia Maria Didier.Seine Kinder hätten an seinen politischen Zielen nichts geändert. Er sei zum Beispiel nie gegen den Klimaschutz gewesen. «Ich bin dafür, dass Elemente des bestehenden CO2-Gesetzes effizienter gestaltet werden und neue Elemente die Bevölkerung nicht stärker belasten.»Während er wieder ins Argumentieren kommt, drücken seine Kinder ihre Nasen an der Terrassentür platt. Er möchte sie von der Presse fernhalten. Als das Interview fertig ist, hüpfen sie schnurstracks ins Planschbecken.

«In den letzten Wochen war ich zu wenig Papi», gibt Imark zu. Seine Tochter gehe jeweils zuerst auf Dis-tanz, wenn er ein paar Tage am Stück weg gewesen sei – «das gibt mir schon zu denken». Umso mehr versuche er in der Zeit, die ihm mit den Kindern bleibt, mit allen Sinnen da zu sein – selbst wenn ihn die Müdigkeit nach dem Sieg überrollt. 

Von Michelle Schwarzenbach am 19.06.2021
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