Make-up-Artistin Bea Petri Ehemann zu Besuch

Urban wie New York, sonnig wie St-Tropez: Die «Schminkerin der Nation» Bea Petri hat sich mitten in Zürich eine Grossstadt-Oase eingerichtet. Liebster Gast: der Schaffhauser Stadtpräsident Thomas Feurer - ihr frisch angetrauter Gatte.

Trotz Hochzeit getrennte Wohnungen? Für Bea Petri, 54, und ihren Ehemann Thomas Feurer, 56, kein Problem. Im Gegenteil: «Wir ­haben beide unser eigenes Leben, das ist unser Glücksrezept!» Diesen Sommer gaben sich die erfolgreichste Maskenbildnerin der Schweiz und der Schaffhauser Stadtpräsident nach zwei glücklichen Beziehungsjahren das Jawort. Nun ist Bea Petri die neue First Lady der Munot-Stadt. Und wie eine First Lady wohnt sie auch. Aber eben nicht in Schaffhausen. Nicht mit ihrem «Thomi» zusammen.

Es quietscht leise. Ein Intercity ­Zürich–Bern fährt am Haus vorbei. Bereits der fünfte, seit Bea Petri begonnen hat, sich die Zehennägel zu lackieren. Es wirkt, als würde der Zug ihr Schlafzimmerfenster durchqueren. «Ein bisschen wie ein Bewegt-Bild, oder?», schwärmt die Kunstliebhaberin. Die wenigen Wände ihres zweistöckigen Lofts, hoch über dem Zürcher Hauptbahnhof, sind mit Bildern übersät: ein Spörri über dem Esstisch, ein Timmermahn neben dem Bett – sogar ein Tinguely mit persönlicher Widmung «Für Beatrice, frohe Ostern!».Die gelernte Pharmakantin hatte den Künstler kurz nach ihrer Umschulung zur Visagistin im Jahr 1988 für ein TV-Interview geschminkt.

Beas Nägel sind fertig: Lollipop-Rot. «Die absolute Trendfarbe diesen Sommer!» Sie muss es wissen. Ihrem Geschmack vertrauen sogar Bundesräte. Ruth Dreifuss liess sich bei ihrer Wahl am 10. März 1993 von der Berner Make-up-Artistin rote Lippen schminken. «Und das, obwohl ich praktisch nie Lippenstift trage», erinnert sich die Genfer alt Bundesrätin.

Auch Ehemann Thomas wurde von Bea in Sachen Style «generalüberholt», wie er selber sagt. Als er sie vor fast drei Jahren bei einem Abendessen mit Freunden kennenlernte, habe er «ohne Haarschnitt, mit ausgeleierten Jeans und T-Shirt» wohl eher einen schlechten Eindruck gemacht, ist der ökoliberale Politiker überzeugt. Seine Liebste bestätigt: «Thomis Humor und seine Intelligenz faszinierten mich, aber rein äusserlich war er für mich ein Projekt!»

Ein leises Surren. Der Lift, der mit Spezialschlüssel bis in Beas Wohnung fährt, kündigt einen Gast an. Die Visagistin wirft einen prüfenden Blick in den Spiegel, zupft ihr leichtes Kleidchen zurecht. Thomi kommt zum Abendessen – im massgeschneiderten Anzug. Jeans und T-Shirt gibts zwar immer noch, aber nur, wenn das Ehepaar ein ruhiges Wochenende mit Thomas’ «Sägelböötli» auf dem Untersee verbringt. «Ruhig im wahrsten Sinne des Wortes», scherzt er. «Bea segelt am liebsten ohne Wind!»

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Luftig mags sie es nur zu Hause. Als Bea ihre Wohnung vor zwei Jahren kaufte, waren die Bauarbeiten noch im Gang. «Zum Glück! So konnte ich ein paar Wände, die mir nicht passten, aus dem Bauplan streichen.» Entstanden ist – anstelle eines 6-Zimmer-Appartements – ein lichtdurchflutetes Loft für zwei Millionen Franken.

Die Geschäftsfrau investierte ihr ganzes Erbe, das sie durch den Verkauf der Haaf-Apotheke ihrer Eltern in Bern erhielt. «Eigentlich wollte ich ein eigenes Hotel auf Bali kaufen. Aber als ich dorthin reiste, um alles zu organisieren, wuchs mir das Vorhaben über den Kopf.» Jetzt besitzt Bea halt eine Eigentumswohnung die «zum Grossteil der Bank gehört».

Eine Altersvorsoge. Und ein Erbe für ihre beiden Töchter. Lia, 30, und Kim, 27, necken ihre Mutter gerne damit, sie solle doch endlich ins Altersheim ziehen. «Damit wir das Loft übernehmen können!» – «Erst will ich mal Grossmutter werden», gibt Bea zurück.

«Eheringe brauchen wir nicht. Uns verbindet unsere Lebens­einstellung»

Ein kleines Enkelchen, das wär toll. Andererseits … Das Älterwerden macht der Schönheitsexpertin Sorgen. Nicht wegen der Falten. «Die können auch attraktiv sein.» Nicht wegen der Figur. Bea hat makellose Beine und würde auch vor einer Schönheitsoperation nicht zurückschrecken. Nein, Bea fürchtet sich, «nicht mehr richtig sehen zu können». Sie ist weitsichtig, muss einseitig eine Linse «mit starker Korrektur» tragen. «Mit dem rechten Auge schaue ich in die Ferne, mit dem linken in die Nähe.» Sie kneift ein Auge zu, guckt keck ihren ­Gatten an. Beide kichern.

Doch das Alter hat auch seine guten Seiten, gibt sich das Liebespaar überzeugt. Man sei gefestigt, bringe Lebenserfahrung und eine gewisse Gelassenheit in die Beziehung. Er heiratete zum ersten Mal. Für Bea ist es die vierte Ehe. «Aber diesmal wirds halten», sind Beas Töchter überzeugt: «Thomas ist der ­beste Mann, den Mama je hatte!»

Als wolle er diese Aussage bestätigen, holt Thomas Feurer den Wasserschlauch, geht auf die unterste der drei zur Wohnung gehörenden Terrassen und giesst die halb vertrockneten Margeriten. Dann macht er sich am Aussengrill zu schaffen. Zum Znacht gibts Fischfilet. Bea legt drinnen afrikanische Musik auf. Leichte fröhliche Rhythmen. «Keine Ahnung, was das ist. Diese CD haben mir die Schüler ­meiner Kosmetik-, Masken- und Coiffeur-Schule in Burkina Faso geschenkt.»

Bea eröffnete die Schule im vergangenen November mithilfe der Stiftung Swisscontact. «Mit Ausbildungsmöglichkeiten kann man jungen Menschen in Drittweltländern am meisten helfen», weiss die Unternehmerin. In Ouagadougou, der Filmfestival-Metropole des afrikanischen Kontinents, sind ­moderne Berufe gefragt, jedoch fehlt es an Lehrstellen. «Ich will dafür sorgen, dass Filmcrews ihre Maskenbildnerinnen nicht mehr aus Paris einfliegen lassen müssen – sondern einheimische, professionell ausgebildete Mädchen engagieren.»

Einen ganzen Monat verbrachte Bea Petri in der Hauptstadt Burkina Fasos. «Als ich zurückkam, hielt Thomi um meine Hand an. Hast mich wohl vermisst, gell!», neckt sie ihn. Diesen Herbst will Bea wieder nach Afrika reisen. Und ihren Thomi nimmt sie diesmal einfach mit.

Beas Liebe zum Schwarzen Kontinent zeigt sich in ihrer Wohnung. Zum Brockenhaus-Asia-Chic sind marokkanische Holzschalen und bunte Sitzkissen gekommen. Bea kombiniert mutig, trägt aus ­aller Welt zusammen. Im Gang hängen sechs Hirschgeweihe. «Die schenkte mir Ursula, die Frau von Schauspieler Ma­thias Gnädinger. Sie ist Jägerin.» Unterm Bett liegt ein Tigerfell, das Bea vor 30 Jahren «halb illegal aus einer Konkursmasse rettete». Und thailändische Tempellampen schmücken die Terrasse, von der aus das Paar beim Abendessen die Sonne im Zürcher Häusermeer versinken sieht.

Thomas Feurer drückt seiner Bea die Hand. Ehering? Fehlanzeige. «Für uns zählen andere Dinge. Vertrauen, Ehrlichkeit und Selbstständigkeit.» Aus demselben Grund behält sie auch ihren Nachnamen. Obwohl: «Wenn mich die Bürger von Schaffhausen mit Frau Feurer ansprechen, fühle ich mich schon geschmeichelt», gibt Bea zu.

Der rote japanische Ahorn auf der Dachterrasse leuchtet in der Abendsonne. Je nach Wind ertönt die sanfte Stimme der SBB-Ansagerin: «Auf Gleis 11 folgt der Intercity nach Schaffhausen.»


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