Moderator Kurt Aeschbacher «Die grosse Liebe kommt immer wieder»

Seine neue TV-Sendung erzählt «Liebesgeschichten». Uns öffnet Kurt Aeschbacher sein Herz. Der Star-Moderator spricht über sein erstes Mal und verrät, warum er nicht an die ewige Liebe glaubt.

«Rehto» hängt überm Cheminée und wacht mit leerem Blick übers Wohnzimmer. Andrin steht in der Küche und hackt Zwiebeln fürs Risotto. Bombay jagt durch den schmelzenden Schnee und apportiert Tannäste. Und Kurt? Kurt Aeschbacher, 60, blättert zufrieden in Richard David Prechts Buch über die Liebe.

Bis Aeschbi am 24. April erstmals mit «Liebesgeschichten» auf Sendung geht, geniesst er die Ruhe seines Ferienhauses mit Blick übers Sertigtal hinter Davos. Ins hübsche Fünf-Zimmer-Chalet zogen der Moderator und sein Ex-Freund, der 39-jährige Architekt Andrin Schweizer, vor einem Jahr.

Noch immer verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft – trotz Liebesaus vor neun Jahren. Liebesaus? Von wegen! Kurt Aeschbacher: «Auch Freundschaft kann Liebe sein!»

Herr Aeschbacher, ist das, was die Biene mit der Blüte hat, denn auch Liebe?
(Lacht.) Abgesehen vom Erklärungs­notstand im Aufklärungsunterricht? Ich denke, nicht bei jedem Befruchtungs­vorgang handelt es sich um Liebe.

In Ihrer neuen Sendung erzählen Menschen von der Liebe. Aber was macht sie eigentlich aus?
In ihrer Grunddefinition geht es um eine grosse Zuneigung zu einem anderen Menschen. Ich unterscheide dabei: die Liebe von Eltern zu ihren Kindern, die Liebe in einer Freundschaft, wie ich sie mit Andrin pflege, und die Liebe mit sexuellen Ansprüchen. Und genau an dieser körperlichen Liebe hat unsere Gesellschaft so sehr zu beissen.

Weil bereits die Hälfte aller Ehen geschieden wird?
Genau. Die Überlebensstrategie «Kleinfamilie» von früher steckt heute in der Krise. Der Fortpflanzungsgedanke steht längst im Hintergrund. Wir setzen voraus, dass sich zwei Menschen ein Leben lang lieben und sexuell begehren können. Da habe ich meine Zweifel. Genau darum glaube ich auch nicht an die ewige Liebe.

Und «sich ewige Treue» schwören? Ist das denn nur Lüge?
Schwören kann man sie immer. Sie einzuhalten, ist viel schwieriger. Die Verliebtheit kann nicht ein Leben lang dauern. Das ist biologisch gar nicht machbar. Die Verliebtheit klingt doch bereits nach drei Monaten hormonell ab. Dann heissts an der Liebe arbeiten. Und das ist nicht nur Honigschlecken. Wenn man längerfristig mit jemandem zusammen sein möchte, sollte man allerdings versuchen, einander treu zu sein.

Gingen Sie schon fremd?
Ja. Und ich hatte danach wirklich ein schlechtes Gewissen. Denn ich nahm das Risiko in Kauf, den anderen zu verletzen.

Die Liebe – ein einziges Minenfeld?
Wir verlangen schon recht viel. Den Partner zu überfordern, ist dabei das grösste Problem.

Sind Sie für die Liebe geeignet?
Ich glaube schon. Ich bin ein Liebender. Vor allem: Ich bin neugieriger auf andere als auf mich selber. Obwohl mein Beruf vermuten lässt, dass ich ein egomaner Selbstdarsteller bin.

Und, sind Sies nicht?
Das ist das grösste Missverständnis. Ich fühle mich gerne in andere ein, versuche Verantwortung zu übernehmen, zuver­lässig zu sein und mich zum Wohl der Partnerschaft zurückzunehmen.

«Meinen ersten Kuss bekam ich von Monique. Wir waren beide dreizehn Jahre alt»

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Kuss?
Klar. Den bekam ich von meiner Nachbarin Monique. Wir waren dreizehn Jahre alt. Sie gab mir das erste französische Müntschi. Ich fand es ausserordentlich interessant.

Und Ihre erste Liebesnacht?
Die erlebte ich im Freien. Mit einem Mann. Es war sehr verunsichernd. Ich zweifelte an meiner Normalität. Die Sexualität entdecken, das ist für jeden ein schwieriger Prozess – für Homosexuelle noch schwieriger. Die Angst ist gross, gesellschaftlich ausgeschlossen zu werden, weil man anders ist.

Dann galt diesem Mann auch Ihr erstes «Ich liebe dich»?
Nein. Das gehörte Irène. Wir gingen zusammen aufs Gymnasium. Das Klischee, dass Schwule nie eine Frau hatten, erfülle ich also nicht. Irène und ich verbringen noch heute einmal im Jahr gemeinsame Ferien. Uns verbindet zu viel, als dass wir es einfach kippen könnten. Sie war eine grosse Liebe.

Sie sagen eine und nicht die grosse Liebe.
Exakt. Die grosse Liebe kann immer wieder kommen. Ich habe sie schon mehr als einmal gefunden.

Erzählen Sie!
Ich bin ein grosser Bewunderer von Sängerinnen und Sängern – hauptsächlich der klassischen Musik. Sie berührt mich. Vielleicht weil ich selbst so unmusikalisch bin. In Basel lernte ich vor 30 Jahren einen Countertenor kennen. Graham war in dieser Stimmlage einer der besten. Wir hatten eine lange und intensive Beziehung. Ich bewunderte seine makellose Stimme, seine faszinierende Persönlichkeit. Zum ersten Mal zog ich mit jemandem zusammen. Auch mein Ferienhaus in Südfrankreich stammt aus jener Zeit. Dort steht im Schlafzimmer noch immer der Flügel, den ich für ihn gekauft habe.

Weshalb ging diese Liebe zu Ende?
Eine Beziehung braucht Kontinuität. Das liessen unsere Berufe nicht zu. Heute weiss ich, dass man sich die Mühe nehmen muss, stets genügend gemeinsame Momente zu schaffen. Nicht 24 Stunden lang Füdli an Füdli kleben, aber das Erlebte muss immer wieder diskutiert werden können.

Wie verändert sich die Liebe mit dem ­Älterwerden?
Die Intensität des Gefühls bleibt gleich. Die Fähigkeit, damit umzugehen, hin­gegen ändert sich schon. Den anderen zu respektieren, wie er ist, und ihn trotzdem mit kindlicher Naivität zu lieben, das habe ich gelernt. Aber immer im Wissen, dass Liebe auch wehtun kann.

Macht die Liebe mit Ihnen, was sie will?
Das kam schon vor. Sie ist das schönste, aber auch das schmerzlichste Gefühl. Und deshalb ist sie der Motor für so vieles – auch für höchste künstlerische Leistung. Das Grösste, was uns Menschen verbindet.

Und, gibt es etwas Leichteres, als über die Liebe zu reden?
Schwer ist es nicht, über die Liebe zu sprechen. Schwieriger hingegen ist es, die Liebe zu leben.

Am 24. April (21 Uhr, SF 1) präsentiert der Berner die erste von sechs Folgen seiner neuen Sendung «Liebesgeschichten». 

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