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Tschäggättä

Furchterregende Gestalten bevölkern in der Fasnachtszeit das Lötschental. Mit Holzmasken und Fellen verkleidet, ziehen die Tschäggättä treichelnd durch die Dörfer.

Tschaeggaettae Holzmasken Wallis Fasnacht Loetschental
Christian Pfammatter

Spricht der Lötschentaler Manuel Blötzer, 24, das Wort Tschäggättä aus, dann wird es zum Zischlaut, die Vokale werden verschluckt. Und auf die Frage, was denn ein gelungenes Kostüm ausmache, gibt er trocken zu Protokoll: «E gruisigi Aaleggättu muäss äs syn. Schön ist eine  Tschäggätta, wenn sie leid aussieht.» Um gleich die korrekten Begriffe zu klären: Die Tschäggätta ist die einzelne, verkleidete Gestalt, die Tschäggättä ist die Mehrzahl davon und auch der Name des Brauchs, das Verb lautet tschäggättu.

Der jahrhundertealte Brauch, dessen Ursprünge nicht sicher belegt sind, geht aber durchaus mit der Zeit. Abbildungen von Teufel, Tod und Hexen waren früher die Vorbilder für die geschnitzten Larven. Heute dient auch das Internet als Inspiration, und so tauchen Gesichts-züge aus Science-Fiction-Filmen in den «neumodischen» Masken auf. Manuel Blötzer lässt sich vom Stück Holz leiten, wenn er eine neue Maske schnitzt. Mehrheitlich seien es bei ihm eher traditionelle Sujets. Neben den gfürchigen gibt es aber auch liebliche Gesichter. Diese symbolisieren die Ahnen.

Tschaeggaettae Holzmasken Wallis Fasnacht Loetschental
Wenn es abends früh eindunkelt und der erste Schnee fällt, beginnt Manuel Blötzer mit dem Schnitzen einer neuen Maske. «Dann kommt die Vorfreude.» Christian Pfammatter
Tschaeggaettae Holzmasken Wallis Fasnacht Loetschental
Manuel Blötzer beim Schnitzen einer Maske. Die Masken aus Arvenholz sind Erbstücke oder Eigenfabrikate. Christian Pfammatter

Die Kleidung besteht aus einem Tierfell – beispielsweise Schaf, Ziege oder Hirsch. Darunter kommen lange Hosen, meist aus Sacktuch, ein Tschoopen und Handschuhe. «Das Jackett und die Handschuhe, die Triämhändschen, werden verkehrt herum getragen», erklärt Blötzer. Der Grund: Früher hatte man nur wenige Kleider, und damit der unter dem Kostüm versteckte Lötschentaler nicht erkannt wurde, drehte man diese einfach um. Noch heute tragen viele Tschäggättä den Tschoopen ihres Grossvaters, dessen Futteral aus Matratzenstoff unter dem Fell sichtbar wird. Zum Kostüm gehört auch eine Treichel, mit der so viel Krach wie möglich gemacht wird. «Diese trägt man oft über dem Fell. Hat aber -einer ein besonders schönes Fell, wird sie darunter umgehängt», so Blötzer. Dies gilt als «neumodisch».

Überhaupt, das Anziehen: Zwischen 25 und 30 Kilogramm werden da um eine Person herumgeschnallt. Will man den breiten Riemen um die Taille zurren, geht das meist nur zu zweit, wobei der Kostümierte am Boden liegt. Vorschriften zur Bekleidung gibt es nicht. «Alles ist erlaubt. Ziel ist es, sich völlig unkenntlich zu machen», sagt Manuel Blötzer.

«Schön ist eine Tschäggätta, wenn sie leid aussieht»

Die Tschäggättä im Lötschental treiben immer zwischen dem katholischen Feier-tag Maria Lichtmess und dem Aschermittwoch ihr Unwesen. Am Feierabend treffen sich die Tschäggättu-Begeisterten – Männer, Frauen und auch Kinder – in ihren jeweiligen Kellern, bevor sie losziehen. Die Gruppe von Manuel Blötzer etwa in der ehemaligen Scheune des Gemeindestiers in Wiler. «Es gibt keine Vereine und keine Organisationen, pro Dorf sind es einfach Kollegen, die Masken und Kostüme zusammengetragen haben und gemeinsam verwenden.» Nur zwei Mal pro Fasnachtszeit gibt es offizielle Termine: im 2019 am 28. Februar beim Umzug von Blatten nach Ferden und am 2. März beim Fasnachtsumzug in Wiler. Aber: «Für uns ist das Tschäggatu eine Leidenschaft und beschäftigt uns das ganze Jahr», bekräftigt Blötzer.

www.loetschental.ch

Tschaeggaettae Holzmasken Wallis Fasnacht Loetschental
Tschaeggaettae Holzmasken Wallis Fasnacht Loetschental
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Diese Maske ist im traditionellen Stil geschnitzt. Der Tschoopen und die Handschuhe werden verkehrt herum getragen. Christian Pfammatter
am 22. März 2019