Entspannt liegt der amtierende Mister Schweiz im Heu, präsentiert gekonnt seinen perfekten Körper, während ein Fotoblitz den nächsten jagt. Besonders seine Vorzüge setzt er in Szene: ideal geratene Ohren, Rücken mit beispielhafter Musterung, samtig weiches Fell. «Ein Profi halt», tönt es von der Seite. «Wir haben von klein auf mit ihm das Stillhalten und Posieren geübt», sagt Sven Zurbriggen und lacht stolz. Der 28-Jährige ist der Züchter von Bax.

Schnuppern, knabbern, schlecken: Hase Bax erkundet die Aussenwelt um sein Daheim in Gamsen VS voller Neugierde.
Remo NaegeliDas zweieinhalbjährige Kaninchen der Rasse «Rex-Dalmatiner schwarz» ist offiziell der Schönste im Land, gewählt letztes Jahr an der Schweizerischen Rammlerschau in Winterthur. 3000 Artgenossen stellte er in den Schatten. «Ehrenvoll», meint sein Besitzer, in der Szene gebe es keine höhere Auszeichnung. «Dieser Preis bedeutet mir extrem viel. Er ist Wertschätzung für viel Arbeit und Mühe. Es ist besonders für mich, ich bin noch nicht so lange in der Hasenzucht dabei – und konnte schon abräumen.»

Der prämierte Rammler der Rasse «Rex-Dalmatiner schwarz» ist der grösste Stolz von Züchter Sven Zurbriggen. Auch der Nachwuchs erfreut ihn.
Remo NaegeliTiere begleiten Sven Zurbriggen seit Kindertagen. Unweit von seinem Elternhaus in Gamsen VS leben in einer Scheune in einem kleinen privaten Park mit grosszügigem Auslauf nebst Chüngeln auch Esel, Ziegen, Schafe, Truthähne, Tauben, Papageien und Schildkröten.
Mit Tricks zur Schönheit
Auf die Kaninchenzucht ist der gelernte Sanitär 2019 durch seinen Vater gekommen. «Ich finde die ganze Materie spannend und bin bei jedem neuen Wurf überrascht, was für Farbkombinationen entstehen.» Auf die Musterung und Farbe der Tiere könne Zurbriggen nur bedingt Einfluss nehmen, deshalb sei es ihm umso wichtiger, auf einen tollen Körperbau hinzuarbeiten. Zum Zeitpunkt der Hasenschau wog Bax 4,5 Kilo – ideal. Die Ohren sind mit 13,7 Zentimetern Länge perfekt, der Kopf ist markant, der Rücken fabelhaft gerundet, die Vorderläufe schön gerade und das Fell dicht, voll, glänzend, seidenweich und mit einer wunderschönen Zeichnung. «Die Flecken dürfen nicht grösser als 25 Millimeter sein», erklärt Züchter Zurbriggen.

Das perfekte Fell ist dicht, voll, griffig mit viel Unterwolle und verkürzten Deckhaaren. Kräuselungen – explizit im Nacken – sind nicht erwünscht.
Remo NaegeliUm das Maximum herauszuholen, hilft er bei seinen Tieren hie und da etwas nach: «Vor der Präsentation wird das Fell mit Schleifpapier behandelt, das trägt feine, abstehende Haare ab. Den Hasen macht das nichts aus.» Dann folgen Mani- und Pediküre: Läufe reinigen und Krallen schneiden. «Ich mache das, weil es dazugehört, dieses Beauty-Zeug ist sonst nicht meins», erklärt Zurbriggen, bei ihm dürfen Chüngel noch Chüngel sein. Und doch verwöhnt er Bax im Anschluss an den Fototermin mit einem Apfelschnitz. «Die mag er besonders gerne», meint er und hievt den Preis-Rammler zurück in die Box.

Die Ohren müssen kräftig, aufrecht stehend und gut behaart sein. Dazu eine Länge von 13,2 bis 13,9 Zentimetern aufweisen.
Remo NaegeliKeine Sorge um die Zukunft
Obwohl seine Amtszeit als Mister Schweiz drei Jahre dauert, muss Bax, anders als seine menschlichen Titelträger, nicht auf seine Figur achten. «Seine Zeit ist trotz dem Titel schon vorbei», meint Sven Zurbriggen nüchtern, das Zeitfenster sei in der Welt der Hasenzucht klein. «Das perfekte Aussehen haben Kaninchen nur während ihres ersten Lebensjahres.» Danach bilden sich Falten, das Fell verliert an Dichte, und viele Tiere entwickeln eine Wamme – eine markante Fellwulst am Hals. Was in der Natur normal ist, wird bei Ausstellungen zum Makel.

Bax ist bereits 2024 zum Farbenschlagsieger gekürt worden. Das reine Weiss mit den klaren Punkten begeistert die Jury.
Remo NaegeliUmso erfreulicher, dass Bax seine guten Gene bereits weitergeben konnte. Er ist jüngst achtfacher Papa geworden. Ganz zur Freude von Sven Zurbriggen: «Im aktuellen Wurf gibt es Nachwuchs, der sich als Nachfolger für den Mistertitel eignen könnte.» Im Hasenstall leben derzeit rund 60 Tiere. Ein Grossteil zieht weiter zu anderen Züchtern. Wer kein neues Daheim findet, endet letztlich auf dem Esstisch. «Das gehört dazu, auch wenn es nicht einfach ist», meint der Walliser. Dieses Schicksal bleibt Bax erspart. «Dafür ist er zu speziell, und ich habe ihn doch ein wenig ins Herz geschlossen.»

