Schwinger Christian Stucki und seine Cony «Ich liebe jedes Gramm an ihm»

Im Sägemehl hat ihn seit einem Jahr keiner mehr flachgelegt. Nur bei seiner Cony wird unser Schwinger-Star Stucki Chrigu, 24, ganz schwach. Und das trotz 32 Zentimetern Höhenunterschied.

Schöner Förster, so was! «Wollen wir bei dir zu Hause unter der grossen Linde eins trinken?», fragte Christian Stucki seinen damaligen Schwarm Cony per SMS. «Dabei ists eine Kastanie. Läck, muss ich nervös gewesen sein!», wundert sich der gelernte Forstwart noch heute über seinen Faux-pas. Das war Ende Mai. Und gelohnt hat sich die Anfrage trotzdem: Ein paar Stunden und etliche nervöse Anläufe später waren Stucki Chrigu, 24, und Cornelia Koller, 25, ein Paar. «Er wollte sich eigentlich eine DVD bei mir aus­leihen. Sagte er …», erinnert sich Cony, «aber dann haben wir so lange geschwatzt, bis er keinen Film mehr brauchte.»

Seit damals sind elf Wochen vergangen, und die beiden sind schwer verliebt. Im Hotel Arlberg im österreichischen Lech, dem Haus, in dem auch Lady Di einst Stammgast war, verbringen sie ihre ersten gemeinsamen Ferientage beim Wellnessen. Ganz relaxed erzählen sie ihre junge Liebesgeschichte.

Bereits im vergangenen Herbst lernten sie sich an einer Geburtstags­feier kennen. Schon damals begann es bei beiden zu «pöpperlen». Doch es wurde Februar, ehe sie sich fürs Kino ver­abredeten. Und noch immer passierte nicht, was sich beide längst gewünscht hatten. Zwar bekamen weder er noch sie vom Film viel mit, «doch er traute sich nicht, mich zu berühren. Und ich wartete und wartete und dachte, der ist ja noch scheuer, als ich vermutet habe.»

Der letzte Schritt zum ersten Kuss war etwa so gross wie die körperlichen Unterschiede zwischen der Logistik-Fachassistentin aus Kappelen BE, die im Coop von Ins arbeitet, und dem Schwinger aus Diessbach im Berner Seeland. Hier die hübsche, zierliche Frau von 166?Zentimeter, da der Fels von einem Mann. 198 Zentimeter, Schuhgrösse 52, Gewicht aktuell 150 Kilo, «15 mehr als eigentlich ideal wären», wie er bekennt. 

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Ein Problem, diese äusserlichen Differenzen? «Kein bisschen», sagt Chrigu. «Meine letzte Freundin war zwar 1,90 Meter gross, doch Körperlänge ist kein Kriterium!» Und Cony stört sich nicht an Chrigus Gewicht: «Ich habe an Schwingfesten schon mitbekommen, wie sich Zuschauer lustig machten in der Art: Hoffentlich erdrückt der seine Freundin nicht im Bett. Ich kann über solche Fantasien nur lächeln. Nein, ich liebe jedes Gramm an Chrigu!»

Dabei sind sie auch von der Mentalität her ein bisschen wie Feuer und Wasser: Cony, die impulsive, die Fussball spielte und vom Schwingen keinen blassen Schimmer hatte. Sie zeigt gegen aussen, wenn sie «etwas schissig macht». Ihre markant roten Haare mag die von Natur aus dunkelblonde Frau, «weils so knallig ist». Chrigu hingegen ist eine extrem ruhige «Gemütsmohre», er konnte schon als Kind kaum einer Fliege was zuleide tun. 

«Chrigu ist so zärtlich und einfühlsam. Er ist mein grosser Teddybär»

Und legt seit einem Jahr Schwingfest für Schwingfest die Gegner auf den Rücken und gilt als der Böseste aller Bösen. Der momentan beste Schwinger hat heuer schon sechs Kranzfestsiege errungen, den letzten gerade erst in Laupen BE. Nächstes Wochen­ende ist Stucki beim Nordwestschweizerischen in Buchs AG ebenso Favorit wie wohl in einem Jahr beim Eidgenössischen in Frauenfeld.

Der Überschwinger der Jahre 2008 und 2009 ist in jedem Sägemehlring der Chef. Und doch lässt er sich von seinem Schatz einen Rat mit in die Zwilchhosen geben: «Chrigu ist so zärtlich und einfühlsam. Er ist mein grosser Teddybär. Aber im Kampf darf er ruhig etwas böser werden. Die anderen machen jeweils einen richtig bösen Gring beim Zusammengreifen. Er dagegen schläft selbst vor den Schlussgängen fast ein vor Gelassenheit.» Daran will Chrigu künftig intensiv arbeiten. Auch hat der tendenziell trainingsfaule Talentschwinger begonnen, gezielter zu trainieren.

Fabian Lüthy, sein neuer Fitnesstrainer, soll ihn vor allem im kommenden Winter richtig «schlauchen». Und da ist jedes Mittel recht. Kürzlich hatte Lüthy im Kraftraum zu wenig Gewichtselemente für Stucki («so 150 Kilo dürfte ich im Bankdrücken schon schaffen»). Da bestellte er seine Freundin her und setzte diese kurzerhand auf die Hantel obendrauf. Lüthy gab Stucki die Freude am Schwingen zurück, die dieser Ende vergangenen Jahres zu verlieren drohte. «Das ist halt manchmal so, dass man auf dem Höhepunkt den ‹Aaschnäggeli› bekommt», sagt der Hobby-Hornusser.

Zum anhaltenden Erfolg beitragen soll auch die neue Arbeitsstelle. Statt auf dem Bau ist er nun als Chauffeur für die Grossmetzgerei Lüthi-Portmann in Deisswil tätig. Der Besitzer, ein Schwingfan, ermöglicht es Chrigu quasi als Sponsor, bei reduziertem Pensum bis zu zehn Stunden wöchentlich zu trai­nieren. Leise träumt Stucki von einem Sponsoren-Einkommen, das ihm das Schwingen einmal als Beruf ermöglicht.

Da ist die Erfüllung der privaten Wünsche aber schon näher. Cony, die noch bei ihrem Vater wohnt, dürfte in absehbarer Zeit in Chrigus Dreizimmerwohnung in Ottiswil einziehen. Heirat, Familie? Cony gibt zu: «Seit ich mit ihm zusammen bin, interessiert mich das Thema Kinder schon vermehrt …» Und was sagt ihr grosser Teddybär? «Nume nid jufle!»


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