Entdeckt Martina Linn: «Mein Traum? Das Jazz Festival in Montreux!»

Sie ist eine Bereicherung für die Schweizer Musiklandschaft. Die gebürtige Engadinerin Martina Linn verzaubert mit ihren Country-Folk-Songs ihre Fans. Jetzt geht die 21-Jährige mit Friska Viljor auf grosse Tour.
Martina Linn Entdeckt
© Tabea Hüberli

Seit sie sieben Jahre alt ist, spielt Martina Linn Gitarre. Heute schreibt sie damit Songs, die Aufmerksamkeit erfordern.

Sie ist gerade mal 21 Jahre jung. Doch Musikerin ist sie bereits seit ihrer Kindheit. Als Martina Linn sieben Jahre alt ist, will sie unbedingt Gitarre spielen lernen. Ihre Finger sind noch zu klein für das grosse Instrument, also spielt sie erst auf der Kindergitarre. Drei Jahre später entdeckte sie schliesslich ihre Leidenschaft fürs Singen. Zusammen mit dem Jodlertrio «Jodelterzett Engiadina» steht sie auf zahlreichen Bühnen. Heute studiert sie Jazzgesang in Basel und ist als Solokünstlerin unterwegs. Ab Ende Oktober wird sie für acht Konzerte als Support Act mit der schwedischen Band Friska Viljor auf Tour sein. Sie schreibt Songs, die den Zuhörer in eine neue Welt entführen. SI online hat sich mit der Singer-Songwriterin unterhalten.

SI online: Wie kam es, dass Sie entdeckt wurden und nun eine eigene CD machen konnten?
Martina Linn: Ich ging selbst auf Musiker zu, die ich kennengelernt habe. Andy Schnellmann beispielsweise. Der hat mich dann an Marco Jencarelli (Gitarrist bei Philipp Fankhauser und Inhaber des Musikstudios Soundfarm in Luzern, Anm. d. Red.) vermittelt. Dieser hörte sich meine Songideen an und fand, dass man damit unbedingt was machen sollte.

Jodeln ist etwas ganz anderes als Ihre Folk-Country-Schiene, die Sie als Solokünstlerin fahren. Was liegt Ihnen mehr?
Das Jodeln mag ich noch immer. Aber die Prioritäten haben sich verändert. In diesem Musikgenre kann ich meine eigenen Songs schreiben. Das bin absolut ich.

Wie kam es denn, dass Sie angefangen haben, eigenen Lieder zu schreiben?
Irgendwie entstand das aus der Improvisation heraus. Ich habe manchmal einfach vor mich hin gespielt und plötzlich gemerkt, dass man daraus was machen kann.

Um was geht es in Ihren Songtexten?
Beispielsweise um den Abschied aus dem Engadin. Ich habe die schönen Berge mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinter mir gelassen. Gerade der Titelsong meines Albums «She's Gone» handelt davon. Mein Lebensmittelpunkt ist jetzt in Luzern. Ansonsten geht es um Dinge, die ich im Alltag erlebe. In Beziehungen und mit Freunden.

Apropos Beziehung. Haben Sie denn einen festen Freund?
Ja.

Dann ist der sicherlich sehr stolz auf Sie.
Er freut sich riesig, dass es bei mir so gut läuft. Und er unterstützt mich wo er nur kann.

Und wie reagiert Ihre Familie auf Ihren Erfolg?
Sehr gut. Sie ist noch immer im Engadin und bekommt deswegen nicht alles immer sofort mit. Aber an die Plattentaufe sind sie gekommen. Nur meine Mutter macht sich etwas Sorgen, weil ich für die folgende Tournee mit so vielen Männern unterwegs bin. Sie sagt immer, ich solle gut auf mich aufpassen. (lacht)

Und Ihrem Freund macht das nichts aus?
Nein, überhaupt nicht.

Können Sie das Gefühl beschreiben, als Sie zum ersten Mal Ihr eigenes Album in den Händen hielten?
Ich kann dazu nur ein Wort sagen: göttlich! (lacht). Man realisiert, was man geschaffen hat. Und gerade, weil es meine eigenen Songs sind, ist das Gefühl besonders intensiv.

Das Radio spielt Ihr Lied «She's Gone» ja derzeit rauf und runter. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie zum ersten Mal einer Ihrer Songs on air gehört haben?
Ja! Ich sass alleine zu Hause am Küchentisch. Da hat eine Freundin mir eine SMS geschickt, ich sei im Radio zu hören. Ich spurtete zum Laptop und hörte mir das dann via Internet an. Da musste ich ehrlich gesagt schon leer schlucken.

Was erwartet den Hörer Ihres Albums «She's Gone»?
Es ist ein langatmiges Album. Aber im positiven Sinne. Was ich damit sagen will ist, dass man sich die Musik nicht nur so nebenbei anhört, sondern sich dafür Zeit nehmen sollte. Es passt zum Beispiel gut zu einem verregneten Sonntag am Kamin. Richtig melancholische Herbst-Musik. Zwischendruch wird es auch «lüpfiger». Das ist der Grund, warum ich die Scheibe jetzt auch als Vinyl herausbringe. Mit dem Knistern der Platte wirkt alles noch schöner.

Was möchten Sie mit Ihrer Musik denn erreichen?
Ich möchte gerne zu einer noch reiferen Musikerin heranwachsen. Reich werden ist nicht mein Ziel, aber es wäre schön, wenn ich mir keine Sorgen um mein Einkommen machen müsste. Ein grosser Traum ist es zudem, einmal am Jazzfestival Montreux spielen zu können.

Welche Musik hören Sie sich denn privat an?
Momentan höre ich sehr viel Jazz. Ich liebe Miles Davis. Und natürlich Folk-Country Musik, wie beispielsweise Musik der britischen Sängerin Laura Marling. Die ist für mich ein Vorbild. Zudem mag ich Brandi Carlile, Bonnie Raitt und natürlich Norah Jones.

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