Die Party des Jahres 60 Zeilen zum 60. Geburtstag

Ein roter Teppich nur für ihn: Konzert-Veranstalter André Béchir feierte seinen 60. Geburts­tag mit 650 Gästen. Er hat als Konzertveranstalter alle grossen Stars in die Schweiz geholt.

Es gibt Menschen, die Familienfeiern dazu nutzen, mal so richtig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Die Gala zum 60. Geburtstag von André Béchir war so ein Anlass.

Nach dem Hauptgang (Rindsfilet mit Kartoffelgratin und buntem Gemüse-Potpourri) stieg Barry Dickens, ein Konzert-Agent aus England, auf die Bühne und ver­glich seinen Freund locker-flockig mit einem Hasen. Man wisse ja, wofür Hasen legendär seien – aber er habe alle Freundinnen von André Béchir gemocht, «mein Gott, waren die schön!».

Dann erzählt er, wie er einst Weihnachten auf der Karibikinsel Mustique verbrachte und Béchir auf Barbados. Und wie André spontan einen Helikopterflug charterte und zum Lunch zu Barry rüberflog.

Das ist Rock'n’Roll.

Zu der Zeit trug er lange Haare, Vollbart und silberne Stiefel. Heute liebt er fliederfarbene Hemden und Krawatten mit Tiermustern aus
aller Welt, die mindestens in der Rockszene an jedem Ort der Welt ungewöhnlich sind.

Die Karriere von Good-News-Gründer Béchir begann 1972 mit einem Konzert im Restaurant Hirschen in Hinwil. Klein, improvisiert, regional. Jahre später sind Deep Purple in Zürich (Eintritt 25 Franken inklusive Getränke, 8000 Zuschauer). Man feiert auf dem Zürichsee. Ein Fallschirmspringer landet auf dem Boot und überreicht der Band Goldene Schallplatten. Seitdem ist Hans-Jörg Baumann, Kommandant der Fallschirm-Kompagnie 17, sein Freund.

Zum Fest am Sonntag flog er wieder aus der Luft ein. Der einstige Hippie und Militärgegner Béchir sei dank ihm zum Armeefan geworden. Oder, wie Béchir in seiner Begrüssungsrede selber sagte: «Zum stolzen Schweizer.» Am Geburtstagstisch sassen Peter Spuhler (SVP) mit Gattin Daniela rechts neben ihm.

Seine vorläufige Lebensbilanz: 37 Jahre Musikgeschäft, 4000 Konzerte in der Schweiz. Legendär sind die Rolling Stones oder Madonna in Dübendorf mit 70?000 Besuchern. Keiner kennt die Szene wie er. Und die Szene schätzt ihn, selbst seine Kritiker (er sei «nachtragend, misstrauisch, pingelig»).

Ausser Gölä und DJ Bobo, die nicht sangen, sondern als Show-Einlage das Märchen «Rumpelstilzchen» vortrugen, waren hauptsächlich Freunde aus Politik und Wirtschaft da. Die Musiker schickten ihre Grüsse per Videobotschaft: Tina Turner, Bryan Adams, Simply Red. Eros Ramazzotti wünschte in feinstem Italo-Englisch «Häpi börsdi», Lionel Richie tröstet: «60 ist nicht das Ende, Mään!»

Das Lieblingstier der Konzert-Legende ist die Weinbergschnecke: Scheu, schön, leise sei sie. Sie zierte als Symbol seinen Kleiderhaken im Kindergarten. Als Kind sei er immer der Langsamste gewesen. Beim Fest lächelte die Schnecke von der Menükarte.

An seine 650 Geburtstagsgäste hat Béchir nur einen Wunsch: Er will in den nächsten drei Jahren zu Fuss oder per Velo die Schweiz durchqueren. Jeder Einzelne soll einen Tag Zeit reservieren und ihn auf dem Weg begleiten.

Das ist eine lässige Idee. Sehr lässig. Das ist Rock’n’Roll.

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