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50 Jahre Frauenstimmrecht

«Unsere Grossmütter kämpften noch dafür, Hosen tragen zu dürfen»

Durch eine eidgenössische Abstimmung wurde 1971 in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt. 50 Frauen blicken für die Schweizer Illustrierte zurück – und wagen einen Blick in die Zukunft. Heute: Fussballerin und SP-Politikerin Sarah Akanji.

Sarah Akanji, Fussballerin, 2017. Sarah Akanji - FC Winterthur (c) Thomas Buchwalder
Thomas Buchwalder
Sarah Akanji, Fussballerin, 2017. Sarah Akanji - FC Winterthur (c) Thomas Buchwalder
Sarah Akanji

Fussballerin und Politikerin

Die Diskussion um das Verhüllungsverbot war geladen, emotional, hitzig. Die Schweiz stritt darüber, ob eine Kleidervorschrift in die Verfassung geschrieben wird. Ausgerechnet in dem Jahr, in welchem wir das 50-jährige Frauenstimmrecht feiern. Spannenderweise sind Kleidervorschriften für Frauen ein sich wiederholendes öffentliches Thema – früher wie heute. Unsere Grossmütter mussten noch dafür kämpfen, Hosen tragen zu dürfen.

Meine Generation kennt andere Kleidungskämpfe. 2004 fordert Sepp Blatter, dass Fussballerinnen sich «attraktiver» kleiden sollen, damit der Frauenfussball attraktiver werde, denn: «Heutzutage spielen schöne Frauen Fussball.» 2012 bestimmt der Volleyball-Weltverband, dass Beachvolleyballerinnen neu nicht mehr nur Bikini oder Badeanzug tragen dürfen, sondern auch «kurze Hosen». 2020 protestieren Jugendliche in Genf gegen sexistische Kleiderordnungen an ihrer Schule. Wer zu viel Haut zeigt, wird von der Schule gezwungen, ein «T-Shirt de la honte» zu tragen. 2021 wird die Burka-Initiative angenommen.

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Sarah Akanji, Fussballerin, 2021 zvg ©HO
HO

Zur Person

Die 27-jährige Sarah Akanji war 2016 Mitbegründerin der ersten Frauenmannschaft des FC Winterthur, wo sie heute Kapitänin ist. Ihr Bruder Manuel ist Natispieler. Akanji studierte Politik und Geschichte und arbeitete als Wahlkampfmitarbeiterin auf dem SP-Parteisekretariat, bevor sie 2019 mit dem besten Resultat in den Zürcher Kantonsrat gewählt wurde. Sie sitzt dort in der Kommission für Bildung und Kultur.

Fazit: Im Sport kann nicht genügend Haut gezeigt werden, in der Schule sollen wir uns mit Stoff bedecken, aber dann doch nicht allzu sehr, denn Verhüllung ist auch nicht erlaubt. Es gibt also eigentlich keinen richtigen Weg, wie sich Frauen kleiden sollen. Abgesehen von der Absurdität, wie viel Stoff «richtig» ist, stellt sich mir aber eine noch viel wichtigere Frage: Wieso soll uns in einem scheinbar liberalen Staat irgendjemand vorschreiben dürfen, welche Kleidung wir tragen müssen?

Meine Antwort: Weil unsere Gesellschaft um das Interesse von Männern aufgebaut ist. Auch heute noch.

Einmal geht es um den Schutz vor Männern (= mehr Stoff), ein anderes Mal darum, uns attraktiver zu machen für Männer (= weniger Stoff). Doch: Sollten Frauenkleider nicht für Frauen anstatt für Männer sein?

Nehmen wir dieses Jubiläum doch zum Anlass, Geschlechterrollen (erneut) kritisch zu überdenken. In Bezug auf Kleidung, aber auch in Bezug auf die allgemeine Selbstbestimmung von Frauen.

Von Sarah Akanji am 12.03.2021
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