Das Werk von Diana lebt weiter Das Vermächtnis einer Legende

Das Schicksal von Prinzessin Diana bewegt bis heute. Heilige? Ikone? Göttin? Sicher ist, sie hat Mauern im britischen Königshaus niedergerissen und damit die Monarchie der Zukunft beeinflusst. Und so lebt der Geist Dianas auch nach ihrem Tod weiter.
Lady Diana Spencer Fotos Style Mode Kleider Kleidung Todestag 31. August
© Getty Images

«Ich will den Menschen nur helfen. Das werde ich auch weiterhin tun.» - Diana zu ihrer Freudin Rosa Monckton.

Graham Dillamore ist so etwas wie der Obergärtner bei den britischen Royals. Zum 20. Jahrestag des Todes von Prinzessin Diana begann er schon vergangenen Frühling damit, den Garten des Londoner Kensington-Palastes besonders herzurichten. Für Diana, die «Rose Englands», lässt Dillamore erst weisse Vergissmeinnicht und Tulpen erblühen. Jetzt leuchten weisse Rosen und Lilien im Garten des letzten Wohnsitzes der Prinzessin.

Diana hatte, so erinnert sich Dillamore, einen grünen Daumen und sei viel durch die Gärten spaziert. «Am meisten genoss sie es, wenn sie sich versteckt unter einer Mütze und Sonnenbrille unter Touristen mischte, die den Park besichtigten.»

Prinzessin Diana William Kate Todestag
© Gettyimages

Zu Ehren des 20. Jahrestages von Dianas Tod erblüht der Garten des Kensington-Palastes seit Anfang Jahr ganz in Weiss.

Weisse Lilien, Tulpen und Vergissmeinnicht als Tribut für eine einst scheue Rose. Als solche erobert Diana die Liebe des Volkes – und wird zur «Königin der Herzen». Einen Beinamen, den im 17. Jahrhundert schon Elisabeth Stuart, die Frau des «Winterkönigs» Friedrich V., trägt. Sie ist die Stammmutter sämtlicher Monarchen Grossbritanniens.

«Ihre Wärme war immer zu spüren»

Diana geht mit gerade erst 36 Jahren als «Königin der Herzen» in die Geschichte ein. Als eine Prinzessin, die sich nicht nur mit Kranken, Invaliden und Sterbenden fotografieren lässt, sondern diese ohne Scheu buchstäblich an ihr Herz drückt und ihnen damit das Gefühl von Liebe gibt. Eine Liebe, die sie zeitlebens selbst vermisst.

Wenn sie mit Aidskranken oder Drogenabhängigen spricht, Obdachlose oder Prostituierte besucht und krebskranke Kinder im Arm hält, dann ist Dianas Wärme echt. Denn sie kennt Einsamkeit und Krankheit. Ihr Sohn William ist zwölf, als er bei einem dieser Besuche seiner Mutter erstmals Obdachlose in einem Heim trifft. «Ihre Wärme war immer zu spüren», erinnert sich Prinz William, 35.

Prinzessin Diana William Kate Todestag
© Gettyimages
Bei ihrem Besuch in Paris im März 2017 treffen William und Kate verwundete Soldaten. Dass der Prinz keine Berührungsängste kennt, vererbte ihm Diana.

Die unsterbliche Göttin

Diana hat Mauern niedergerissen. Schon als sie Anfang der 90er-Jahre erstmals Mutter Teresa, †87, trifft, rückt die Presse sie in die Nähe einer Heiligen. Mit ihrem frühen Tod wird Diana zur Ikone, zur unsterblichen Göttin.

Die nach ihrem Tod gegründete Benefizorganisation «The Diana, Princess of Wales Memorial Fund» sammelt allein im ersten Jahr umgerechnet rund 250 Millionen Franken an Spenden, inklusive der Einnahmen von Elton Johns CD «Candle in the Wind». Mit dem Geld werden bis 2012 verschiedenste Organisationen unterstützt. Der Fund wird 2012 abgelöst durch die königliche Stiftung des Herzogs William und der Herzogin Catherine von Cambridge, 35, sowie Prinz Harry, 32.

Harry führt Dianas Kampf fort

Jahrelang kämpft Diana für ein Verbot tödlicher Landminen. Sie reist in Kriegsgebiete wie Angola und Bosnien, wo sie mit kugelsicherer Weste und Helm ein Minenfeld durchquert. Ihrer Freundin Rosa Monckton vertraut Diana kurz vor ihrem Tod an: «Ich bin keine Politikerin, ich will nur den Menschen helfen. Das wollte ich immer, und das werde ich auch weiterhin tun.»

Ein Jahr nach ihrem fürchterlichen Tod verabschiedet das britische Parlament in einer Sondersitzung das Anti-Landminen-Gesetz, das die Produktion, den Verkauf und die Platzierung dieser heimtückischen Waffen verbietet. Heute, 20 Jahre später, gibt es – auch dank Dianas Engagement keine Landminen mehr in Bosnien. Doch die Prinzessin wollte ein weltweites Verbot. «Ich fand kürzlich einen ganzen Stapel an Briefen dazu», verrät ihr Jüngster, Prinz Harry. Er führt Dianas Kampf gegen Landminen fort.

Prinz Harry Todestag Diana Landminen
© Getty Images

Harry setzt den von seiner Mutter begonnenen Kampf gegen Landminen heute fort. Das britische Parlament verabschiedete ein Anti-Landminen-Gesetz.

«Ich bin entschlossen, Dianas Andenken in Ehren zu halten»

Am offensichtlichsten sind die Veränderungen, die Diana in der «Firma Windsor» ausgelöst hat. Zu Lebzeiten abschätzig behandelt, wird der Mutter des Thronerben William und dessen Bruder Harry nach dem Tod der Respekt gezollt, der ihr gebührt.

Unmittelbar nach Dianas Unfall zwingt der damalige Premierminister Tony Blair Queen Elizabeth II., 91, den Briten vor laufender Kamera zu versichern: «Ich bin entschlossen, Dianas Andenken in Ehren zu halten. Und danke Gott für eine Frau, die so viele Menschen glücklich gemacht hat.» 2004 weiht die Königin im Londoner Hyde Park zu Dianas Ehren sogar einen Gedächtnisbrunnen ein.

Ein Eisblock taut auf

Selbst «Eisblock» Charles, 68, taut nach Dianas Tod auf, zeigt sich als liebender und fürsorglicher Vater. Er reist mit William, dem Hoffnungsträger der Monarchie, nach Kanada. Oder arrangiert für seinen Jüngsten zwei Treffen mit den Spice Girls.

Charles beschützt seine Buben. Zeitungen, die unbewilligte Fotos von William veröffentlichen, verfolgt der Buckingham Palace nun rechtlich. Charles erfüllt damit letztlich einen Herzenswunsch seiner Ex-Frau. Oft hatte Diana vergeblich Fotografen gebeten, ihre Kinder nicht zu bedrängen. «Sie sollen doch in Frieden aufwachsen können, so frei und unbekümmert wie möglich.»

Prinzessin Diana William Kate Todestag
© Gettyimages

Fürsorglich kümmert sich Prinz Charles nach Dianas Tod um seine Söhne, arrangiert für Harry, seinen Jüngsten, in Johannesburg sogar ein Treffen mit den Spice Girls.

Lockerer, weniger formell, zugänglicher

Die Monarchie der Zukunft – auch das ist ein Vermächtnis Dianas. Das britische Königshaus ist lockerer, weniger formell und viel zugänglicher als früher. «Wir mussten lernen – aus Dianas Leben und aus ihrem Sterben», gesteht die Queen Jahre nach dem Tod der Ex-Schwiegertochter.

Und Elizabeth II. beweist: Nach den Bombenattentaten in London im Sommer 2005 besucht sie sofort die Opfer – und nicht erst, als laut Terminkalender Zeit dafür gewesen wäre. Und jüngst, nach dem verheerenden Brand des Grenfell Tower, trifft Elizabeth II. zusammen mit ihrem Enkel William nur zwei Tage später in einer Notunterkunft Opfer des Infernos.

Prinzessin Diana William Kate Todestag
© Gettyimages

Sofort nach dem Inferno im Londoner Grenfell Tower im Juni 2017 besucht die Queen Retter. Seit Dianas Tod zeigt sie viel mehr Herz und Empathie.

Die Windsors sind heute beim Volk beliebt wie nie zuvor. «England ist dank Diana nicht mehr das Land der Hässlichen und der blassgesichtigen, saufenden Sommer-Hooligans, die über die Strände von Mallorca genauso herfallen wie über die Fussballstadien», schreibt das Nachrichtenmagazin «Stern». Und auch Englands Ex-Premierminister Tony Blair bescheinigt Diana rückblickend: «Sie hatte uns einen neuen Weg gewiesen, britisch zu sein.»

«Sie war echt ‹gangsta› mit ihrer Kleidung»

Die letzte Märchenprinzessin gilt auch als Trendsetterin. Carla Bruni, 49, vier Jahre Frankreichs Première Dame, nennt 2008 in einem Interview mit «Figaro Madame» Diana als ihr Vorbild. Auch die für ihre ausgeflippten und freizügigen Outfits bekannte Popsängerin Rihanna, 29, steht auf die Looks der verstorbenen Prinzessin.

Als sie 2013 gefragt wird, wer ihrer Ansicht nach zu den bestangezogenen Stars weltweit zähle, sagt sie: «Prinzessin Diana. Sie war echt ‹gangsta› mit ihrer Kleidung. Sie hatte diese verrückten Hüte, Jacken im Oversized-Look, und ich habe alles geliebt, was sie getragen hat

Eine Ausstellung in London zeigt seit Anfang Jahr 25 Outfits Dianas, die die Wandlung von «Shy Di», der schüchternen Aristokratentochter, zur internationalen Mode-Ikone zeigen, die einer ganzen Frauen-Generation als Vorbild dienen.

Lady Diana Spencer Fotos Style Mode Kleider Kleidung Todestag 31. August
© Getty Images

Diana gilt auch als Fashion-Ikone ihrer Zeit.

Sie entfachte die Faszination an der königlichen Familie

Diana ist das Beste, was der britischen Monarchie seit der Wiedereinsetzung von König Charles II. im Jahr 1660 passieren konnte. «Sie ist ein warmherziges, strahlendes Mädchen aus Fleisch und Blut», schreibt die britische Schriftstellerin Monica Ali. Die Monarchie hat mit Diana ein menschliches Gesicht bekommen.

Als die Prinzessin über Bulimie spricht, wird im ganzen Land über Essstörungen diskutiert. Die Monarchie wird empfänglicher für die Stimmungen der Öffentlichkeit. Und Diana hat noch etwas entfacht – die Faszination an der königlichen Familie selbst.

Prinzessin Diana William Kate Todestag
© Dukas

Ausblick für die Monarchie der Zukunft: Prinz William, Ehefrau Kate und die Kinder George und Charlotte sind heute im Volk so beliebt wie nie zuvor.

Ihr Vermächtnis lebt weiter

Diana ist der wahre Grund, warum heute alle auf Kate schauen. Deren lockere Art und freimütiges Lächeln bezaubert Menschen überall auf der Welt. Wo immer sie mit ihrem Mann William und den Kindern George, 4, und Charlotte, 2, auftaucht, ruft sie Erinnerungen an Diana wach.

Diana ist tot. Doch ihr Vermächtnis lebt weiter. Nicht zuletzt in ihrer Enkelin Charlotte Elizabeth Diana. William wählt ihren Namen als Hommage an seine 1997 verstorbene Mutter. Die Kleine lässt wie einst ihre Grossmutter die Menschen jubeln. Die «Königin der Herzen» hat eine Nachfolgerin gefunden.

Auch interessant