1. Home
  2. People
  3. Swiss Stars
  4. Lilo Pulver: Wir haben die Schauspielerin zum 90. Geburtstag besucht

Film-Legende wird 90 Jahre alt

Lilo Pulver fährt ihren Mercedes immer noch selbst

Ihre Filme und ihr Lachen machten Lilo Pulver zur lebenden Legende. Am 11. Oktober wird der Star aus Filmen wie «Uli der Knecht» 90 Jahre alt. «Aber ich wäre gern noch mal 25», verrät sie beim Besuch in ihrem Zuhause in Bern.

Die Schweizer Schauspielerin Liselotte Pulver wird 85 Jahre alt. Besuch bei ihr in der Altersresidenz des Burgerspittels in Bern.

Fröhlich: Lilo Pulver vor einigen Jahren beim Spaziergang. Heute möchte sie sich nicht mehr fotografieren lassen. «Der Aufwand wäre zu gross.»

Remo Nägeli

Der Händedruck ist fest und herzlich, der Blick klar. Ein feines Lächeln umspielt Liselotte Pulvers Lippen. Das berühmte Lilo-Lachen, das sie einst selbst als «etwas zu laut, zu impulsiv» bezeichnet, erklingt heute seltener. Gut gelaunt ist sie trotzdem beim Treffen mit der Schweizer Illustrierten in der Berner Seniorenresidenz Burgerspittel, wo sie wohnt. Schliesslich gehe es ihr gut hier, der Alltag sei zwar wenig spektakulär. «So wie das eben ist in meinem Alter.»

Am 11. Oktober feiert Lise­lotte Pulver ihren 90. Geburtstag. Lilo, Berner Meitschi, Grande ­Dame des Schweizer Films. Internationaler Superstar. Mit den letzten beiden Begriffen kann sie nicht viel anfangen. «Ein Star? Davon merke ich nichts. Ich gehe spa­zieren, trinke Kaffee, ­rede mit Leuten, besuche meine Familie.» Und früher, da hatte sie keine Zeit für Starallüren. «Ich habe Rollen gelernt, Filme gedreht und hatte eine Familie zu Hause.»

(Eingeschränkte Rechte für bestimmte redaktionelle Kunden in Deutschland. Limited rights for specific editorial clients in Germany.) Pulver, Liselotte (Lilo) *11.10.1929-Schauspielerin, Schweiz- Portrait- 1963 (Photo by ullstein bild/ullstein bild via Getty Images)

Lilo Pulver mauserte sich vom Berner Meitschi zum internationalen Superstar.

Getty Images

«Ich kam stets gerne nach Hause»

Irgendwie ist ihr das Leben einfach passiert, diesem Mädchen, das sich gern als «weder be­sonders hübsch noch besonders talentiert, aber fleissig und pünktlich» bezeichnet. Nicht dass ihr der Erfolg zugeflogen wäre. Sie hat dafür hart gearbeitet, war ehrgeizig, ohne verbissen zu sein. Und ist immer bodenständig geblieben. Das zeigt die Tatsache, dass sie der Schweiz als Wohnort immer treu geblieben ist. «Ich kam nach der ganzen Filmerei im Ausland stets gerne nach Hause.» Zuerst nach Bern, dann nach Zürich und schliesslich nach Perroy VD am Genfersee. Dort, in der Familienresidenz, wo heute ihr Sohn Marc-Tell, 57, mit seiner Familie lebt.

Einmal im Monat besucht ­Lilo ihn. Natürlich fahre sie selbst hin! Aber ihr Fahrstil habe schon «gruhiget». «Früher fuhr ich ganz schön rasant», sagt sie mit einem mädchenhaften Grinsen. Pulver besitzt einen Mercedes, auf dem Rücksitz transportiert sie jeweils ihren Koffer mit Kleidern, die sie dann beim Sohn zu Hause wechselt. «Hier in Bern habe ich zu wenig Platz für all meine Sachen.»

(Eingeschränkte Rechte für bestimmte redaktionelle Kunden in Deutschland. Limited rights for specific editorial clients in Germany.) Pulver, Liselotte - Actress, Switzerland - *11.10.1929- Scene from the movie 'Schule fuer Eheglueck' Directed by: Rainer Geis, Anton Schelkopf West Germany 1954 Produced by: Oska-Film GmbH Vintage property of ullstein bild (Photo by ullstein bild/ullstein bild via Getty Images)

Rückblick: Lilo Pulver im Film «Schule für Eheglück».

Getty Images

Sophia Loren profitierte von ihrer Absage

So lagern auch ihre unzähligen Preise – darunter zahlreiche deutsche Filmpreise, Bambis und ein Swiss Award – in ihrem Safe. «Ich bin stolz darauf. Sie zeigen, dass ich etwas geleistet habe.» Ob es sie wurmt, dass sie den Golden Globe, für den sie 1964 für Jack Arnolds Film «A Global Affair» nominiert war, nicht gewonnen hat? Überrascht schaut sie von ihrem Kaffee mit viel Milch, keinem Zucker auf, in dem sie gerührt hat. «Ich war für einen Golden Globe nominiert? Das weiss ich gar nicht mehr.»

Wieder dieses feine Lächeln, bei dem man nicht genau weiss, ob sie einen nun auf den Arm nimmt oder nicht. Fest steht: Liselotte Pulver hat stets Prio­ritäten gesetzt. Egal, ob Schweiz, Frankreich oder Hollywood, das spielte nie eine grosse Rolle für sie und ihre Arbeit. Auch wenn Letzteres natürlich spannend gewesen sei. «Immerhin war ich bei der gleichen Schauspieleragentur wie Rock Hudson unter Vertrag.» Nur zwei Dingen trauert sie nach: der Hauptrolle in «El Cid» – die schliesslich Sophia Loren erhielt – und der in «Ben Hur», die sie ­wegen anderer Verpflichtungen nicht annehmen konnte.

Die Schweizer Schauspielerin Liselotte Pulver wird 85 Jahre alt. Besuch bei ihr in der Altersresidenz des Burgerspittels in Bern.

Ihre Filme und ihr Lachen machten Lilo Pulver zur lebenden Legende.

Remo Nägeli

Fragt man Pulver nach ihrem wichtigsten Film, muss sie nicht lange überlegen: «Gustav Adolfs Page». Während des Drehs 1960 lernte sie ihren künftigen Mann Helmut Schmid kennen. «Das passiert halt ab und zu, dass man sich in seinen Filmpartner verliebt.» Nur dieses Mal sei sie auch nach Drehschluss verliebt geblieben.

1961 heiratete das Paar, im Jahr darauf kam Sohn Marc-Tell zur Welt, 1967 Tochter Melisande. «Was für eine Mutter waren Sie, Frau Pulver?» – «Eine, die oft ­abwesend war.» – Ein schlechtes Gewissen deswegen hatte sie aber nicht: «Warum auch? Ich habe gearbeitet!» Die Nonchalance einer Frau, die ihr Leben nach bestem Wissen und Gewissen gelebt hat. «Ich war zwischendurch auch monatelang zu Hause, dann haben wir alles nachgeholt.»

Über Helmut Schmids Tod spricht Lilo Pulver nicht

Dass sie jetzt 90 Jahre alt wird, empfindet sie als fast ein bisschen surreal. «Ich bin stolz auf mein Alter. Das schafft nicht jeder!» Aber wenn sie wählen könnte, dann wäre sie natürlich lieber wieder jünger. «Etwa 25. Da hat man noch Kraft und macht Sport. Und alles liegt noch vor einem.» Sie lacht. Das berühmte Lilo-­Lachen. Ein bisschen zu laut, zu impulsiv – und oft über Dinge, die andere nur begrenzt komisch finden. Denn das Leben, findet Lilo Pulver, lebt sich als Komödie einfach besser. Die Tragödien bleiben hinter dem Lachen. Der Tod von Tochter Melisande, die 1989 aus ungeklärten Gründen vom Berner Münster stürzte. Und der Verlust ihrer grossen Liebe Helmut Schmid, der 1992 an den Folgen eines Herzinfarkts starb. Für Lilo ist der Tod tabu. Sie rede nicht darüber, sagte ihre Schwester Corinne, 92, einmal in einem Interview.

Über den eigenen Tod denke sie nicht nach, sagt Pulver heute. «Er kommt so oder so.» Sie lächelt und steht auf, denn sie möchte noch einen Film im Fernsehen schauen. «Ich sehe auch meine eigenen gern. Das sind schöne Erinnerungen», sagt sie und geht festen Schrittes davon – ohne zurückzublicken. 

Gefällt dir diese Story?

Zum Kennenlern-Angebot

Dies ist ein Artikel aus dem aktuellem Schweizer Illustrierte Magazin. Möchtest du gerne mehr solcher Storys? Profitiere von unserem exklusiven Angebot und erhalte die Schweizer Illustrierte jede Woche zum Spezialpreis in deinem Briefkasten.

Von André Häfliger am 10.10.2019