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Jahresrückblick Kraft der Träume

Johan Djourou - Der grosse Bruder im Fussball-Sommermärchen

Er erlebte das Sommermärchen der Schweizer Frauen-Nati an der Heim-Euro hautnah, war die Schlüsselfigur im Hintergrund. Für den früheren Fussballstar Johan Djourou eröffnet sich eine neue Welt – auch dank seinen Töchtern.

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<p>Die Djourou-Bande: Johan mit seinen fussballbegeisterten Töchtern Lou, Aliany und Julia (v.l.).</p>

Die Djourou-Bande: Johan mit seinen fussballbegeisterten Töchtern Lou, Aliany und Julia (v.l.).

Toto Marti

Als die Schweiz in diesem magischen Sommer Gastgeberin der Frauen-Heim-EM war, erlebte das Land einen dieser seltenen Momente, in denen eine Sportart über sich hinauswächst. Stadien füllten sich, rot-weisse Wellen schwappten durch die Städte, und plötzlich schien alles möglich. Mittendrin, aber nur am Rande des Rampenlichts: Johan Djourou (38). Der frühere Arsenal-Verteidiger, einst Abwehrchef von Weltformat, war als Sportkoordinator der Frauen-Nati für viele Spielerinnen das, was im Kader oft fehlt – ein Anker. Ein ruhender Pol. Ein grosser Bruder. «Es war wie ein Sommer, in dem alle Fenster offenstanden», sagt Djourou heute.

«Die Schweiz vibrierte. Da war eine Energie, die man nicht künstlich erzeugen kann.» Er stand überall dort, wo mentale Unsicherheiten lauern: vor Besprechungen, nach Trainings, vor Medienterminen, in den Minuten vor dem Anpfiff. «Ich wollte den Spielerinnen Sicherheit geben. Besonders den jungen. Ich kenne dieses Gefühl: Du stehst neben grossen Namen und fragst dich: Gehöre ich hier wirklich hin?»

«Man muss anders zuhören»

Seine permanente Antwort: «Ja. Jede von euch, alle gehören dazu.» Für viele wurde er zur wichtigsten Bezugsperson – nicht weil er etwas forderte, sondern weil er etwas verstand. «Man kann hart sein», sagt er lächelnd. «Aber man muss anders zuhören. Viele Mädchen zweifeln an ihrem Platz. Man muss ihnen Orientierung geben, Mut.»

Vielleicht rührt seine Sensibilität daher, dass er Vater von drei fussballbegeisterten Mädchen ist: Lou (15), Aliany (13), und Julia (10). Alle spielen Fussball, alle trainiert er beim FC Lancy. «Es ist nicht nur Fussball, es ist Erziehung, Vertrauen, Gemeinsamkeit.» Fussball war bei den Djourous nie gesetzt. «Erst als ich aufgehört habe, kam Bewegung rein», erzählt Johan. Lou begann als Erste – nach einem Probetraining in Bernex. «Zwei Wochen später sagte sie: ‹Papa, ich will wirklich anfangen.› Da wusste ich: Wenn wir es machen, dann richtig.»

26.06.2025; Winterthur; Fussball UEFA Womens Euro 2025 - Testspiel Schweiz - Tschechien; Sport-Coordinator Johan Djourou mit Coumba Sow (SUI) (Toto Marti/Blick/freshfocus) --------------------------------------------------------------------- ACHTUNG REDAKTIONEN: KEINE ABONNEMENTS, ES GELTEN DIE PREISEMPFEHLUNGEN DES SAB - MANDATORY CREDIT, EDITORIAL USE ONLY, NO SALES, NO ARCHIVES ---------------------------------------------------------------------

Motivator, Ratgeber, Glücksbringer: Johan Djourou spielte an der Heim-Euro der Frauen eine Rolle, die es vorher nicht gegeben hatte.

Toto Marti/Blick/freshfocus

Der Weg zur Frauen-Nati kam über eine Empfehlung von Vincent Cavin, dem Ex-Assistenten von Männer-Nationaltrainer Murat Yakin. «Er sagte: ‹Du musst mit Präsident Blanc sprechen.›» Djourou war damals bereits Trainer bei Lancy, voller Ideen und Neugier. «Wir führten mehrere Gespräche – und plötzlich war ich da», sagt er lachend. Was wie Zufall klingt, wurde schnell zu einer Rolle, die ihm entspricht.

Nach dem Turnier folgte der nächste Schritt: die Ernennung zum Technischen Leiter der Frauennationalauswahlen beim SFV. «Ich trage jetzt die technische Leitung und die sportlich-strategische Ausrichtung der Frauenteams», erklärt er. Bürojob? «Nur theoretisch. Ich werde nicht der Chef, der im Büro verstaubt.»

Der Abschied von Nati-Trainerin Pia Sundhage (65), war für ihn eine Herausforderung. «Mit Respekt», sagt er. «Pia ist eine Legende. Die Entscheidung war nicht gegen sie. Aber manchmal braucht ein Weg einen neuen Impuls.»
Dieser Impuls heisst Rafel Navarro (39), ein Trainer mit Barcelona-Schule. «Für uns zählt Kompetenz – nicht Geschlecht, nicht Alter. Rafel bringt Klarheit, Struktur und Mut mit.»

Nun richtet sich sein Blick auf die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien – ein Land, das er wie wenige kennt. «Brasilien ist ein Gefühl. Die Farben, die Lieder, die Aura des Fussballs.» Die Schweizer Spielerinnen sollen gross denken. «Wenn wir uns qualifizieren, dürfen sie träumen. Finale im Maracanã? Warum nicht. Träume sind Kompass, nicht Dekoration.»

Von Thomas Renggli am 14. Dezember 2025 - 18:00 Uhr