Mittlerweile wissen es alle: Gibt es etwas zu holen, ist mit Ryan Regez (32) stets zu rechnen. 2022 kürte er sich bei den Geisterspielen in Peking zum Skicross-Olympiasieger. Im März sicherte er sich den WM-Titel im Einzel sowie im Mixed-Team-Event mit der Waadtländerin Fanny Smith (33). Für die Olympischen Spiele im Februar 2026 dürfte Regez damit alle auf der Favoritenliste stehen haben. Druck? Klar. Doch der Hüne aus Wengen BE empfindet diesen als Vorteil. «Dass ich in den Köpfen der Gegner bin und mit mir gerechnet wird, kann ich in Energie umwandeln», sagt er.

Strahlemann: Regez träumt von einer weiteren olympischen Medaille.
Joan Nathanael MinderDen Druck aber spürt er nicht nur von aussen; der 32-Jährige macht ihn sich auch selbst. Zu schön die Erinnerungen an die Erfolge, zu hart die täg- liche Arbeit, zu spezifisch die Vorbereitungen für den 21. Februar, wenn die Skicrosser um olympisches Edelmetall fahren. Noch einmal erleben, wie es sich anfühlt, an den Spielen der Schnellste zu sein, ist Ryan Regez’ Traum. «Aber es gibt mir auch eine gewisse Genugtuung, dass ich dieses Ziel schon erreicht habe.» Die Voraussetzungen vor dieser Saison sind zudem andere, als sie es noch 2022 waren. Zu lange war die Leidenszeit zwischen seinen grossen Titeln, als dass der Sohn eines Schweizers und einer Britin es für selbstverständlich halten würde, im italienischen Livigno überhaupt um Medaillen mittun zu können.
Mit der Schweizer Illustrierten hautnah an den Ski-Stars
Verletzungspech und Lernphase
Nur zehn Monate nach seinem Olympiasieg folgte die schwerste Prüfung: Ryan Regez verletzte sich beim Weltcup in Arosa GR schwer. Mehrere Bänderrisse im linken Knie setzten ihn ausser Gefecht. Der Weg zurück gestaltete sich zäh – nicht nur sportlich. «Dies direkt nach der erfolgreichsten Saison der Karriere zu erleben, war enorm schwierig», resümiert Regez. «Ich hatte grosse Selbstzweifel und wusste nicht, ob ich würde zurückkommen können.» Viel Arbeit und noch mehr Willen waren vonnöten, doch Regez bewies Kampfgeist; wiedergefunden hat er auf dem Weg zurück nicht nur seine Leidenschaft, sondern auch sich selbst. «Die Verletzung hat mich gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich musste lernen, dass ich mehr bin als bloss Athlet – ich bin auch ein Mensch.»
Als solcher blickt er dem Saison-Highlight voller Vorfreude entgegen. Beweisen muss er längst nichts mehr; alles, was kommt, ist Zugabe – den Gesamtweltcupsieg und die Goldmedaillen kann ihm niemand mehr nehmen. «Aber ich freue mich sehr, jetzt noch ‹richtige› Olympische Spiele zu erleben», schwärmt er. Freunde, Familie, Fanklub: Sie alle werden da sein, um ihren Ryan anzufeuern. Und sie alle werden hoffen, hautnah zu erleben, wie Regez zum nächsten Goldstreich ansetzt. Die Erwartungen? Gross. Aber sie deckten sich mit denen, die er an sich selbst habe, erklärt er. «Ich bin durch und durch Sportler – ich will der Beste sein.»
