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Ein Troubadour wie Mani Matter

Liedermacher Markus Schönholzer erhält Salzburger Stier

Er komponierte Hit-Musicals wie «Die Schweizermacher». Jetzt erhält Markus Schönholzer als Liedermacher den Salzburger Stier. Er sei «nah dran am Alltag», so die Jury, ein Wortakrobat mit viel Gespür für Musik.

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<p>Talentiert: Eine Gitarre und seine Stimme, mehr braucht Markus Schönholzer nicht, um mit feinem Sprachwitz und Gespür für Alltagskomik zu unterhalten.</p>

Talentiert: Eine Gitarre und seine Stimme, mehr braucht Markus Schönholzer nicht, um mit feinem Sprachwitz und Gespür für Alltagskomik zu unterhalten.

Geri Born

«Finkli» war eines der ersten schweizerdeutschen Wörter, das Markus Schönholzer (63) über die Lippen kam, als sich der damals 11-Jährige 1973 plötzlich in der kleinen Gemeinde Sennwald im St. Galler Rheintal wiederfand. Seine Eltern waren gerade mit ihm und seinen Geschwistern aus Buffalo, der zweitgrössten Stadt im US-Bundesstaat New York, in die alte Heimat zurückgekehrt. Markus, in Amerika geboren, sprach da nur Englisch.

Heute jongliert Schönholzer als Musikkabarettist und Liedermacher auf Schweizer Bühnen mit Mundartwörtern wie ein Weltklasseartist in der Manege mit Bällen. Er machte sich als Wortakrobat einen Namen. Im Mai erhält er dafür den renommiertesten Kleinkunstpreis im deutschsprachigen Raum. Der Salzburger Stier wird von SRF, ORF, ARD und Rai Südtirol vergeben. «Schönholzers Lieder berühren, ohne sentimental zu sein, sie sind klug und voller Blödeleien, sind überspitzt und überdreht und doch nah dran am Alltag», begründet die Jury ihre Wahl.

Englischverbot in der Kindheit

Von den «Finkli» zum «Stier» wars ein langer Weg. Oder wie Markus sagt: «Eine harte Schule.» Während in Buffalo die Eltern (der Vater ist Thurgauer, die Mutter stammt aus dem Emmental) mit den Kindern weder Deutsch noch Schweizerdeutsch sprachen, galt nach der Rückkehr in die Schweiz daheim vorerst ein Englischverbot.

<p>Heiter: Markus Schönholzer im Esszimmer seiner Wohnung in Zürich Wiedikon. Seit 30 Jahren lebt der Liedermacher bereits im Quartier.</p>

Heiter: Markus Schönholzer im Esszimmer seiner Wohnung in Zürich Wiedikon. Seit 30 Jahren lebt der Liedermacher bereits im Quartier.

Geri Born

«Auch wenn ich sofort gute Freunde hatte, die mir halfen, die Sprache zu lernen, griff ich gerade in der Anfangszeit oft zur Gitarre, spielte amerikanische Folksongs nach und versetzte mich so in meine Sehnsuchtsheimat.» Die Lieder geben ihm die Sicherheit zurück, die er zuvor in den USA gefunden hatte. Die Sprache sei schon da seine Stärke gewesen. «Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich verbal wieder ins Spiel bringen konnte», sagt er rückblickend.

«Bei der Arbeit mit den Erstklässlern fehlte mir die intellektuelle Herausforderung»

Als sich die Schulzeit dem Ende nähert, geht Markus zum Berufsberater. Der fragt, was er gern macht. «Musik», lautet die Antwort. So landet Schönholzer im Lehrerseminar Sargans. «Dass ich später einmal mit Kindern zu tun haben würde, wurde mir erst mit der Zeit bewusst. Zu Beginn der Ausbildung zum Lehrer hatte ich nur vor Augen, dass es da einen Chor, eine Theatergruppe und Gitarrenunterricht gab und ich kreativ sein konnte.» Sechs Jahre lang unterrichtet er Primarschüler. «Es war wirklich eine tolle Zeit. Aber bei der Arbeit mit den Erstklässlern fehlte mir irgendwie die intellektuelle Herausforderung.»

<p>Humorvoll: Im Soloprogramm «Die Schönholzers» bringt er seine ganze Familie auf die Bühne – und das mit ganz viel Sprachwitz.</p>

Humorvoll: Im Soloprogramm «Die Schönholzers» bringt er seine ganze Familie auf die Bühne – und das mit ganz viel Sprachwitz.

Geri Born

Neben dem Schuljob macht Markus Schönholzer Musik, feiert mit Bands erste Erfolge, reduziert sein Lehrerpensum, um auf Tournee zu gehen. So zieht es ihn immer mehr in die Musik hinein. Er jobbt im Tonstudio, in einer Werbeagentur, gründet eine Firma und wird irgendwann angefragt, ob er nicht Theater spielen wolle. Plötzlich steht er auf der Bühne. Geplant war nichts von alldem. «Ich bin kein Mensch, der nach einem genauen Plan lebt.»

Ein stiller Mann berühmter Hits

Seit 30 Jahren ist Markus mit Anna (61) verheiratet, das Paar hat zwei erwachsene Töchter. Die Ältere, Selina (30) macht auch Musik, engagiert sich aber beruflich politisch und sozial. Die Jüngere, Sophie (27) studiert noch. Seit 30 Jahren lebt er im Zürcher Quartier Wiedikon. Er sei ein sehr treuer Mensch, sagt Schönholzer.

«Er ist einer der begabtesten und liebenswertesten Menschen, die ich kenne»

Bestsellerautor Charles Lewinsky

Obwohl er unter anderem Hit-Musicals wie «Die Schweizermacher» und «Gotthelf» komponiert und seinen musikalischen Stempel aufgedrückt hat oder für so grosse Namen wie Ursus & Nadeschkin und Charles Lewinsky gearbeitet hat, seinen Namen und sein Gesicht kennen nur wenige.

Würdiger Nachfolger von Mani Matter

Auch Lewinsky wurde erst durch seinen Sohn auf Schönholzer aufmerksam. 2001 suchte der Bestsellerautor einen Komponisten für ein Musical. Er liess sich ein Demoband schicken, hörte rein und erkannte sofort: «Diese Klänge haben das gewisse Etwas, das einen wirklich kreativen Musiker auszeichnet.» Das Musical «Deep» war der Auftakt zur erfolgreichen Zusammenarbeit von Schönholzer und Lewinsky. Inzwischen verbindet beide «eine enge Freundschaft».

Für Lewinsky gibt es keinen Zweifel: «Den Salzburger Stier hat er mehr als verdient. Markus hat sich ganz langsam zu dem hin entwickelt, was er beherrscht wie kein anderer. Für mich ist er der würdige Nachfolger von Mani Matter.»

René Haerig, Ringier
René HaenigMehr erfahren
Von René Haenig am 4. Januar 2026 - 06:00 Uhr