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Die gebürtige Tamilin über die Attentate in Sri Lanka

Moderatorin Tama Vakeesan: «Ich bin geschockt!»

In Sri Lanka haben an Ostern Selbstmordanschläge auf Kirchen und Hotels über 320 Todesopfer gefordert. SI online hat mit der gebürtigen Tamilin und Youtuberin Tama Vakeesan über ihre Bedenken gesprochen, in die Heimat ihrer Eltern zu reisen.

Tama Vakeesan 2019
Tama Vakeesan ist gebürtige Tamilin und hat Verwandte in Sri Lanka. Instagram/tamavakeesan

Die schlimmen Nachrichten haben Tama Vakeesan, 31, erreicht, als sie gerade in den Ferien in Japan weilte. «Mein Bruder schickte mir zwei Tage vor meiner Rückreise ein Whatsapp. Ich bin geschockt, was in Sri Lanka abgeht», sagt Tama auf Anfrage von SI online. Kaum hatte die Youtuberin den ersten News-Artikel über die Attentate in Sri Lanka gelesen, konnte sie nicht mehr klar denken: «Ich hatte tausend Gedanken im Kopf. Was für Absichten stecken hinter einem solchen Blutbad? Wiederholt sich jetzt der Bürgerkrieg?»

Sie hat Verwandte in Sri Lanka

Obwohl Tama in der Schweiz geboren und in Langenthal BE aufgewachsen ist, prägt sie die Geschichte Sri Lankas seit ihrer Kindheit. Ihre Eltern, beide gebürtige Tamilen, flüchteten 1985 gemeinsam mit Tamas älterem Bruder in die Schweiz. Die Familie hat aber immer noch Verwandte in Sri Lanka. «Die Geschwister meiner Eltern und deren Kinder leben dort. Wir haben regelmässig Kontakt mit ihnen und besuchen sie auch hin und wieder.»

«Sie sind verschont geblieben»

Die sieben Selbstmordattentäter verübten am Ostersonntag Anschläge in der Hauptstadt Colombo, dem rund 35 Kilometer nördlich gelegenen Negombo und in Batticaloa, rund 280 Kilometer östlich von Colombo. Tamas Verwandte hatten Glück: «Sie leben im Norden des Landes und sind verschont geblieben», so Tama.

Letztmals in Sri Lanka zu Besuch war Tama vor rund 13 Jahren. Damals war die heutige Nau-Reporterin über den Bandaranaike International Airport gereist, der etwa 35 Kilometer nördlich von Colombo liegt. «Nach den Attentaten habe ich grosse Bedenken nach Sri Lanka zu reisen. Als gebürtige Tamilin hatte ich aber schon früher ein mulmiges Gefühl, wenn wir die Heimat meiner Eltern besuchten. Während des Bürgerkriegs wurden wir verfolgt - das hinterlässt Spuren.»

Für Tamas Familie ist nach den jüngsten Ereignissen klar: In nächster Zeit werden sie das Land meiden. «Meine Mutter hat ihre geplante Sri Lanka Reise im Sommer abgesagt», sagt Tama.

Die Anschläge in Sri Lanka waren nach ersten Erkenntnissen der Regierung als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament. Tama selbst sucht noch nach Antworten: «Die Theorie der Vergeltung scheint für mich absurd.»

Der Islam sei in Sri Lanka nicht verbreitet

Zwei Tage nach den Attentaten hat der Islamische Staat, kurz IS, die Anschläge nun für sich beansprucht. Tama kann sich das nicht erklären: «Ich höre zum ersten Mal, dass es islamistische Terrorgruppen in Sri Lanka gibt. Ich persönlich habe das zuvor noch nie registriert.» Moslems seien wie Christen auch eine Minderheit im Land. «Es macht keinen Sinn, dass sich zwei Minderheiten gegenseitig bekämpfen. Die jüngsten Ereignisse in Sri Lanka sind mir hönnä suspekt.»

Von Sarah Huber am 23. April 2019