Er ist wieder da! Trump landet um 13.57 Uhr mit dem US-Hubschrauber Marine One am Davosersee. Die Bündner Bergstadt ächzt unter dem dritten Besuch des US-Präsidenten am WEF: Autos und Limousinen stauen sich, die Trottoirs sind verstopft, im Kongresszentrum bilden sich meterlange Schlangen. Nichts geht ohne Sicherheitskontrolle. Filmreif ist nicht nur Trumps Gang über den roten Teppich am See, sondern auch die spannungsreiche Verspätung von mehreren Stunden wegen eines Elektronikproblems.

Mit Verspätung gelandet, ist Donald Trump bei der Landung in Zürich schon wieder zu Scherzen aufgelegt.
Getty ImagesDie Rede des 79-Jährigen ist eine Mischung aus Eigenlob («Die USA sind der Wirtschaftsmotor der Welt») und einem Rundumschlag gegen Europa («Ich erkenne Europa nicht wieder») und die Schweiz. «Ohne uns wäre die Schweiz nicht die Schweiz», sagt Trump und macht sich über Karin Keller-Sutter lustig. Sie habe bei ihm gebettelt wegen der Zölle.

US-Soul-Sänger Aloe Blacc ist CEO eines Biotechunternehmens und nicht das erste Mal am WEF.
PASCAL MORATrump-Effekt mit Besucherrekord
Am Mittwochvormittag ist auf der Schatzalp vom Trump-Trubel noch nichts zu spüren. In der Sonne beginnen die ersten Apéros. US-Sänger Aloe Blacc sagt nach dem Soundcheck, er finde Davos «very nice». Es ist bereits sein zweiter Besuch. Er tritt im Rahmen eines schwedischen Events auf, ebenso wie Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko, der geduldig ein Selfie nach dem anderen mit den Gästen schiesst.

Der 1,98-Meter-Mann Wladimir Klitschko spricht über die Ukraine. Sein Bruder Vitali ist nicht vor Ort.
PASCAL MORANicht nur die Sicherheitskräfte sind dieses Mal so zahlreich wie nie. Auch die Zahl der Besucher ist auf einem Rekordhoch. Diesen Trump-Effekt spürt man auch im Hotel Steigenberger Belvédère. «Vor dem WEF reist normalerweise nur eine Handvoll Gäste an», erzählt Direktorin Tina Heide. «Dieses Jahr waren es schon am Sonntag 70.» In der Lobby tritt man sich teilweise auf die Füsse.

US-Popstar Katy Perry mit dem ehemaligen kanadischen Regierungschef Justin Trudeau. Am WEF spricht er über kulturelle Einflussnahme.
PASCAL MORAAm Dienstagabend gleitet eines der glamourösesten Paare des WEF durch die Lobby des Fünf-Sterne-Hotels: Sängerin Katy Perry und der ehemalige kanadische Premierminister Justin Trudeau. Einer ihrer ersten offiziellen Auftritte – doch statt zu posieren, huschen sie beinahe scheu in den Saal einer Veranstaltung des US-Magazins «Time».

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron trägt wegen eines blutunterlaufenen Auges eine Sonnenbrille.
AFPLeer ist es hingegen gleich nebenan im Schnee. «Kein Knochen auf der Piste, herrlich!», erzählt eine Einheimische. Weniger entspannt ist ein Pöstler, der auf der Promenade WEF-Gäste aus dem Weg rempelt, um mit seiner Morgenrunde fertig zu werden.

Ein Gast trägt eine Anspielung auf Donald Trumps «Make America Great Again»-Bewegung auf dem Kopf.
PASCAL MORATipps gegen Kälte vom Bundesrat
Wie der amerikanische Präsident so landet auch Neu-Bundesrat Martin Pfister mit dem Helikopter in Davos. Der Oberst war während mehrerer Jahre für die Armee in Davos im Einsatz. Er kennt den Alltag der Truppe, die er hier besucht. Und trifft auf seinen ehemaligen Chef: Divisionär Maurizio Dattrino hatte den heutigen Bundesrat unter sich. Die Begrüssung ist herzlich, doch wie hat sich Pfister damals als Stabsmitarbeiter angestellt? «Hervorragend!», gibt Dattrino zu Protokoll. Und Pfister mahnt scherzhaft: «Wehe, du hättest jetzt was anderes gesagt.» Maurizio Dattrino hat nicht nur Bundesrat Pfister geführt, sondern auch Bundesrat Ignazio Cassis. «Wenn man bei mir war, geht die Karriere steil nach oben», so Dattrino schmunzelnd.

Divisionär Maurizio Dattrino (r.) hatte Bundesrat und Oberst Martin Pfister ausgebildet. 5000 Armeeangehörige sorgen am WEF für Sicherheit.
PASCAL MORAMartin Pfister weiss, dass der Einsatz hier am WEF «nicht immer lustig» ist. Seine Tipps gegen die Kälte und den eisigen Wind: «Man muss richtig stehen und sich gut abwechseln.» Die geopolitischen Spannungen lassen auch den VBS-Chef nicht kalt: «Wir brauchen Entspannung auf dieser Welt. Und Plattformen wie das WEF, welche die Möglichkeit dazu bieten.»

Vollgas trotz schwierigen Wochen: Bundespräsident Guy Parmelin (r.) im House of Switzerland.
PASCAL MORA«Es herrscht das Faustrecht»
Im House of Switzerland treffen sich Bundespräsident Guy Parmelin und sein Kollege Ignazio Cassis. Parmelin beschäftigt weiterhin die Brandkatastrophe von Crans-Montana. «Wir schulden den Betroffenen, Familien und Angehörigen Respekt, Erinnerung – und die Verpflichtung, alles zu tun, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt.» Es sei nicht einfach, nach so einer Katastrophe in die Themen des WEF einzutauchen.

Aussenminister Ignazio Cassisʼ Tipp fürs WEF: «Man sollte nicht zu viel essen und nicht zu viel trinken. Sonst ist man zu müde.»
PASCAL MORAFür die Gespräche mit US-Präsident Trump & Co. hat Aussenminister Cassis eine Strategie: «In der Ruhe und der Disziplin liegt die Kraft.» Nur dann könne es gelingen, die Stärken der Schweiz – «Stabilität und Neutralität, die wesentliche Träger unseres guten Images sind» – der chaotischen neuen Weltordnung entgegenzuhalten. Denn, so Cassis: «In der Geopolitik herrscht derzeit das Faustrecht.» Ob Cassis’ Strategie Früchte trägt, wird sich zeigen.


