Aktuell bewegt mich die Frage, wie sehr das Verhalten von Politikerinnen und Politikern unsere Gesellschaft prägt und in welchem Ausmass politische Entscheidungen einen Ripple-Effekt auslösen — also weitreichende Folgen haben, die sich Schritt für Schritt durch verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ziehen.
Wenn ich morgens aufwache, höre ich Vogelgezwitscher und Flugzeugbrummen am Himmel.
Zum Frühstück esse ich jeden Tag etwas anderes: Müesli, ein Gipfeli oder einen hausgemachten Muffin.
Zur Arbeit fahre ich mit dem Doppeldeckerbus.
Mein Arbeitstag dauert meist acht Stunden, manchmal länger.
Am Feierabend gönne ich mir ein feines Essen; beim Kochen kann ich wunderbar entspannen.
Typisch britisch an mir ist: Geduld bewahren und eine Tasse Tee geniessen.
Touristen aus meiner Heimat zeige ich die National Gallery und das Rahmenatelier, in dem ich arbeite.
Unterschätzt werden hier Distanzen – man braucht oft länger als gedacht, um von A nach B zu gelangen, und auf den ÖV ist nicht immer Verlass.
Am meisten stört mich an Grossbritannien die indirekte Kommunikation – man weiss nie genau, was gemeint ist.
Von der Schweiz vermisse ich vor allem meine Familie, Schokolade, die Berge und das Schwimmen in der Natur.
Die Schweiz kann von Grossbritannien lernen: Geduld beim Anstehen, Freundlichkeit und Humor.
Schweizer Politik verfolge ich, indem ich mich auf dem Laufenden halte und an Abstimmungen teilnehme.
Ich werde zurückkehren, sobald meine reguläre Arbeitszeit hier zu Ende ist.
Mein Tipp an andere Auswanderer: Heimatvergleiche vermeiden und Menschen so akzeptieren, wie sie sind.
Die Fakten zur Person
Beruf: Vergolderin, Rahmen-Restauratorin.
Leben in Zahlen: Dank einer Eigentumswohnung, die sie erwerben konnte, als das in London noch bezahlbar war, kommt sie mit ihrem vergleichsweise niedrigen Lohn gut aus. Ein Kilo Brot kostet beim Bäcker 5.10 Franken. Für den Coiffeur zahlt man zwischen 100 und 300 Franken.
Schon als junge Frau zog es die gebürtige Davoserin in die Fremde. Nach einer Lehre in Bern als Vergolderin studierte sie fünf Jahre in New York modernen Tanz. Nachdem sie schweren Herzens das Tanzen als Beruf aufgab, fand sie in London ihre Berufung. «Ursprünglich kam ich wegen der Arbeit her. Die Stadt hat mir gefallen, sie bietet kulturelle Vielfalt, und so bin ich hiergeblieben.»

