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«Ich hatte wirklich Angst»

Schweizer Influencerin rechnet mit feigen Zuggästen ab

Die Schweizer Influencerin Wemmse erzählt von einem unangenehmen Vorfall im Zug. Ein Mann hätte eine junge Frau belästigt – und niemand griff ein. Sie kritisierte fehlende Zivilcourage in Schweizer Zügen.

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<p>Enttäuscht von fehlender Zivilcourage in Schweizer Zügen: Influencerin Wemmse.</p>

Enttäuscht von fehlender Zivilcourage in Schweizer Zügen: Influencerin Wemmse.

Instagram/Wemmse

Es ist ein Thema, das oft für Diskussionen sorgt: Zivilcourage. Besonders im öffentlichen Verkehr kommt es immer wieder zu Situationen, in denen Leute wegschauen, statt einzugreifen. Von genau so einem Ereignis berichtet jetzt die Schweizer Influencerin Wemmse, bürgerlich Emma (22).

Auf Tiktok postet sie am 10. Januar ein Video und erzählt von einer Situation, die sie jüngst erlebte. Eine junge Frau sei von einem Mann bedrängt worden, während die anderen Passagiere laut Wemmse weggesehen hatten. «Warum hilft niemand? Wir waren im Zug eingesperrt, mit einem offensichtlich schlimmen Mann», erklärt die 22-Jährige. Wemmse schildert, dass sie vor Angst am ganzen Körper zitterte. «Warum bin ich, eine 1,60 Meter grosse, 22-Jährige, die Einzige, die hinschaut?», fragt sie sich. Wo und was genau vorgefallen war, wird im Video nicht klar.

Männer und Frauen melden sich zu Wort

Viele Nutzer kommentieren das Video, darunter auch Männer. Ein User schreibt: «Früher habe ich Zivilcourage gezeigt. Aber seit es einen solchen Männerhass gibt, mache ich gar nichts mehr.» Eine Frau entgegnet: «Zivilcourage nicht verstanden? Das hat nichts mit Feminismus zu tun.» Ein weiterer Mann schreibt: «Aha – jetzt plötzlich ist der Mann wieder der Beschützer, aber je nach Situation sind Frauen stark und unabhängig, oder wie?»

Eine Nutzerin verteidigt Wemmse: «Sie hatte Angst und war am Zittern. Sie hielt es für unverhältnismässig, dass sie als 1,60 Meter grosse Frau gegen einen Mann hätte antreten müssen, und hätte sich lediglich gewünscht, dass ein Mann eingegriffen hätte.» Auch Wemmse selbst meldet sich in den Kommentaren zu Wort und betont, dass ihre Kritik sich auf die konkrete Situation bezog: «In dieser Situation hatte es nur Männer – und mich – rundherum. Wären es Frauen gewesen, hätte ich dies ebenso erwähnt.»

Passagiere bekommen wegen Kopfhörer nichts mit

Ein User spricht einen neuen Aspekt an. «Ich bekomme oft praktisch nichts davon mit, was um mich herum passiert, wenn ich im Zug bin. Ich möchte dann meistens meine Ruhe haben und trage deshalb immer Kopfhörer mit voller Lautstärke», schreibt er. Dabei schaue er Serien oder höre Musik, weil er mit den anderen meist nichts zu tun haben möchte. «Wenn direkt vor mir oder neben mir etwas passiert, reagiere ich schon, aber alles andere bekomme ich nicht mit.»

Der Vorfall hat eine gesellschaftliche Diskussion über Zivilcourage, feministische Themen und Geschlechterrollen ausgelöst. «Männer gegen Frauen auszuspielen, finde ich unnötig. Man sollte lieber zusammenarbeiten», kommentiert ein Nutzer. Viele loben Wemmse: «Endlich sagt es mal jemand» und «Finde dein Video so wichtig und richtig», heisst es.

Das sagen die SBB

Blick hat die SBB nach einem Statement zum Thema Zivilcourage in Schweizer Zügen angefragt. Mediensprecherin Mara Zenhäusern schreibt: «Wir verurteilen grundsätzlich jegliche Gewalt und empfehlen unseren Kundinnen und Kunden, wenn sie sich unwohl oder unsicher fühlen, oder entsprechende Beobachtungen machen, sich an die Transportpolizei unter 0800 117 117 oder an die örtliche Polizei unter 117 zu wenden. Ist kein Telefon verfügbar, empfehlen wir, sich an unser Personal zu wenden, welches die Transportpolizei in Kenntnis setzen kann, damit Massnahmen ergriffen werden können.»

Moderne Züge würden ausserdem über Notfallknöpfe verfügen, welche sich unter anderem im Eingangsbereich der Wagons befinden. «Durch Betätigen des Notfallknopfs wird eine direkte Verbindung zur Einsatzleitzentrale der Transportpolizei aufgebaut.»

Die Sicherheit der Kundinnen und Kunden und Mitarbeitenden stehe für die SBB an erster Stelle. «Die Menschen sollen sich in Bahnhöfen und Zügen sicher und wohl fühlen. Die Sicherheit in den Zügen wird von den Reisenden grundsätzlich als hoch eingestuft. Trotzdem kann es im Reisealltag zu Vorfällen kommen, die eine negative Auswirkung auf das Sicherheitsgefühl haben.»

Fynn Müller von Schweizer Illustrierte
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Von Fynn Müller am 21. Januar 2026 - 06:00 Uhr