1. Home
  2. People
  3. Swiss Stars
  4. Nati-Kapitän Lichtsteiner und Yann Sommer: «Wir wollen an die Euro nicht den ESC»

loading...
Um Spenden für den Berufsverband des Pflegefachpersonals zu sammeln, singt die Mannschaft rund um Teamkapitän Stephan Lichtsteiner «Imagine» von John Lennon.  
So kam der Schweizer-Nati-Song zustande

Lichtsteiner: «Wir wollen an die Euro nicht den ESC»

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft greift das Coronavirus musikalisch an – mit einigen schrägen Tönen, aber viel gutem Willen. Team-Captain Stephan Lichtsteiner, 36, und Bandleader Yann Sommer, 31, erzählen die Story dahinter.

Yann Sommer, Stephan Lichtsteiner, zusammen mit Ihren Kollegen singen Sie gegen die Corona-Krise. Wer hatte die Idee dafür?
Yann Sommer: Wir sind jetzt alle zu Hause und haben mehr Zeit als sonst. So haben wir uns überlegt, wie wir die Botschaft der Solidarität am besten vermitteln können. Zudem war es uns wichtig, ein Spendenprojekt zu starten, das sofort umgesetzt werden kann – und dass das Geld dorthin fliesst, wo
es am meisten gebraucht wird. Jetzt müssen wir alle zusammenhalten.
Stephan Lichtsteiner: Yann stellt sein Licht etwas unter den Scheffel. Er war es, der die Idee in unserem Gruppenchat aufgeworfen hat. Die Mannschaft war sofort begeistert. Es war wirklich bemerkenswert, wie wir alles innert 24 Stunden aufgleisen konnten.

Welches Zeichen wollen Sie setzen?
YS: Mit der Wahl des Berufsverbandes der Pflegefachpersonen wollen wir unsere Wertschätzung gegenüber jenen Menschen ausdrücken, die momentan an der Front schier Unglaubliches leisten und dabei oft auch ihr Leben riskieren.
SL: Die Pflegerinnen und Pfleger stehen praktisch 24 Stunden im Einsatz. Sie sind die Helden dieser Zeit.

Mehr für dich
Placeholder

Goalie Yann Sommer hatte die Idee zu der Spendenaktion.

ZVG

Yann Sommer, Sie machen auch als Frontsänger eine gute Figur. Woher haben Sie dieses Talent?
YS: Danke fürs Kompliment. Ich befasse mich schon seit einigen Jahren mit Musik: Singen und Gitarrespielen sind ein Hobby für mich. Als Ausgleich zum Fussball nehme ich zum Beispiel Gesangsstunden.

Stephan Lichtsteiner, hat Ihnen schon jemand gesagt, dass Sie eine Stimme wie Johnny Cash haben?
Nein, zu Hause werde ich mit Gegenständen beworfen, wenn ich zu singen beginne (lacht). Deshalb singe ich eigentlich nur die Nationalhymne und bei Titelgewinnen …

Was sagen Sie zum Auftritt von Yann Sommer?
Zwölf Punkte, douze points, dodici punti! Yann ist nicht nur im Tor die Nummer 1.

Yann Sommer, wie beurteilen Sie die musikalische Leistung von Stephan Lichtsteiner.
YS: (Lacht.) Als Sänger ist er wie als Fussballer – er gibt immer 100 Prozent und stellt sich kompromisslos in den Dienst der Mannschaft. Stephan ist unser wichtigster Leader.

Placeholder

Nati-Käpitän Stephan Lichtsteiner will nicht am Eurovision, sondern an der Euro überzeugen.

Sandro Bäbler

Bei Xherdan Shaqiri ist nicht unbedingt zu spüren, dass er in der Beatles-Stadt Liverpool lebt ...
YS:
Einspruch! Ich fand seinen Einsatz Weltklasse, mit viel Leidenschaft und Improvisationskunst!

Bei Kevin Mbabu summt auch die Katze mit. Hatten Sie ebenfalls Support?
YS: Das mit der Katze war witzig, vor allem weil Kevins Textteil «I’m not the only one» hiess. Ich war zu Hause mit meiner Frau und meiner Tochter. Sie haben mich damit unterstützt, dass ich mich ganz dem Projekt widmen konnte.

Wie schwierig war es, Trainer Petkovic zum Singen zu bewegen?
SL: Überhaupt nicht; er war sofort dabei und ging mit gutem Beispiel voran. Wir sind ein Team, auch abseits des Fussballplatzes.

«Imagine» stammt von John Lennon. Wer übernahm bei eurer Interpretation die künstlerische Leitung?
YS: Jeder für sich. Es wurde alles spontan umgesetzt und sollte authentisch rüberkommen. Ich glaube, das ist uns nicht schlecht gelungen?

Für Singstunden reichte die Zeit aber nicht bei allen …
YS: Da gebe ich Ihnen recht, aber gerade deshalb ist die Aktion wohl umso sympathischer. Ganz ehrlich: Sinn und Zweck dieser Aktion war nicht, unser Gesangstalent unter Beweis zu stellen. Dass sich einige der Jungs ausserhalb ihrer Komfortzone bewegt haben, verdient Respekt.
SL: Wir wollen nicht am Eurovision Song Contest für Furore sorgen, sondern an der Euro – Verschiebung hin oder her. Hauptsache, unsere Spieler sind gute Fussballer.

Placeholder

Die Spieler der Schweizer Nati haben sich bei ihrer Interpretation von John Lennons «Imagine» aus ihrer Komfortzone gewagt.

ZVG

Darf man die Aktion auch als Vorbereitung auf die nächsten Länderspiele verstehen? Singen künftig alle die Hymne?
SL: Ich weiss nicht. Das Video könnte eher eine schlüssige Erklärung dafür sein, weshalb nicht immer alle aus voller Kehle mitsingen (lacht).

Was können Sie als Spitzensportler sonst zur «Krisenbewältigung» beitragen?
SL: Genau dasselbe wie alle. Sich konsequent an die Richtlinien halten: die Handhygiene einhalten, Abstand wahren und am besten zu Hause bleiben.

Was wünschen Sie sich in der momentan so schwierigen Situation?
YS: Vor allem, dass wir gesund bleiben, aber auch die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich alles wieder normalisieren wird und wir nach der Krise noch bewusster zum Alltag zurückkehren – auch wenn vieles nicht mehr gleich sein wird wie vorher.SL: Momentan gibt es für alle wohl nur einen grossen Wunsch: beste Gesundheit und viel Kraft und Zuversicht.

Von Thomas Renggli am 03.04.2020
Mehr für dich