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Kenia

Starke Frauen, sanfte Riesen

Im Tsavo National Park leben einige der letzten ­grossen Elefanten Afrikas. Doch die Giganten sind in Gefahr. Junge Rangerinnen kämpfen um ihren Fortbestand.

Elefant Kenia Busch Afrika
Flurina Rothenberger

Faul liegen sie im Schatten des rostrot leuchtenden Termitenhügels. Strecken ihre müden Glieder. Die scharfen Zähne lassen sie nur hervorblitzen, wenn sie genüsslich gähnen. Heute ist von diesem Löwinnenrudel nichts mehr zu erwarten. «Die Show ist vorbei», scheinen sie den Safari-Touristen in den umstehenden Geländewagen zu sagen. Fast schon demonstrativ gelangweilt wirken die sonst so agilen Katzen. 

Vielleicht wissen sie auch einfach, dass die meisten nicht ihretwegen angereist sind. Denn hier im Tsavo National Park in Kenia spielt der König der Tiere für einmal nur die zweite Geige. Die von sanften Hügelketten umrahmten Gras- und Buschsavannen sind das Reich der Elefanten! Im Gebiet, das ­ungefähr der Fläche der Niederlande entspricht, haben die sanften Riesen das Sagen. 12 850 Exemplare leben hier – etwa 40 Prozent der gesamten Dickhäuter-Population Kenias. Darunter befinden sich mindestens zehn der so­ge­nannten Big Tuskers: Elefanten, deren Stosszähne bis zum Boden reichen. Weltweit leben Schätzungen zufolge noch 30 von ihnen. Sie sind gefährdet, ihre über 55 Kilogramm schweren Zähne ein gefundenes Fressen für Wilderer, deren Geschäft der ­Elfenbeinhandel ist.

Baum Steppe Afrika Kenia
Afrika pur! Die Abendesonne taucht die Savanne in Tsavo in ein goldenes Licht. Flurina Rothenberger
Safari Kenia Afrika Jeep
Safari-Ferien: Für Touristen ist der Tsavo National Park eine der Top-5-Attraktionen Kenias. Flurina Rothenberger
Elefanten Herde Afrika Kenia
Matriarchat: Elefantenherden werden stets von älteren Muttertieren angeführt. Flurina Rothenberger

«Wir müssen unbedingt etwas für den Schutz dieser einzigartigen Tiere tun», sagt Christine Mwende. Von der La­de­fläche unseres Jeeps blickt sie durch ihr Fernglas – auf der Suche nach Big Tuskers. Unter dem Schirm einer Akazie ­erspäht sie schliesslich eine Gruppe ­Elefanten, leicht zu erkennen an der ­charakteristischen rötlichen Färbung, welche die Dickhäuter im Tsavo National Park haben. Sie stammt von der roten Erde, mit der sich die Tiere zur Abwehr von Insekten und Parasiten – so wie jetzt in diesem Moment – bestreuen. Christine lacht. «Zu sehen, wie sich die Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung verhalten, wird einfach nie langweilig.» Schon als Kind habe sie sich für Wildtiere inte­ressiert. «Aber meine Eltern konnten sich die Schulausflüge in den Park nicht leisten.» Also hat sie Wildtiermanagement studiert und ist aus der Nähe von Nairobi nach Tsavo gezogen. «Jetzt arbeite ich jeden Tag draussen im Feld. Mein Traumjob!» Für die Organisation Tsavo Trust führt die 26-Jährige Buch über die Bewegungen der Big Tuskers. «Sobald sie den Park verlassen, schlagen wir Alarm, und die Wildhüter des Kenya Wildlife Service übernehmen», erklärt sie. 

Wer das Schutzgebiet als Safari-Tourist besucht, ahnt davon nichts: Zebras grasen in der Ebene, Giraffen knabbern bedächtig frische Triebe von den Baumkronen, ein aufgeschrecktes Warzenschwein wieselt mit aufgerichtetem Schwänzchen über die Strasse. Wenn sie nicht von Wolken eingehüllt ist, lässt sich in der Entfernung die weisse Schneekappe des Kilimandscharo erkennen. Im wogenden Grasmeer davor entdecken wir Büffelherden, eine Ge­pardenfamilie – und Elefanten. Immer wieder Elefanten. So viele Elefanten! Gemächlich hintereinander hertrottende Familien, wild umhertollende Jungtiere, sich schnaubend durch den Busch schlagende Bullen. «Der pure Frieden», kommentiert eine Mitreisende, als die Abendsonne die Szenerie in goldenes Licht taucht. Eine täuschende Idylle. 

Im Gegensatz zu ähnlichen Gebieten in Afrika ist die Tsavo-Schutzzone nicht umzäunt. So können sich die Elefanten auf ihren natürlichen Routen zwischen dem östlichen und westlichen Nationalpark sowie den angrenzenden Privatländereien und auf Gemeindeboden bewegen. Schön für die Elefanten. Das kann aber auch zu Konflikten mit der Bevölkerung führen – wenn die Tiere zum Beispiel Ernten plündern. Für die vor Ort tätige Nichtregierungsorganisa­tion International Fund for Animal Welfare (IFAW) ist deshalb die Zusammen­arbeit mit den Locals zentral. Sie schult sogenannte Gemeinderangers im Umgang mit modernen Kommunikations­mitteln wie GPS und Satellitentelefon. So können sie einerseits wichtige Daten für den Kampf gegen Wilderer sammeln und andererseits schnell vor Ort sein, wenn es zu brenzligen Situationen zwischen Mensch und Tier kommt. Unterstützt von der TUI Care Foundation, stellt der IFAW so die Sicherheit von bedrohten Elefanten und Einheimischen sicher. Und die Parkbesucher profitieren von einem tierfreundlichen Safari-Tourismus, der ihnen ungewöhnlich viele Begegnungen mit den grauen Riesen ermöglicht. 

Mwende Kenia Afrika Tsavo Park
Traumjob! Chris­tine Mwende hält täglich Ausschau nach «Big Tuskers». Elefanten kommt man in Tsavo so nah wie sonst selten. Flurina Rothenberger

Seit Kurzem werden auch Frauen zu Rangerinnen ausgebildet. «Wir nennen uns den Klub der Löwinnen», sagt Purity Lakara. Sie ist nicht nur eine von acht Frauen in diesem Job, sondern auch «eine echte Massai!», wie die 23-Jährige betont. Zum Beweis deutet sie auf die kreisrunden Narben auf ihren Wangen. Im Glauben des ostafrikanischen Volkes sollen die Brandmale Glück und Wohlergehen bringen. Und sie sind ein Zeichen für Mut. Purity ist in einer traditionellen Hirtenfamilie am Rande des Amboseli National Park etwas weiter westlich aufgewachsen. «Wilde Tiere waren immer schon Teil meines Lebens. Ich hatte nie Angst vor ihnen», erzählt sie. Wenn sie auf dem Schulweg einem Löwen begegnet sei, habe sie leise mit ihm gesprochen, seine Gestik studiert. «Ich kann die Gedanken der Tiere lesen», sagt sie mit ernstem Blick. Jetzt geht es aber darum, Spuren zu lesen. Sind irgendwo die Abdrücke eines Reifenprofils zu sehen? Hat jemand ausserhalb des besiedelten Gebiets ein Feuer gemacht? Dies könnten Hinweise auf Wilderer-Aktivität sein. Ausserdem behalten Ranger die Bewegungsmuster der Wildtiere im Blick, notieren GPS-Koordinaten, machen Fotos.

Purity zieht den Hut tiefer ins Gesicht, um sich vor der Mittagssonne zu schützen. Kein Lüftchen geht. Eine schweisstreibende Aktion – nur schon das Zuschauen. «Genau deshalb waren meine Eltern erst dagegen, dass ich diesen Job mache», sagt Eunice Peneti. «Ich habe dafür gekämpft, dass ich jetzt hier stehen kann.» Wer sieht, wie die grüne Uniform an den zierlichen Beinen der 25-Jährigen schlackert, würde nie glauben, welches Kraftpaket sich dahinter verbirgt. Anders als Purity, die am College Tourismus studierte, verdiente Eunice ihr Geld bislang als Profisportlerin. Beim allmorgendlichen Drill hängt die Ma­rathonläuferin ihre Kollegen locker ab. «Was Männer können, können Frauen schon lange», sagt sie verschmitzt. 

Heimlich regieren eben doch die ­Löwinnen im Tsavo National Park. 

Rangerinnen Afrika Kenia Spuren
Auf Patrouille. Eunice, Purity und ihr Team suchen im Busch nach Spuren von Wilderern. Flurina Rothenberger

Hilfe für Elefanten: «Tenboma» in Kenia – unterstützt von der «TUI Elephant Aid»

Afrika Kenia Tenboma TUI Care Foundation
Flurina Rothenberger

Die TUI Care Foundation setzt sich weltweit für den Schutz von Elefanten ein. In Kenia steht das Projekt TENBOMA zur Eindämmung der Wilderei im Zentrum.

Gemeinsam mit dem IFAW (International Fund for Animal Welfare) kämpft die TUI Care Foundation gegen Wilderer im Tsavo-Schutzgebiet. Im Rahmen des IFAW-Projekts «Tenboma» werden 130 Gemeinderanger und Ranger des Kenya Wildlife Service ausgebildet. Sie lernen, Daten und Informationen zu sammeln, um Angriffe auf Stosszahnträger zu vereiteln. Die Idee: Täter verhaften, noch bevor sie zuschlagen – nicht erst, wenn die Elefanten tot sind. Zur Spurensicherung werden moderne Hilfsmittel wie GPS und Mobilgeräte genutzt. «Ein spannender Aspekt dieses Projekts liegt in seiner virtuosen Kombination lokaler Kenntnisse einerseits und technologischer Entwicklung andererseits», so Thomas Ellerbeck, Vorsitzender des Kuratoriums der TUI Care Foundation. 

Infos und Spenden www.tuicarefoundation.com

Von Marlies Seifert am 18. April 2019