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Schweizer Start-up

Die Zukunft im Blick

Das Schweizer Start-up WayRay will beim Auto die Windschutzscheibe revolutionieren. Mehr Infos und weniger Ablenkung machen das Armaturenbrett überflüssig.

Philippe D. Monnier Wayray in Zürich © Foto: Martin Guggisberg

Als Wirtschaftsförderer holt Phi­lippe D. Monnier WayRay 2014 nach Lausanne. Heute ist er selbst Aktionär.

© Martin Guggisberg

In wenigen Metern im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nehmen. Trotz dieser klaren Navi-Ansage verpassen wir das Abbiegen wegen einer verspäteten Ansage oder weil wir die Distanz nicht richtig abschätzen können. Genau hier setzt das Schweizer Startup WayRay an. Die Navigationshinweise sind bei WayRay im Gegensatz zu herkömmlichen Head-up-Displays nicht nur Pfeile, sondern es wird die ganze Sicht des Fahrers auf die Strasse auf die Scheibe projiziert. So weiss er stets, zwischen welchen Gebäuden er abbiegen muss, oder erkennt auf mehrspurigen Strecken die korrekte Spur. Die Infos werden so weit voraus angezeigt, dass die Augen sich nicht neu fokussieren müssen.

In der Schweiz hat WayRay die nötigen Rahmenbedingungen, um die Technik zu entwickeln. Der heutige Verwaltungsrat Philippe D. Monnier hat das russische Start-up 2014 nach Lausanne geholt, damals noch als Wirtschaftsförderer der Westschweiz. «Unsere Gesetze sind liberaler, wichtige Positionen lassen sich einfacher neu besetzen und Bauvorhaben schneller realisieren», sagt Monnier. Die tiefen Steuern waren eher zweitrangig. «Sonst hätten wir den Hauptsitz letztes Jahr nach Zug statt Zürich verlagert. Aber Zürich liegt näher bei anderen Schweizer Auto-Zulieferern, der Uni und ist attraktiver für talentierte Mitarbeiter.» Noch sind die Büroräumlichkeiten im Enge-Quartier fast leer. Erst zehn Angestellte arbeiten hier, sind aber oft unterwegs. Bis Ende Jahr sollen deutlich mehr Mitarbeiter für mehr Betrieb auf den Korridoren sorgen. Weiter plant WayRay nicht weit von Zürich eine Pilotfabrik. «Wie alle Zulieferer wollen wir bei den grossen Werken der Hersteller produzieren. Aber bevor dort die Massenproduktion startet, perfektionieren wir die Produktion und Abläufe in diesem Kompetenzzentrum.» 

Windschutzscheibe von WayRay

Infos wie Tempo, Route oder Warnhinweise werden bis 30 Meter vor dem Fahrer dargestellt. So müssen die Augen nicht neu fokussieren.

Werk

Die Qualität muss stimmen, da WayRay seine Lösung von Anfang an in neue Auto-Modelle integrieren will. Deshalb dürfte es noch zwei bis fünf Jahre dauern, ehe die Windschutzscheibe zum Bildschirm wird. «Das hängt von den Modellzyklen der Hersteller ab», erklärt Monnier. «Aber wir wollen noch dieses Jahr eine Nachrüstlösung für bestehende Autos anbieten.» WayRays Vorteil: Der kleine Projektor ist auch für die engen Platzverhältnisse in Sportwagen interessant. 

Neben Navi, Tempo oder Warnhinweisen hat das Schweizer Start-up schon Ideen für die Zukunft, wie verfügbare Ladestationen für E-Autos oder Übersetzungen von Verkehrsschildern im Ausland. In autonomen Autos könnte die Windschutzscheibe zum Bildschirm fürs Surfen, Arbeiten oder Filmesehen werden. Und das Auto ist erst der Anfang: Seitenfenster in Bussen und Zügen oder Hausfenster könnten folgen.υ

Von Martin A. Bartholdi am 20.10.2019