André Reithebuch «Guter Glarner Giel»

Der neue Mister begeistert die ganze Schweiz! André Reithebuch ist stolzer Glarner, eifriger Zimmermann und liebender Sohn. Einfach einer zum Gernhaben!

Hell, gemütlich eingerichtet, aufgeräumt. Wer die geräumige Viereinhalb-Zimmer-Wohnung in Linthal betritt, würde nie auf den ersten Blick erkennen, dass hier ein junger Mann alleine wohnt. Erst recht nicht ­einer, der bis vor gut einem Monat solo war.

Das einzige Relikt, das an seine Single-Zeit erinnert, ist ein «Playboy»-Kalender, der im Bad hängt. «Den Ordnungssinn habe ich von meinem Mami geerbt», sagt André Reithebuch, 22. Auch die Wohnung, wo der neue Mister Schweiz seit vergangenem August lebt, haben Mutter und Sohn gemeinsam eingerichtet. Auf dem Stubentisch steht eine Orchidee mit einem Kärtchen von «Mum»: «Was immer auch rauskommt bei dieser Wahl, für uns bist du der Grösste!»

Der Grösste ist André im wahrsten Sinne des Wortes. Nur zwei der anderen 15 Mister-Kandidaten sind ­grösser als der 1,92-Meter-Mann. Seine frische Liebe zur Zürcher Marketing-­Assistentin Sarah Erni, 24, trennen 34 Zentimeter «Höhenunterschied». Bereits in jungen Jahren habe André all ­seine Klassenkameraden überragt.

«Er hatte zwar die längsten Beine, war aber immer der Langsamste», erzählt Andrés Stiefvater Jürg Rhyner lachend. «Deshalb wurde er öfter mal am Kragen gepackt, wenn bei einer Schneeballschlacht eine Fensterscheibe in die Brüche ging.» Nicht, dass André das beeindruckt hätte: «Solche Sachen machten mir keine Angst. Ich verstand eh nicht, warum die anderen wegrannten.»

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Mit der gleichen Gelassenheit tritt André Reithebuch sein Mister-Jahr an. Die Presseberichte, er habe seinen ­Mister-Titel gekauft, weil er im ganzen Glarnerland Werbe-Flyer verteilte, kommentiert er mit einem Schulterzucken. «Ich habe die Leute im Kanton informiert, dass ich an dieser Wahl mitmache, sonst nichts.

Auf negative Schlagzeilen war ich gefasst. Man kanns nie allen recht machen.» Er sehe das vor ihm liegende Jahr wie ein Rennen, erklärt der passionierte Töff-Fahrer: «Ich konzentriere mich auf den Augenblick. Wenn ich Angst habe und denke: ‹Ou, da vorn fall ich denn uf d Schnure!›, dann passiert das garantiert.»

Ein Motorrad hat An­dré, der auch schon bei Schweizer Meisterschaften startete, übrigens noch nie zu Schrott gefahren. Ein Auto schon. «Ich bin ausgerutscht. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert.» Seither geht er im Auto keine Risiken mehr ein. Sonst hat er aber nichts gegen ein bisschen Adrenalin: Sein Beruf als Zimmermann gefällt ihm nicht zuletzt darum so gut, weil er «hoch oben auf den Balken rumturnen darf». Wann immer André Zeit findet, gehts in seine geliebten Berge, zum Bergsteigen oder Snowboarden. Und wenns mal ein bisschen ruhig sein darf, pokert er eine Runde mit Freunden. «Aber nie um Geld.»

«Den Ordnungssinn habe ich von meinem Mami geerbt.»

Das hat André auch nicht nötig. Um die
300 000 Franken wird er verdienen in seinem Mister-Jahr. Sein Job: repräsentieren, in Kameras lächeln, Autogramme geben. Im Moment kann er sich das Ganze noch nicht so recht vorstellen. «Ich freue mich zwar auf die neue Herausforderung. Aber ich weiss nicht, ob das Showbusiness längerfristig etwas ist für mich. Ich denke eher, dass ich nach dem Jahr wieder als Zimmermann arbeiten werde und vielleicht nebenher ein bisschen modle oder moderiere.»

Genau darum hat die Schweiz André Reithebuch zu ihrem Mister gewählt. Er ist kein Showman, aber auch kein Langeweiler. Kein Schwätzer, aber auch kein Schweiger. Kein gewiefter Medien-Profi, aber auch kein scheues Reh. Ja, vielleicht wäre es besser gewesen, hätte sich die versammelte Presse nicht gleich nach der Wahl auf seine drei Wochen junge Beziehung gestürzt. Aber André macht das Beste draus, zeigt, dass er zu seiner Sarah steht. Und erobert nebenbei die Herzen, indem er in «Talk ­Täglich» auf Tele Züri zusammen mit Moderator Markus Gilli eine Prise Tabak schnupft!

«André war ein pflegeleichtes Kind», sagt sein Stiefvater Jürg Rhyner. «Offen, freundlich, anständig.» So ist er noch heute. Der neue Mister besticht durch jungenhaften Charme und einen für ­seine 22 Jahre erstaunlich trockenen Humor. Den schien er schon als Drei­käsehoch zu haben. «Gell, Jürg, der Dädi ist der, der arbeitet, und du bist der, der mit mir spielt», habe er als gut Fünfjähriger mal zu seinem Stiefvater gesagt.

Die Eltern Silvia Gisler und Martin Reithe­buch trennten sich, als André dreieinhalb Jahre alt war. Fortan wuchsen André und sein vier Jahre älterer Bruder Marc in einem erweiterten Familien-Clan auf: Papa Martin Reithebuch wohnt mit seiner Frau direkt neben Mami Silvia und Stiefvater Jürg in Sool, wenige Minuten von Linthal entfernt. Wenns zu Hause mal kein Znacht gibt, schaut Martin bei seiner Ex-Frau auf einen Bissen vorbei. Und ist hocherfreut, auf seinen jüngeren Sohn zu treffen.

«Ich freue mich usinnig für André. Ich habe so gehofft, dass er gewinnt. Er ist hübsch, naturverbunden, herzlich und ausgeglichen.» Natürlich sei er stolz auf seinen Sohn. «Aber das war ich vorher schon und wäre es auch ohne Mister-­Titel. Ich wünsche André viel Freude und Erfolg und dass er so bleibt, wie er ist: ein guter Glarner Giel!»


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