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Marc Sway

«Irrwitz, Menschen nach ihrer Hautfarbe einzuteilen»

Die aktuelle Diskussion um Rassismus erachtet Sänger Marc Sway als wichtig – um aufzuzeigen, «dass es ihn gibt». Der Halbbrasilianer selbst lebt seinen Kindern vor, dass es keine Unterschiede zwischen Menschen gibt. Und ist überzeugt davon, dass man etwas gegen Rassismus tun kann.

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«Das grausige Monster Rassismus wächst, weil Menschen Angst haben», sagt Sänger Marc Sway.

Jonathan Heyer

Ende Mai ist US-Amerikaner George Floyd, †46, in den USA durch Polizeigewalt ums Leben gekommen. Sein tragischer Tod löst weltweite Diskussionen aus – und stellt mit Rassismus ein Thema in den Fokus, das viele betrifft.

Auch Sänger Marc Sway, 40, hat Erfahrungen damit gemacht. «Das Primitivste, das ich erlebt habe, war auf dem Fussballplatz, als einer fragte: ‹Wer deckt den Neger?›», erzählt er im Gespräch mit schweizer-illustrierte.ch. «Ignorante Menschen wird es immer geben», fährt er fort. «Aber lasst uns daran arbeiten, dass es weniger werden!»

Herkunft spielt eine Rolle

Ansonsten ist der Sohn einer Brasilianerin und eines Schweizers vor Rassismus grösstenteils gefeit geblieben, was er unter anderem auf das Image des Heimatlands seiner Mutter zurückführt. «Man sieht in Brasilien keine Gefahr – das Land des Fussballs und Samba. Da sind die Leute gerne etwas grosszügiger.»

  

 

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«Nie ein Thema»

Er selber sei «farbenblind» aufgewachsen, erzählt Sway – ohne Klassifizierung, ohne dass die Hautfarbe eine Rolle gespielt hätte. «Ich bin ein Kind zweier Nationen, bin eine Mischung aus verschiedenen ‹Rassen›, wenn man dem so sagen will. Für uns war das aber nie ein Thema.» Für ihn gebe es ohnehin nur eine Rasse: den Menschen. «Es ist ein Irrwitz, Menschen nach ihrer Hautfarbe einzuteilen und anhand derer ein Urteil zu fällen.»

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Nachdenklich: Dass man Menschen wegen eines Zufalls klassifiziert, kann Marc Sway nicht nachvollziehen.

Jonathan Heyer

Dass seine Einstellung nicht alle teilen, erklärt er sich mit der Angst. «Das grausige Monster Rassismus wächst, weil Menschen Angst haben. Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird. Angst, dass etwas verloren geht. Angst vor der Andersartigkeit.»

Sway selber ist als Kind mit dieser Angst in Berührung gekommen. Ein Freund seiner Mutter wurde Opfer einer rassistisch motivierten Tat. An einer brasilianischen Veranstaltung sei es passiert. «Wir Kinder sind schon heimgegangen, unsere Eltern waren noch da. Am Ende des Abends haben Skinheads einen dunkelhäutigen Brasilianer die Treppe runtergestossen und auf ihn eingeschlagen. Ein Freund von meiner Mutter ist bei diesem Angriff tödlich verletzt worden.»

Eine Welt ohne Unterschiede

Auch wegen seiner persönlichen Erfahrung ist es dem Musiker wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen. Wie tausende andere hat Sway deshalb unter dem Hashtag #blackouttuesday ein schwarzes Bild gepostet, um auf die Missstände hinzuweisen. «Ich erhoffe mir davon, dass allen bewusst wird, dass es Rassismus gibt, dass er da ist.» Für ihn sei wichtig, dass jeder für sich selber überlege, ob sein Handeln und Denken richtig sei. «Ob die Vorurteile, die man von anderen hat, gerechtfertigt sind.»

Marc Sway wünscht sich eine Welt, in der es keinen Unterschied macht, welche Hautfarbe oder sexuelle Orientierung man hat. Den Ursprung dieses Gedankenguts sieht er in der Erziehung. Seine eigenen Töchter Naomi, 11, und Nahla, 9, werden in einem multikulturellen Umfeld gross. «Wir haben schwule und lesbische Pärchen in unserem Freundeskreis. Schwarze, Weisse, Asiaten. Wir leben unseren Kindern vor, dass es keine Unterschiede gibt.»

Komplexes Konstrukt

Rassismus nämlich ist für Sway mehr als die Hautfarbe. «Es ist komplexer als das», sagt er. «Die Komplexität liegt im Zufall. Woher man kommt, ist eine Lotteriegeschichte, willkürlich und zufällig. Und man darf einen Menschen nicht bestrafen für einen Zufall – wie man auch nicht wahnsinnig stolz darauf sein darf, wenn man eben beispielsweise Schweizer ist. Weil es ebenso ein Zufall ist.»

«Man darf einen Menschen nicht bestrafen für einen Zufall»

Man solle und dürfe offen diskutieren, auch kritisch sein, aber nicht grundlos verurteilen. Man soll offen sein und Vorurteile ablegen. Denn gegen Fremdenhass kann man etwas tun, ist Sway überzeugt. «Niemand kommt rassistisch auf die Welt», erklärt er. «Rassismus ist nicht genetisch. Man kann ihn also auch wieder loslassen.»

Von Ramona Hirt am 07.06.2020
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