Bernhard Alpstaeg «Das isch ganz verreckt»

Er ist Unternehmer des Jahres. Ein Patron alter Schule. Jetzt erwirbt Bernhard Alpstaeg für 10 Millionen die Namensrechte der neuen Swissporarena in Luzern.
Beim Wischen im Garten  seines Hauses bei Luzern erholt sich  Bernhard Alp­staeg am besten. Hündin  Luna schaut gelangweilt weg.
Beim Wischen im Garten seines Hauses bei Luzern erholt sich Bernhard Alp­staeg am besten. Hündin Luna schaut gelangweilt weg.

Er ist eine Saftwurzel. Die Wochenenden verbringt er am liebsten im Garten, steckt sich eine Zigarre an und wischt Laub. «So kann ich abschalten», sagt Bernhard Alpstaeg, 63. Mit offenem Hemd sitzt er am Zmorge-Tisch, seine Sprache ist geradeheraus, mehr als einmal sagt er: «Das isch ganz verreckt.»

Der gemäss dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» 500 bis 600 Millionen Franken schwere Unternehmer ist ein Patron alter Schule, einer, der mit An- und Zupacken glänzt, nicht mit Abkassieren. «Endlich kommen diese Finanzleute vom hohen Ross herunter», entfährt es ihm.

Er ist überzeugt, dass Gier und Masslosigkeit in den Hintergrund treten. Und er glaubt, dass die Schweiz gestärkt aus der Krise hervorgehe, «wenn sie ihre alten Tugen­den beherzigt: Sei bescheiden und arbeite ein bisschen mehr als die andern.»

«Zu Hause habe ich gern ein chüschtiges Brot und einen Denner-Cervelat. Das sind die besten!»

Selber lebt er das privat und geschäftlich täglich vor. Zwar gönnt er sich eine stattliche Villa am Vierwald­stättersee bei Luzern («Damit Frau Anita und Tochter Giulia ein angenehmes Leben haben, wenn ich schon nie zu Hause bin»), doch selber liebt er es einfach: «Ich bin oft unterwegs und esse viel von diesem Schlickischläcki-Zeugs, da hab ich zu Hause gern ein chüschtiges Brot, ein Pärli Wienerli oder einen Denner-Cervelat. Das sind die besten!»

In seiner Swisspor ist Alpstaeg ein un­konventioneller Chef. Regelmässig zieht er sich ein Übergwändli an, mischt sich unter die Arbeiter. «Nur so spüre ich den Puls der Leute.» Oder er begleitet einen Aussendienstler auf dessen Tour. Zu seinem Führungsstil gehört auch, dass die Putzfrau den gleichen Bonus erhält wie der Direktor. «In einem guten Jahr gibt es zwei Millionen, geteilt durch die Anzahl Mitarbeiter.»

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Nicht nur das schätzen viele: «Wenn einer baut, muss er kein Geld haben. 80 Prozent gibt die Bank, den Rest organisiert Swisspor.»
Dieses System von Geben und Nehmen habe sich über Jahrzehnte bewährt. Auch privat. «Meine Frau Anita – wir sind 30 Jahre zusammen – und Tochter Giulia konnten Haus und Wohnort wählen. Bei den Ferien sagen sie, wo es hingeht.»

Dafür reklamiere niemand, wenn er nur nach Hause komme, um Unterhose und Hemd zu wechseln. Seine Tage seien so ausgefüllt, da habe nicht einmal eine Freundin Platz. Gattin Anita meint: «Ich hätte es wesentlich einfacher.»

Der Erfolg gibt ihm recht. In knapp 40 Jahren hat er Swisspor von einer Kleinfirma zu einer internationalen Gruppe ausgebaut. 1971 besass er mit Bruder Georges die Baukork mit 14 Ange­stellten. Heute beschäftigt er in der Schweiz 1200, total 2500 Leute in 24 Fabriken in sieben Ländern. «Innert vier Jahren packen wir die Umsatzmilliarde», verspricht er.

Heute sind es etwa 800 Millionen. Er fabriziert Dämmstoffe aus Styropor und Polyur­e­than, Dichtungsbahnen aus Bitumen und komplette Fenstersysteme. 2007 wurde er von Ernst & Young zum «Entre­preneur of the Year» ausgezeichnet.

Weshalb ist er so zuversichtlich, obwohl viele nun jammern? «Energie sparen ist der grosse Trend. Wir fertigen Mass­anzüge gegen den Klimawandel», sagt er. Sein Ziel: «Ich will noch zehn Jahre Swiss­por führen und Europa zeigen, zu was Schweizer Firmen fähig sind.»

Weiter hofft er, dass der FC Luzern Schweizer Meister wird: «Dann mache ich einen Kopfstand im neuen Stadion.» Das finanzielle Engagement für den Verein und die Swissporarena hat einen Grund: «Unsere 16-jährige Tochter Giulia!» Sie verfolge seit Jahren die Spiele des FC Luzern. «Es ist besser, sie ist vom Fussball angefressen und zieht nicht in der Gegend herum. Für mich macht es Sinn, einen solchen Verein mit einer starken Jugendabteilung zu unterstützen.»

Alpstaeg lässt sich das Namensrecht für die nächsten zehn Jahre fünf Millionen kosten. Dazu kommt nochmals die gleiche Summe für Werbe- und Hospitality-Leistungen, das Co-Sponsoring und für den Ausbau der Arena in ein A+-Stadion, das internationale Spiele möglich macht. Erst am 30. November haben die Luzerner das neue Stadion mit 12 981 zu 10 576 Stimmen angenommen.

Das 250-Millionen-Projekt umfasst ein Fussballstadion für 17 000 Zuschauer, ein Hallenbad, eine Schiesshalle, weitere Sportanlagen und zwei Hochhäuser. Das Fussballstadion allein kostet 63,5 Millionen. Die Stadt leistet 15, der Kanton übernimmt 7 Millionen, und die Investorin Credit Suisse zahlt 31,7 Millionen für das Baurecht und darf auf der Allmend 300 Wohnungen erstellen. Die restlichen knapp 10 Millionen kommen vom FC Luzern, sprich von Bernhard Alpstaeg.

Zurückhaltend meint er: «Das Wichtigste ist: Ich bin gesund, mir geht es gut. Da hat man auch die Verpflichtung, das, was man hat, mit andern zu teilen.»


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