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Nino Niederreiter wechselt zu den Nashville Predators

Sprung in ein neues Abenteuer

Heimweh-Bündner und Eishockey-Superstar. Nino Niederreiter, 29, rackert zu Hause für seinen ­grossen Traum. Ab diesem Herbst will er in der Country-­Hochburg Nashville das Eis zum Schmelzen bringen.

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NHL-Star Nino Niederreiter bei sich zu Hause in Chur, beim Training, Vorbereitung für neuen Club Nashville, 18. August 2022

Erfrischung nach dem Krafttraining: «El Niño» springt zu Hause in Chur kopfüber in seinen Pool.

Fabienne Bühler
NHL-Star Nino Niederreiter bei sich zu Hause in Chur, beim Training, Vorbereitung für neuen Club Nashville, 18. August 2022

«Ich bin ein Churer. Hier sind meine Wurzeln. Hierhin zieht es mich immer wieder zurück»

Fabienne Bühler

Chur, Winterbergweg. Es gibt kaum eine passende Adresse für den Eishockeystar Nino Niederreiter. Doch der 29-jährige Bündner hat sein Einfamilienhaus nicht aus Imagegründen hier gebaut, sondern weil er nur einen Steinwurf entfernt aufgewachsen ist – und seine Eltern gleich um die Ecke wohnen: «Ich bin ein Churer, hier sind meine Wurzeln, hier leben meine Freunde. Hierhin zieht es mich immer wieder zurück.» Seit 2016 ist er Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Es ist ein Titel, der sehr zurückhaltend vergeben wird und von nur einem halben Dutzend lebenden Personen getragen wird. 

Niederreiter spricht mit dem sonoren Bündner Dialekt, der bei den Flachländern Feriengefühle auslöst. Und auch er hat derzeit mehr Zeit zum Golfen und Fischen – oder besser gesagt: Er hätte. Obwohl das Trainingscamp seines neuen Klubs Nashville Predators erst am 21. September beginnt, steckt Niederreiter im Kraftaufbau: «In dieser Phase entscheidet sich viel. Die physische Grundlage macht im Profi-Eishockey oft den Unterschied aus.»

Niederreiter feiert am 8. September seinen 30. Geburtstag. Hätte er den für einen Schweizer bereits üblichen Weg als Eishockeyspieler genommen, läge das Jubiläum des 500. Nationalliga-A-Spiels wohl hinter ihm. Doch Niederreiter wollte immer mehr – viel mehr. 

NHL-Star Nino Niederreiter bei sich zu Hause in Chur, beim Training, Vorbereitung für neuen Club Nashville, 18. August 2022

Schuften für den grossen Traum: «Wer im Sommer nicht versichert, hat im Winter nichts zu bestellen.»

Fabienne Bühler

Arno Del Curto, der langjährige HCD-Trainer und einer seiner ersten Förderer, erkannte das schnell. Im Playoff-Halbfinale 2009 gegen Fribourg schoss Niederreiter im ersten Spiel ein Tor und spielte einen genialen Pass. Doch dann verabschiedete er sich an die U18-Junioren-WM nach North Dakota (USA). Nun realisierte Del Curto endgültig, dass Niederreiter keine Kompromisse eingeht: «Es war ein Schock, dass er uns mitten in den Playoffs verliess. Doch für ihn war es die richtige Entscheidung.»

Spricht Del Curto über Niederreiter, tönt es wie die Adelung eines Auserwählten: «Nino hat eine Top-Einstellung, Siegermentalität und Führung.» Der Hochgelobte nimmt die Worte dankend entgegen – weiss aber ganz genau, dass man sich von Komplimenten und alten Pokalen im Profisport nichts kaufen kann. Deshalb unterhält er in den Sommermonaten einen Betreuerstab in der Grösse eines KMU: Ernährungsberater, Yogalehrerin, Mental Coach, Skatingcoach – und Michael Bont, der frühere Skitrainer und SRF-Experte, als Fitnesstrainer.

NHL-Star Nino Niederreiter bei sich zu Hause in Chur, beim Training, Vorbereitung für neuen Club Nashville, 18. August 2022 mit Fitnesstrainer Michael Bont

Beim Training wird die Freundschaft ausgeblendet: Wenn Michael Bont Nino übers Eis hetzt, geht der NHL-Star in die Knie.

Fabienne Bühler

Die beiden lernten sich an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi bei Einem Bier im Swiss House kennen – und waren sofort auf derselben Wellenlänge. So vertraute Niederreiter Bont auch die Einrichtung des Kraftraums im neuen Eigenheim an: «Er weiss genau, darauf kommt es an.»

Der Fitnesscoach steckt ein paar Zusatzgewichte an die Langhantel, blickt zu Niederreiter und sagt: «Draussen sind wir Freunde. Aber wenn wir ausdrucken, zählt dies nicht mehr.» Es sind keine leeren Worte. Niederreiter erhält für die Kniebeugen ein 80-Kilo-Gewicht als «Bonus». Bei den Sprungübungen misst Bont jeden Zentimeter, und auf dem Eis in der Churer Halle zeigt er sich bei den Intervallübungen von seiner unnachgiebigen Seite: «Wer im Sommer nicht sicher, hat im Winter nichts zu bestellen.» Niederreiter kann leiden. Und er tut es mit einem klaren Plan.

Sein Entscheid für Nashville basiert nicht auf dem wirtschaftlich lukrativesten Angebot. Die vier Millionen Dollar pro Jahr sind aber noch immer ein fürstlicher Lohn. In seinem Karrierestadium sind andere Faktoren jedoch noch wichtiger: «Ich werde wohl in einer der ersten beiden Linien spielen und auch Powerplay-Zeit erhalten.» Und er ist mit Roman Josi, dem überragenden Schweizer Verteidiger der Gegenwart, im gleichen Team: «Roman hat meinen Entscheid für die Predators sicher beeinflusst.»

NHL-Star Nino Niederreiter bei sich zu Hause in Chur, beim Training, Vorbereitung für neuen Club Nashville, 18. August 2022

Pflegt auch als Barista das Forechecking: Niederreiter bereitet zu Hause einen Espresso zu.

Fabienne Bühler

Nino Niederreiter war seiner Zeit schon immer voraus. Als 17-Jähriger gewann er mit Davos die Schweizer Meisterschaft, als 18-Jähriger folgte er die Schweizer Junioren im Halbfinale der U20-WM und debütierte vier Monate später in der A-Nationalmannschaft. 2013 gewann er mit der Schweiz sensationelles WM-Silber.

Seinen ersten Treffer in der NHL hatte er bereits am 13. Oktober 2010 für die New York Islanders erzielt. Niederreiter ist der jüngste Torschütze in der Klubgeschichte. Der legendäre kanadische Fernsehreporter Bob McKenzie verlieh ihm den Spitznamen «El Niño»: «Das ist ziemlich cool», sagt Niederreiter und lächelt.

Foto: Joseph Khakshouri 09.09.2021 Weltklasse Zürich 2021 Party Eishockeyaner Nino Niederreiter mit Freundin Cecilia Schuler Zürich (ZH)

Die starke Frau hinter dem NHL-Star: Jus-Studentin Cecilia wird zwischen Zürich und Nashville pendeln.

Joseph Khakshouri

Am 10. September wird er sich nach Tennessee aufmachen. Und dort in der Nähe der Eishalle seine Wohnung beziehen. Noch nicht dabei ist seine Freundin Cecilia. Die 25-jährige Zürcherin studiert an der Uni Zürich Rechtswissenschaft. Es ist vorgesehen, dass sie alle fünf Wochen für neun Tage in die USA kommt. Für sich allein haben wird sie Nino aber erst nach Feierabend.

In Nashville liegt das Eishockeystadion am Rand des Ausgehviertels. Es hat sich herumgesprochen, dass die Eishockeyspiele in der Country-Metropole nach Siegen des Heimteams regelmäßig zu Partys ausarten. Niederreiters Präsenz dürfte dazu beitragen, dass dies in den kommenden Monaten vermehrt der Fall sein wird. «Ich will Spass haben», sagt er – meint damit aber nicht die Happy Hour in der Party-Hochburg, sondern möglichst viele Volltreffer auf dem Eis.

Von Thomas Renggli am 25. September 2022 - 12:09 Uhr