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Wolkenbruch in Hollywood

Michael Steiner und sein Team auf Oscar-Kurs

Jetzt soll auch Amerika über die Schweizer Komödie lachen. Regisseur Michael Steiner rührt mit seinen Hauptdarstellern in Los Angeles die Werbetrommel und hofft, die Oscar-Academy vom Film zu überzeugen.

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Bei der Rast: Im legendären «Canter’s Deli» in L. A. gönnen sich Michael Steiner, Joel Basman und Inge Maux (v. l.) leckere Delikatessen.

Jonas Mohr

«Was isst man hier so?» Aufmerksam studiert Joel Basman, 29, die Menükarte im legendären «Canter’s Deli». Der Ort, an dem sich der frühere amerikanische Präsident Barack Obama gern verköstigt – und wo die US-Hard-Rock-Band Guns N’ Roses sogar ihren eigenen Stammtisch hatte.

Basman wählt den Klassiker des jüdischen Familienbetriebs: ein turmhohes Pastrami-Sandwich. Michael Steiner, 50, hat sich für das fetttriefende Philly-Cheese-Steak-Sandwich entschieden, und Inge Maux, 75, versucht es mit der hausgemachten Delikatesse «gefilte Fish».

Sehr positives Feedback für Wolkenbruch

Schmackhaft machen wollen Regisseur Steiner und die Schauspieler Basman und Maux den Oscar-Academy-Mitgliedern die Schweizer Kinokomödie «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse». Dafür sind die beiden Schweizer und die Österreicherin nach Los Angeles gereist.

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Das Feedback sei sehr positiv, sagt Steiner. «Mehrere Leute sagten mir, wie erfrischend es sei, dass sie bei einem fremdsprachigen Film lachen können.» Oft seien diese Filme ja schwermütige Dramen. «Und mir erzählte jemand, er habe sein eigenes Leben auf der Leinwand widerspiegelt gesehen.» Maux fand das «sehr berührend».

Hollywood soll lachen

Als Schweizer Oscar-Beitrag im Rennen, erzählt der Film humorvoll die Geschichte des jungen orthodoxen Juden Motti Wolkenbruch (Basman), der sich zum Ärger seiner Mutter (Maux) in eine Nicht-Jüdin verliebt. In der Schweiz lockte die Komödie über 350'000 Besucher ins Kino.

Auch Hollywood soll lachen über Motti. Um die Kosten für teure Werbeinserate in den USA zu decken, startet am 1. November eine Crowdfunding-Kampagne. «Für eine Spende gibts Spezial-Poster, signierte Bücher, Bilder und Scripts», verspricht Steiner zwischen zwei Sandwich-Bissen.

Joel Basman war vor zwei Jahren bereits bei den Oscars

Sogar auf Netflix ist «The Awakening of Motti Wolkenbruch», wie der Film in den USA heisst, zu sehen. Ein Vorteil. Aber die Konkurrenz ist gross. Pedro Almodóvars «Dolor y gloria» und der koreanische Film «Parasite» gelten als Favoriten für die Shortlist der zehn besten internationalen Filme. Nur fünf werden für den Oscar nominiert. Welche, das steht am 13. Januar fest. «Ausser die Werbetrommel zu rühren, können wir nicht mehr viel tun», sagt Basman. «Es ist nicht wie beim 100-Meter-Lauf, wo einer plötzlich wegen eines Sehnenrisses zurückfallen könnte und so die Chancen wieder steigen.»

Basman wird in Hollywood demnächst auch in Terrence Malicks Weltkriegsdrama «A Hidden Life» zu sehen sein. Der Zürcher war vor zwei Jahren mit dem dänischen Kriegsfilm «Land of Mine» schon mal bei den Oscars. Sein Highlight: «Jackie Chan – meine Kindheit. Und er ist gleich gross wie ich!» Wie sein Vorbild lässt sich auch Joel Verletzungen nicht anmerken. Seine Rechte ist bandagiert. Darauf angesprochen, meint er lapidar: «Ach, da schlug ich bei einem Dreh etwas zu stark gegen eine Wand.»

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Auf dem Weg: Joel Basman (l.), Inge Maux und Michael Steiner auf dem Weg zu einem Oscar-Screening in L. A.

Jonas Mohr

Ein Gefühl wie im Film

Bodenhaftung sei wichtig, sagt Basman. Derweil springt seine Film-Mame ungeniert an die Decke. Wie 2001, als Christoph Waltz, mit dem sie in Zürich Theater spielte, seinen ersten Oscar gewann: «Ich freute mich so sehr, dass ich mir den Kopf am Baldachin über meinem Bett anschlug.»

Verputzt sind die Sandwichs, und Steiner und Basman lechzen nach einer Zigarette. Maux, erstmals in den USA, sucht seit Tagen vergeblich Postkarten. Am Rodeo Drive kaufte sie sich wie Pretty Woman einen Hut und knipste auf dem Walk of Fame den Stern von «Ben Hur»-Regisseur William Wyler. Basman wird mit der Erkenntnis heimfliegen, dass man zu Fuss in L. A. nicht weit kommt. Dafür gibt jedes vorbeifahrende Feuerwehr- oder Polizeiauto einem das Gefühl, im Film zu sein. Und Steiner? So oft wie hier bekam er noch nie filmtechnische Fragen gestellt. «Unter so vielen filmkundigen Menschen fühle ich mich nicht wie ein Exot.»

Von Marlène von Arx am 01.11.2019
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