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  4. Art Furrer über Familien-Dynastie, Erfolg und Pension

Der Hotelier hat sich seinen Traum erfüllt

So kämpft Art Furrer um sein Familien-Imperium

Der alte Mann, der Berg und seine Alp. Mit dem Montblanc hat Hotelier Art Furrer endlich eine alte Rechnung beglichen. Zu Hause auf der Riederalp ringt er mit den Söhnen um die Zukunft seines Lebenswerks.

Art Furrer auf der Riederalp

Schöne Aussichten: «Im nächsten Leben werde ich Berater für Berater – das gibt richtig Klotz», witzelt Furrer über seine «langfristigen» Plänen.

Remo Naegeli

Riederalp – hoch über dem Goms. Art Furrer, 82, nimmt einen Schluck gekühlten Pinot noir. Er, der den Kennedys das Skifahren beibrachte und als Ski-Entertainer mit einem Startkapital von 36 Dollar ein Millionenimperium schuf, ist im Alter von 82 Jahren nochmals auf einem Höhepunkt angelangt. Am Seil des Oberwalliser Bergführers Willy Imstepf, 64, stand er auf dem Gipfel des Montblanc – mit 4810 Metern höchster Punkt der Alpen: «Näher kommt man dem Himmel an kaum einem anderen Ort.»

Im Moment der Gipfelbegehung war Furrer kaum mehr Herr seiner Sinne: «Zuerst fragte ich Willy, wie weit es noch sei. Er sagte: Wir sind auf dem Gipfel.» Dann wollte ich meine Ehefrau Gerlinde anrufen. Aber ich traf die Tasten auf dem Handy nicht mehr. Ich war nudelfertig.»

Es seien nicht die körperlichen Anstrengungen gewesen, die ihn an seine Grenzen getrieben hätten: «Eine solche Leistung in meinem Alter ist auch eine Kopfsache. Ohne Willy hätte ich das nie geschafft. Er ist der wahre Held dieser Expedition.» Dass ihm die Ticketverkäuferin an der Talstation der Zahnradbahn nach Glacier de Bionnassay ungefragt Seniorenrabatt gewährt habe, sei eine freundliche Geste gewesen: «Die Frau glaubte mir nicht, dass ich auf den Montblanc will.»

«Ortskenntnisse und die richtige Routenwahl werden immer wichtiger – lebenswichtig.»

Beim Aufstieg wurde Furrer mit den Folgen der Klimaveränderung konfrontiert. Der Montblanc sei heute viel schwieriger zu besteigen. «Der Fels hält nicht mehr. Der Rückgang des Permafrosts lässt die Berge und Gletscher brüchig werden. Das macht das Bergsteigen gefährlicher. Ortskenntnisse und die richtige Routenwahl werden immer wichtiger – lebenswichtig.»

Das zeigt gerade der Aletschgletscher bei der Riederalp: «Vor 80 Jahren war die Gletscherzunge bestimmt 1500 Meter länger und 150 Meter dicker.» Aber etwas habe sich in all den Jahren nicht geändert. Das verlässlichste Rezept am Berg sei die Vorsicht.

Art Furrer auf der Riederalp

«Verkauft ist noch nichts.» Art Furrer zur aktuellen Lage auf der Riederalp, im Hintergrund der Aletschgletscher.

Remo Naegeli

Die Zukunftspläne einer Familien-Dynastie

Furrer blickt auf bewegende Wochen zurück. Ende Mai wird er vom Walliser Bergführerverband für seine 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet, wenig später macht der «Walliser Bote» mit der Story «Das Ende einer Familien-Dynastie» die Pläne von Furrers Söhnen, Andreas, 52, und Alexander, 47, publik, einen Teil der Hotelbetriebe zu verkaufen. «Ein Lebenswerk wird verschachert», kommentiert ein Freund des Seniors.

Art Furrer selber beurteilt die Lage sachlicher. Die Berghotellerie durchlaufe eine grosse Krise. Es sei wie beim Klettern am Berg: «Die Zeit gibt einem keine Zeit.» Nur mit frischem Geld und neuen Ideen könne eine Trendwende geschaffen werden. Andreas Furrer, der seit 2009 die operative Verantwortung der Betriebe trägt, konnte trotz intensiven Bemühungen keine Investoren für seine Ideen gewinnen.

Sein Brand: Der Cowboy-Hut!

Art Furrer auf der Riederalp

Nie ohne seinen Hut! Art Furrer: «Meine Marke wird bleiben, aber es muss auch jemand geben, der sie brauchen will.»

Remo Naegeli

Am Montblanc waren diese Sorgen weit weg. Art Furrer sah sich mit einer Herausforderung konfrontiert, die er erstmals 1961 bewältigt hatte. Damals führte er als jugendlicher Bergführer einen beidseitig beinamputierten Mann auf den höchsten Berg Europas. Bei jedem Schritt habe er daran denken müssen: «Ich kann mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen, wie wir das geschafft haben.» Die jetzige Leistung stuft er ähnlich hoch ein: «Von der Hütte Refuge du Goûter legten wir die letzten 1000 Höhenmeter in fünf Stunden zurück – eine respektable Zeit.»

Das Unmögliche möglich machen – das ist Art Furrers Motto fürs Leben. «In den USA habe ich gelernt, wie wichtig eine Marke ist.» Also schuf er seinen eigenen Brand: den Cowboyhut! In der «Verstehen Sie Spass?»-Sendung mimte er damals einen amerikanischen Touristen mit Vier-Meter-Ski und Stetson-Hut: «Seither legte ich den Hut nie mehr ab.»

Art Furrer 2019

Geschafft: Mit Bergführer Willy Imstepf (r.) auf dem Montblanc-Gipfel. «Willy ist der wahre Held dieser Expedition», sagt Art Furrer dankbar.

Remo Naegeli

Für das Aletschgebiet sind die Furrer-Betriebe systemrelevant

Seine Fernsehpräsenz rückte die einstige Kuhweide ins Zentrum Europas. Selbst nach einer ersten Redimensionierung umfasst das Furrer-Imperium auf der Riederalp noch immer 40 Wohneinheiten mit 200 Betten. Zuletzt wies die Furrer-Gruppe 50 000 Logiernächte aus. Für das Aletschgebiet sind die Betriebe systemrelevant.

Künftig will Furrer ohne beruflichen Stress durchs Leben wandern und das machen, was er am meisten liebt: mit Ehefrau Gerlinde die Bergwelt geniessen. Im kommenden Frühling erscheint in Zusammenarbeit mit Bestsellerautor Peter Rothenbühler sein Buch unter dem Arbeitstitel: «Ich sage Danke».

Ausnahmsweise mit Mütze statt Hut

Art Furrer

Nudelfertig: «Vom Gipfel aus wollte ich Gerlinde anrufen. Aber ich traf die Tasten auf dem Handy nicht mehr.»

Remo Naegeli

Art Furrer wäre nicht Art Furrer, hätte er nicht noch einen Trumpf im Ärmel. Das Luxushotel Royal hält er (mit Bruder Gregor und Geschäftspartner Peter Brabeck) weiter unter Kontrolle. Und mit einer Reserve von 4000 Quadratmetern Bauland besitzt er auch in Zukunft kreativen Spielraum. Zwar sagt er: «Ich bin pensioniert. Meine Zeit als Hotelier ist zu Ende.» Doch so recht glauben mag man ihm diese Worte nicht.

Von Thomas Renggli am 4. August 2019