Namuk

Kleider für kleine Abenteurer

Die Kids von Namuk-Gründer Franz Bittmann sind echte Wildfänge. Zum Glück! Sonst wäre die Outdoor-Marke vielleicht nie erfunden worden.

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In der Natur fühlt sich die Familie von Namuk-Gründer Franz Bittmann am wohlsten. Von links: Sohn Levi, 12, Mutter Natascha, 41, Vater Franz, 43, Tochter Juni, 6, und Sohn Mika, 10.

Ornella Cacace

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Die Glastür im Büro dient auch als «Mood Board». Hier werden Ideen für neue Produkte und Kollektionen ­entwickelt. Die wit­zigen Tiercartoons ­finden sich auf den Kleidern und der Website von Namuk wieder. 

Ornella Cacace

Mit ruhiger Miene beobachtet Levi, wie seine jüngeren ­Geschwister Mika und Juni am Pfäffikersee herumtollen. «Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass Levi der Grund für unsere Geschäftsidee war», sagt Franz Bittmann. Ein richtiger Wildfang sei sein Sohn gewesen, immer auf 180. Mutter Natascha nickt lächelnd: «Spielsachen brauchte er keine, er war lieber den ganzen Tag draussen.» Schnell stellte sich heraus, dass Levis Kleider seinem Bewegungsdrang nicht standhielten. «Alles war in Win­deseile zerschlissen. Er war ständig komplett durchnässt», erinnert sich Natascha. Als Levi in die Waldspielgruppe kam, tüftelten seine Eltern deshalb am perfekten Overall. Stoffresten zum Experimentieren gab es genügend, Schneiderkünste auch. Schon zu Schulzeiten hatte Franz im Handarbeits­unterricht seine eigenen Snowboard-Jacken genäht. Im Bekanntenkreis sprach sich das schnell herum. Erst entwarf der Schüler Jacken für Freunde, dann für Freunde von Freunden. «Irgendwann liess ich die ersten hundert Jacken in Tschechien anfertigen, dann ging ­alles ganz schnell» – die Outdoor-Bekleidungsfirma Eleven war geboren! 

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Bunte Farben sind typisch Namuk.

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Im Zuge des abnehmenden Snowboard-Hypes wurde die Produktion der Erwachsenenkleider eingestellt; Know-how und Technologie wurden auf die Herstellung von Kleidern für Ein- bis Zwölfjährige übertragen. «Bei Kinderkleidern wird immer gespart. An Mate­rialien wird nur das günstigste vom günstigen verwendet», ­ärgert sich Bittmann. Mit Namuk setzt er deshalb genau dort an: Funktionskleidung für Kinder, die nach denselben ­Ansprüchen wie für Erwach­sene gefertigt werden.

Eine hohe Lebensdauer bringt weniger Konsum – das ist nachhaltig!

Dazu gehören auch zahlreiche Extra-Features: ein integrierter Nuggihalter, ein verstecktes Abfalltäschli und – der grösste Segen für Eltern – ein rücksei­tiger Reissverschluss für den schnellen Gang zum WC. So viel Innovation hat natürlich ­ihren Preis. Ein Skianzug für Kleinkinder kostet schlappe 250 Franken. «Uns ist klar, dass das teuer ist», gibt Bittmann zu. Aber wenn man die Lebens­dauer bedenke – die Modelle werden oft an vier oder mehr Kinder weitergegeben –, dann wirke der Betrag plötzlich nicht mehr so hoch. «Ausserdem ist das doch viel nachhaltiger!»

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«Textil ist eine dreckige Branche, innerhalb der wir versuchen, saubere Lösungen zu finden.»

Verantwortung dem Planeten gegenüber ist bei Namuk ein grosses Thema. Das Credo: der nachwachsenden Generation eine möglichst intakte Welt zu hinterlassen. Dazu wird zum Beispiel auf Recycling gesetzt. Ein Teil der Streetwear-Kollektion wird komplett aus Reststoffen gefertigt. Im Fall von Defekten ist Namuk kulant und bietet einen Reparatur­service an. Produziert wird gemäss Nach­frage. Sollte es trotzdem mal einen Überschuss geben, werden die Kleider an ein Kinderheim in Rumänien gegeben. Ausserdem besitzt Namuk diverse Zertifikate, die den Einsatz möglichst grüner und tierfreundlicher Rohstoffe belegen. «Das machen wir in erster Linie fürs eigene Ge­wissen, nicht fürs Marketing», so Bittmann. Im Dschungel von Gütesiegeln sei es für den Kunden fast unmöglich, sich zurechtzufinden. Auch gängige Klischees zu den Produktionsbedingungen erfordern Aufklärungsarbeit. «Europa ist nicht über jeden Zweifel erhaben, und in China gibt es nicht nur Kinderarbeit», weiss Bittmann, der regelmässig die für ihn tätigen Fabriken in Portugal und Asien besichtigt. «Wir haben nie behauptet, dass wir die Grünsten sind», sagt der 43-Jährige. In der Bekleidungsindustrie sei das gar nicht möglich, ist er überzeugt. «Es ist eine dreckige Branche, in­ner­halb der wir versuchen, die ­jeweils sauberste Lösung zu finden.» Dabei müsse man bedenken, dass der Kunde nicht bereit sei, jeden Preis zu zahlen. Und dann ist da noch eine Hürde: der kleine Endverbraucher. «Kinder sind brutal ehrlich», so Bittmann. «Wenn ein Pulli unbequem ist, dann wird er nicht angezogen – egal ob er biologisch abbaubar ist oder nicht.» Im Atelier in Wetzikon tüftelt das Team gerade an ­einem Multitalent aus robustem Cordura-Gewebe. «Eine Hose für Schule, Hochzeit und um draussen herumzutollen – das ist Nachhaltigkeit für uns!» 

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Art Director Natalia Gianinazzi arbeitet an neuen Mustern.

Ornella Cacace

Levi ist den Namuk-Entwürfen längst entwachsen. Dem bald 13-Jährigen fehlen nur noch wenige Zentimeter, bis er seinen Vater überragt. «Ich sage Papa schon lange, er soll endlich grössere Grössen herstellen!», wirft Mika ein. Der Zehnjäh­rige möchte sich nur ungern von seiner plüschigen Lieblings­hose verabschieden. Bittmann winkt sichtlich verlegen ab. Auch die eigenen Kinder können halt brutal ehrlich sein.

Die Kleider von Namuk im Webshop  

www.namuk.ch  

Gütesiegel für nachhaltige und fair produzierte Mode  

www.oeko-tex.com

Von Marlies Seifert am 24.02.2020
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