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Fabien Rohrer zum Tod von Ueli Kestenholz

«Ueli war ein Pionier»

Die Schweizer Snowboard-Legende Ueli Kestenholz ist bei einem Lawinenunglück im Lötschental VS verstorben – mit nur 50 Jahren! Fabien Rohrer, ein langjähriger Weggefährte, würdigt seinen Freund.

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<p>Ueli Kestenholz: Ein ganz Grosser des Snowboard-Sports ist verstorben. Das Bild entstand 2011 für die Schweizer Illustrierte.</p>

Ueli Kestenholz: Ein ganz Grosser des Snowboard-Sports ist verstorben. Das Bild entstand 2011 für die Schweizer Illustrierte.

Fabienne Buehler

Erst vor zwei Wochen war Ueli bei mir zu Hause und holte Snowboardkleider von meinem Sohn Jeremy für seinen eigenen Sohn ab – er ist ein wenig jünger als Jeremy, beide sind Vollblut-Snowboarder. Und jetzt erreichte mich die unsagbar traurige Nachricht von seinem Tod. Ich lag bereits im Bett, als ich um Mitternacht davon erfuhr. Das hat mich völlig übermannt.

Mit Ueli teilte ich eine tiefe und enge Freundschaft. Wir lernten uns vor 30 Jahren an einem Swisscup kennen. Was mir sofort an diesem gut aussehenden jungen Mann auffiel? Die mentale Stärke, die ich auch habe. Und die wir gebraucht haben in unserem Sport. Wenn wir etwas wollten, so haben wir es beide erreicht. Ueli und ich wollten die Besten der Welt sein – das haben wir auch geschafft. Ueli war ein Pionier, ein Snowboarder der ersten Stunde, der unseren Sport mit Herzblut lebte. Er hat den Lifestyle des Snowboardens mit Leichtigkeit in die Welt getragen, aber niemals mit Arroganz. Eigentlich war Ueli der Bernhard Russi der Snowboarder. Von uns gab es ja damals noch nicht so viele, aber Ueli hats salonfähig gemacht. Er war einfach ein Beisser. 

<p>Fabien Rohrer (l.) und Ueli Kestenholz beim Surfen in Montreux VD.</p>

Fabien Rohrer (l.) und Ueli Kestenholz beim Surfen in Montreux VD.

zVg

«Er war eine Festhütte»

Wir kamen von unterschiedlichen Sparten. Ueli war der alpine Fahrer, Gian Simmen und ich waren die Freestyler. Und eigentlich fanden wir die Typen in den hautengen Anzügen auch nicht so cool. Aber Ueli war einfach eine Festhütte! Und der Einzige, der mit uns Freestylern rumhing – und von uns auch voll akzeptiert wurde. Unvergessen bleiben auch die Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano – jene Spiele, bei denen Snowboarden mit dem Riesenslalom und der Halfpipe überhaupt erst olympisch wurden. Entsprechend gross war damals der Knatsch mit dem Olympischen Komitee: Die lange Wartezeit auf die Anerkennung unseres Sports und die anfängliche Zurückhaltung des IOC sorgten für Spannungen. Trotzdem gingen wir nach Japan. Ich wurde leider Vierter, aber Ueli holte für die Schweiz Bronze im Riesenslalom und Gian Gold in der Halfpipe – Snowboarden war angekommen.

Durch den Sport hatten wir immer Kontakt. Ueli, Gian Simmen, Tanja Frieden und ich waren immer verbunden. Wir wohnen alle fünf Minuten auseinander, ich in Spiez, Ueli und Tanja in Thun. Bei Gian im Snowpark in Grindelwald waren wir ab und zu. Oder in Gstaad gingen wir gerne boarden, wenn es die Zeit zuliess. Mein Sohn und die beiden Söhne von Ueli haben sich auch sehr gern. Ueli wurde von seinem ganzen Umfeld geschätzt. Er war ein Mensch mit Herzlichkeit, Disziplin und einer inneren Stärke, die ansteckte. Er hat den Snowboardsport geprägt, Generationen inspiriert und Spuren hinterlassen, die bleiben. Als Freund, als Pionier und als Vorbild wird er unvergessen sein.

Yara Vettiger, Redaktorin Schweizer Illustrierte
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Von Yara Vettiger am 18. Januar 2026 - 06:00 Uhr