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  4. So leben die Schweizer Korinna Sehringer und Roger Kurath nach dem Inferno in Los Angeles
Brände in Los Angeles 2025

Korinna Sehringer spricht über das Leben nach dem Inferno

Vor der Oscar-Verleihung schaut die Welt wieder nach Hollywood. Doch in Los Angeles trüben die Spuren der verheerenden Brände vom Januar 2025 den Glamour noch heute. Mittendrin die Schweizerin Korinna Sehringer.

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<p>Der Schutt ist weg, aber der giftige Feinstaub ist geblieben: die Baslerin Korinna Sehringer bei ihr um die Ecke in Altadena, Los Angeles.</p>

Der Schutt ist weg, aber der giftige Feinstaub ist geblieben: die Baslerin Korinna Sehringer bei ihr um die Ecke in Altadena, Los Angeles.

Jonas Mohr

Korinna Sehringer (54) senkt den Kopf: «Ich weiss gar nicht, wo anfangen.» Vor über einem Jahr hat das Eaton-Feuer in Altadena ihr Leben auf den Kopf gestellt. Am 7. Januar 2025 brannten in zwei Stadtteilen von Los Angeles über 16'000 Gebäude nieder. Seither ist jeder Tag ein Kampf. Die Immobilienmaklerin und ihr Sohn Julian (5) sahen den Rauch aus dem Flugzeug, als sie von den Weihnachtsferien in der Schweiz zurückflogen. Ihr Haus wurde zwar vom Feuer verschont. Doch bereits im Februar zeichnete sich ab, dass es einfacher gewesen wäre, sie hätten alles durch Flammen verloren.

<p>Korinna Sehringers Quartier und ihr Wohnzimmer nach dem Feuer. Weg-zuziehen und das Haus zu verkaufen, würde einen hohen finanziellen Verlust bedeuten. «Das Haus ist meine Altersvorsorge», sagte Sehringer damals.</p>

Korinna Sehringers Wohnzimmer nach dem Feuer. Wegzuziehen und das Haus zu verkaufen, würde einen hohen finanziellen Verlust bedeuten. «Das Haus ist meine Altersvorsorge», sagte Sehringer damals.

Jonas Mohr

«Bei Stadtfeuern werden viele krebserregende Giftgase und Schwermetalle frei und verseuchen Luft, Boden und alles, was damit in Berührung kommt. Meine Versicherung aber weigerte sich monatelang, mein Haus zu testen», sagt die alleinerziehende Mutter beim Mittagessen in ihrer Stamm-Pizzeria. «Ich bekam Kopfweh, als ich zum ersten Mal ins Haus zurückkehrte, mir gings drei Tage lang schlecht.» Ihr Auto war kontaminiert, so weit lenkte die Versicherung ein und bezahlte den Schaden der Leasingfirma, während die Baslerin das Geld für einen Ersatzwagen selber zusammenkratzen musste.

Kampf mit der Versicherung

Auch die 20'000 Dollar für umfangreiche Tests musste sie selber berappen. «Die richtigen Leute zu finden, war ein Albtraum. Medien haben aufgedeckt, dass gewisse Firmen mit den Versicherern unter einer Decke stecken.»

Der Schadstoff-Report bestätigte, was Korinna Sehringer befürchtete: Ihr Haus muss komplett ausgehöhlt und alles entsorgt werden. «Aber meine Versicherung fechtet das Gutachten an.» Die Schweizerin musste einen unabhängigen Schadensgutachter finden, was ebenfalls Monate dauerte. Die lizenzierten Spezialisten waren ausgebucht oder nahmen nur einfache Fälle an. Für das Dach, das während des Feuersturms beschädigt wurde, will die Versicherung nur 11'000 Dollar zahlen, die Reparatur aber kostet mindestens das Doppelte. Und schliesslich kam auch noch die Hiobsbotschaft vom Staat: «Meine Liegenschaftssteuer ist höher als letztes Jahr.»

Korinna Sehringer fühlt sich von ihrer Versicherung, den Hilfsorganisationen und dem Staat im Stich gelassen. Der Einzelkampf zermürbt sie. Ihr Julian soll das nicht merken: «Manchmal sitze ich im Auto vor dem Haus und weine.» Noch wohnen Mutter und Sohn bei einer Schweizer Freundin in einem benachbarten Stadtteil zur Untermiete. Ab Mai will die Versicherung aber nicht mehr für ihre Mietkosten aufkommen. Verzweifelt bittet Sehringer deshalb online via GoFundMe um Unterstützung.

<p>Auf andere Gedanken kommen: Die ­Lieblingspizzeria von Korinna und ihrem Sohn Julian ist wieder in Betrieb.</p>

Auf andere Gedanken kommen: Die Lieblingspizzeria von Korinna und ihrem Sohn Julian ist wieder in Betrieb.

Jonas Mohr

Kein Einzelfall

Im Westen von Los Angeles, in Pacific Palisades, steht der Schweizer Architekt Roger Kurath (58) da, wo sich einst eine Luxusvilla befand. Das Palisade-Fire hat sie aufgefressen. Sie gehörte einem Tech-Millionär – auch dessen Porsche-Sammlung in der Garage ist nun futsch. Der frühere Bewohner hat sich bereits in einem anderen Stadtteil ein neues Haus gekauft. Seine Frau nämlich will nicht in diese mit Feinpartikeln verseuchte Gegend zurück.

<p>Der Architekt und ein geplatzter Traum: Der Schweizer Roger Kurath hat in Pacific Palisades gebaut. «Es tut weh, dass alles weg ist.»</p>

Der Architekt und ein geplatzter Traum: Der Schweizer Roger Kurath hat in Pacific Palisades gebaut. «Es tut weh, dass alles weg ist.»

Jonas Mohr

Der St. Galler Architekt Kurath hofft, dass Pacific Palisades keine Geisterstadt bleibt. «Doch vor 2027 will hier niemand neu bauen. Keiner will nur umgeben von Baustellen wohnen.» Darum schlägt er sich für den Besitzer mit einem halben Dutzend Behörden und noch mehr Expertenberichten herum, hoffend, dass doch irgendwann ein Wiederaufbau möglich sein wird. Gerade wurden Betonpfähle verordnet, die das neue Haus im Boden verankern sollen. Die kosten schnell 300'000 Dollar, die die Versicherung nicht deckt, erzählt Kurath.

Alle Bewilligungen einzuholen, dauere Monate. In den Hügeln der Palisades und in Malibu an der Küste mahlen die behördlichen Mühlen absichtlich langsam: So sollen Immobilienspekulanten abgeschreckt werden. Der berühmte Pacific Coast Highway werde sicher die nächsten fünf Jahre eine Baustelle sein: «Die Häuser werden wegen des steigenden Meeresspiegels weiter von der Küste weg gebaut werden müssen. Das betrifft dann auch das Kanalisationssystem, das das Abwasser noch immer direkt ins Meer leitet.»

<p>Drei Wochen nach dem Feuer schaute Kurath mit dem Hausbesitzer den Schaden an: «Wir fanden den Schmuck, den er im Sommer seiner Tochter zur Hochzeit schenken wollte.»</p>

Drei Wochen nach dem Feuer schaute Kurath mit dem Hausbesitzer den Schaden an: «Wir fanden den Schmuck, den er im Sommer seiner Tochter zur Hochzeit schenken wollte.»

Jonas Mohr

Wie Korinna Sehringer schlagen sich auch die Reichen mit ihren Versicherungen herum. Manche Versicherer haben Kalifornien verlassen und meiden Kunden im Risikogebiet. Der staatliche Versicherer hat eine Limite, die oft den Immobilienwert nicht deckt. Dazu kommen neue Begrünungsregeln. Um Feuer einzudämmen, müssen Bäume künftig 15 Meter von Häusern entfernt gepflanzt werden. So werde sich, klagt Kurath, das Stadtbild auf einen Schlag verändern: «Pacific Palisades wird eine Wüstenstadt werden.»

Von Marlène von Arx am 15. März 2026 - 12:00 Uhr