Bischof Lovey, was geht Ihnen in diesen Tagen durch den Kopf?
Was mir auffällt, ist dieses Bedürfnis, eine Einheit zu bilden, zusammen zu sein, zusammenzurücken, um miteinander stärker zu werden. Es ist gut, dass es Orte gibt, an denen Menschen dieses Bedürfnis ausdrücken können. Am Abend des 1. Januar haben wir in Montana einen Gottesdienst abgehalten. Die Kirche dort ist grösser als die Kapelle St-Christophe hier in Crans. Auch sie war überfüllt. Diese Menge an Menschen hat mich beeindruckt. Es waren viele junge Menschen da, die unmittelbar von der Tragödie betroffen sind.
Wurden Sie von Jugendlichen auch direkt kontaktiert?
Ja, nach der Messe sind die Leute teilweise noch geblieben. Da habe ich den einen oder anderen getroffen und Gespräche geführt.
Beten Sie für die Opfer und deren Angehörige?
Natürlich, jeden Tag. Ich weiss nicht, ob es einen anderen Ansatz gibt, der besser ist als das Gebet. Was kann man tun? Bei den Menschen präsent sein, die Hand ausstrecken, da sein. Ich glaube, dass Worte dabei nicht so wichtig sind. Es ist schwierig, denn Worte können die komplizierten Gefühle oft nicht richtig ausdrücken. Und weil jeder sehr verletzt ist, kann ein Wort im schlimmsten Fall noch mehr Verletzung hinzufügen. Aber ich glaube, dass die Anwesenheit wichtig ist. Die Freundschaft, ein Blick, ein Lächeln.

