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Der indiskrete Travel-Talk

Der Wiederholungs-Täter

Auf Tour in sieben Tagen rund um die Welt, das liegt hinter ihm. DJ Antoine ist sesshaft geworden. Noch immer liebt er Langstreckenflüge, Hotels mit Seele – und seinen roten Koffer.

Der indiskrete Travel-Talk DJ Antoine

Jetsetter Antoine Konrad wohnt bei Basel, besitzt ein Ferien-haus im Burgund und liebt erstklassige Hotels.

Global Bookings

Teller sind sein Ding! Seit Jahren bringt DJ Antoine die Plattenteller rund um den Globus zum Glühen. Sein «Ma Chérie» gilt als erfolgreichste Single aller Zeiten ­eines Schweizer Musikers. Neuerdings aber widmet sich Antoine Konrad, 45, auch dem Essteller. Mit Konrad Lifestyle hat er einen neuen Brand am Start, unter welchem er nicht nur Champagner, Wein, Prosecco, Zi­gar­ren, Kaffee und Pasta verkauft – sein House of Wine dient gleichermassen als exklusive Partylocation für Members und Showroom für Interior-Aficionados. Das Highlight sind aber Antoines «Cuisine Privée»-Events. An diesen Abenden steht der DJ persönlich am Herd, serviert seine Pasta Maison, begleitet von raren Weinen, sorgt für den passenden Partysound und kümmert sich anschliessend gar um den Abwasch.

Antoine Konrad, woher stammt Ihr letzter Passstempel?
(Lacht.) Diese Frage hätte ich noch vor ein paar Jahren mit grösstem Stolz beantwortet. Mein Pass war ein wahres Bilderbuch. Auf Tour gings innert einer Woche nach Moskau, Kasachstan, Hongkong, Schanghai, New York und Las Vegas. Corona wegen setze ich mich nun vermehrt fürs Reisen ins Auto. Dabei liebe ich Langstreckenflüge.

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Die klassische Kurzstrecke legen Sie also auf der Strasse zurück?
Oder mit dem Zug. Für Fahrten bis zu sechs Stunden verzichte ich wenn möglich auf den Flieger.

Ihr letzter Roadtrip?
Nach Italien. Am 1. August fuhr ich zum Abendessen nach Verona. Tags darauf gings für ein Meeting nach Venedig. Es folgte ein Abstecher zu meinem Lieblings-Pizzaiolo in der Nähe von Pescara, dann weiter nach Foggia, Apulien, Frascati, Grosseto und Sirmione.

Was fasziniert Sie an Italien?
Italien ist Dolce Vita. Auch wenn ich beruflich hinmuss. Kaum fahre ich nach Chiasso durch den ersten Tunnel, be­gin­nen in meinem Kopf die Ferien. Cappuccino trinken und dazu Cornetti con marmellata di albicocche geniessen – was gibt es Besseres?

Ihre Ferienerinnerung aus Kindertagen?
Die Sandwiches meiner Mutter! Sie steckten in Alufolie, und wenn man sie am Strand ass, waren sie lauwarm und voll Sand. Das galt auch für den in Zeitungspapier eingewickelten Tee. Dabei hatte der Strandhändler Süssgebäck und eiskalte Cola im Angebot.

Aber schön wars trotzdem?
Und wie! Genauso wie die Fahrten mit meiner Mutter nach Südfrankreich. Im bis unters Dach beladenen Mitsubishi Colt, auf dem Rücksitz zusammen­gepfercht mit meiner Schwester, ohne Klima­anlage reisten wir Sommer für Sommer nach Hyères. Unvergesslich bleibt, wie mich der Dorfbäcker beim Wiedersehen plötzlich mit «monsieur» und nicht mehr mit «jeune homme» ansprach. Ich war 14 Jahre alt. Das machte mich damals unverschämt stolz.

Zusammengepfercht reisen ohne Klimaanlage. Etwas, das Ihr Sohn kaum kennt?
Von mir zumindest nicht. Im Cadillac Escalade gibts genügend Platz, kühle Luft und Videos zur Unterhaltung. Und trotzdem scheint es wieder in zu sein.

Inwiefern?
Mittlerweile ist Sebastian 20 Jahre alt und fährt acht Stunden zusammengepfercht mit seinen Freunden nach Bordeaux – allerdings mit Klimaanlage.

Vater-Sohn-Ferien gibts keine mehr?
Doch, doch. Wenn immer möglich fliegen wir einmal im Jahr nach Dubai ins «Al Maha». Mein absolutes Lieblingshotel.

Sie sind in Sachen Hotels ein Wieder­holungstäter?
Absolut! Wenn es mir irgendwo gefällt, gehe ich regelmässig wieder hin. Hinzu kommt, dass ich in einem neuen Hotel Zeit brauche, um mich wohlzufühlen. Als Erstes sehe ich immer alles, was mir nicht gefällt. In Häusern, die ich kenne, fällt diese Phase weg.

Buchen Sie immer dasselbe Zimmer?
Selbstverständlich!

Das Sitzen im Flieger überlassen Sie wohl auch nicht dem Zufall?
Ungern. Platz E sollte es sein.

Und warum?
Ich sitze generell gerne mit übereinandergeschlagenen Beinen – das rechte über das linke.

Wie gross sind Sie?
1,96 Meter.

Sitznachbarn, die bei Ihnen ein «Oh nein, bitte nicht …» auslösen?
Ungepflegte, schmuddelige Menschen. Und Leute, die zu viel reden.

Welcher Reisetyp sind Sie – der Organisierte mit den Pässen oder der mit der Frage «Wohi gömmer»?
Ganz klar derjenige, der Bescheid weiss. Ich weiss, wos langgeht. Was alles in den Flieger darf. Wie man Schlange stehen vermeiden kann.

DJ Antoine der «Drängli»?
(Lacht.) Beklagt hat sich darüber noch niemand. Es geht dabei nur um Attitude. Wer gut angezogen ist und überzeugt aufs Check-in zugeht, kann auch als Eco am Business-Desk einchecken.

Ihr unübertroffenes Reiseoutfit?
Gemütlich, aber chic! Wegen dem «Vordrängeln» (lacht). Wichtig ist, dass man nicht friert. Denn wer will seine Ferien gleich mit einer Erkältung starten?

Reisen Sie mit eigenem Nackenkissen?
Ist bestimmt praktisch, doch lieber habe ich Nackenstarre, als mit so einem Ding um den Hals rumzulaufen.

Womit beschäftigen Sie sich während des Flugs?
Auf der Kurzstrecke arbeite ich – im Flugmodus. Es ist eine Wohltat, Whatsapp-Nachrichten beantworten zu können, ohne gleich zehn neue zu erhalten.

Und auf der Langstrecke?
Da gibt es für mich nur eines: ein gutes Glas Champagner und danach Filme schauen. Bis Touchdown oder bis mir die Augen zufallen.

Lesen ist für Sie kein Thema?
Wenn ja, dann nur Heftli. Keine Bücher.

Schon einen Flieger verpasst?
In meinem jugendlichen Übermut habe ich es vor 20 Jahren in Norwegen drauf ankommen lassen. Die Party war einfach zu cool, und der Flieger dann halt weg. Sonst noch nie.

Ihre Kofferpackstrategie?
Keine Strategie, aber den perfekten ­Koffer. Es war Liebe auf den ersten Blick. So heftig, dass ich ihn mir gleich doppelt gekauft habe. Den zweiten im Ausverkauf.

Was hat denn dieser Koffer, was andere nicht haben?
Die perfekte Grösse. Er ist etwas breiter als die Norm, und ich muss deshalb meine Hemden nur einmal falten. Er ist von Lancel, aus Kroko-Imitat und knallrot. Es gibt keinen schöneren Koffer!

Und wann packen Sie dieses Prunkstück?
Am Abreisetag. Nie am Vorabend. Lieber stehe ich morgens früher auf.

Vorbereitungsmethode, damit nichts Wich­tiges zu Hause bleibt?
Seit ich die Badehose mal vergessen habe, steht diese zuoberst auf meiner Checkliste. Aber mein ultimativer Tipp ist: gar nicht erst auspacken, was man immer wieder braucht.

Ihr Necessaire bleibt im Koffer?
Richtig. Was leer ist, fülle ich gleich auf. Ansonsten bleibt alles drin.

Ein Must im Hotelzimmer?
Die Seele, das Flair. Ohne ist es nur ein Zimmer.

Welche Seite im Doppelbett?
Zu Hause rechts. Aber eigentlich egal.

Ihr erster Ferienflirt?
Das war in Südfrankreich. Ich konnte kein Wort Französisch, und sie war eine wunderschöne Französin. Leider kams nicht gut.

Also lernten Sie danach Französisch?
(Lacht.) So schön war sie doch nicht.

Nacht- oder Nacktschwimmer?
Nacktschwimmen! Aber nur im Pool meines Ferienhauses im Burgund.

Kaufen Sie Souvenirs?
Sehr gerne sogar. Von Bettwäsche über Autos bis hin zu Spiegelfliesen.

Worauf freuen Sie sich zu Hause?
Mein Bett!

Wann wird der rote Koffer ausgepackt?
Schmutzige Kleider kommen direkt in die Waschmaschine. Den Rest verräume ich meist einen Tag später. Der Koffer verschwindet als Letztes.

Von Bettina Bono am 09.10.2020
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