Der indische Superstar am ZFF Dev Patel: «Meine Mutter ist eine Naturgewalt»

«Slumdog Millionaire» hat vor zehn Jahren das Leben von Dev Patel, dem diesjährigen Ehrengast von IWC am Zurich Film Festival, auf den Kopf gestellt. Was seither aber immer gleich blieb: Seine Filme sollen in erster Linie seiner Mutter gefallen. 
Dev Patel Zurich Film Festival
© Franziska Krug / Getty Images

Cooler Typ: 2015 eröffnete Patel mit «The Man Who Knew Infinity» das Zurich Film Festival.

Die Filme von Dev Patel sind schon fast Stammgäste am Zurich Film Festival: 2015 eröffnete «The Man Who Knew Infinity» über das Mathematik-Genie S. Ramanujan das Zürcher Filmfestival, ein Jahr später war es das Drama «Lion», das den Startschuss zu den zehn Filmtagen in der Limmatstadt gab.

Die wahre Geschichte eines adoptierten Inders auf der Suche nach seiner leiblichen Familie rührte das Publikum zu Tränen. Dieses Jahr hat die Uhrenmarke IWC ihren Botschafter Patel als Ehrengast ans Festival eingeladen.

«Ich sehe mich als Weltenbürger»

2015 war Dev Patel persönlich am ZFF – viel mehr als sein Hotel habe er damals jedoch nicht gesehen. Aber eigentlich fühlt sich der Globetrotter überall zu Hause: «Ich sehe mich als Weltenbürger», so der in London geborene Schauspieler, dessen Eltern und Grosseltern aus Nairobi in Kenia kommen.

Dev Patel Zurich Film Festival
© Harold Cunnigham / Getty Images for IWC

Uhren-Fan: Der diesjährige IWC-Stargast übergibt am ZFF den mit 100'000 Franken dotierten Filmmaker-Award.

«London hat mich wohl am meisten geprägt, was den Akzent und meinen Kleidungsstil betrifft», sagt er. «Erwachsen geworden bin ich mit meinen Reisen nach Indien, meinem ethnischen Heimatland. Und jetzt lebe ich in Amerika, dem Land der unbeschränkten Möglichkeiten.»

Der Schauspieler war ein hyperaktives Kind

Dass seine Karriere bis nach Hollywood reicht, hätte sich der 28-Jährige als Kind höchstens im Traum vorstellen können: «Ich bin ein grosser Fan von Will Smith und Action-Star Bruce Lee. Ich wollte sein wie Lee.» Seinetwegen fing Patel mit der Schauspielerei an und mit Taekwondo – «und weil ich ein hyperaktives Kind war, das Beschäftigung brauchte».

Sein rasanter Aufstieg ist schnell erzählt: Die Mutter sah ein Inserat, in dem Teenager für die britische Jugendserie «Skins» gesucht wurden – Schauspiel-Erfahrung nicht notwendig. Dev hatte Glück und ergatterte eine Rolle. Die Tochter des Regisseurs Danny Boyle sah ihn darin und riet ihrem Vater, ihn für die Hauptrolle in «Slumdog Millionaire» zu casten. Damals war Patel 17. Zwei Jahre später gewann der Film über einen Jugendlichen aus den indischen Slums, der in der Quizshow «Wer wird Millionär?» brillierte, acht Oscars.

Ich wollte nicht gehänselt werden und nicht auffallen

Der Publikums-Hit öffnet ihm die Türen im Filmgeschäft und zum Herzen seines Co-Stars Freida Pinto, 33. Und er entdeckt seine eigenen Wurzeln: «Als Junge habe ich mein kulturelles Erbe verdrängt, ich wollte sein wie die anderen Briten, nicht gehänselt werden und nicht auffallen», erinnert er sich.

«Als ich mit Danny Boyle nach Indien ging, sah ich zwar wie die Leute dort aus, aber ich fühlte mich fremd. Plötzlich ging mir jedoch ein Licht zu einem neuen Bewusstsein auf. Ich räumte mit meinen Vorurteilen auf und habe seither fünf Filme ihn Indien gedreht.»

Dev Patel will Vorurteile auf den Kopf stellen

Darunter Michael Winterbottoms «The Wedding Guest» und «Hotel Mumbai». Letzterer erzählt von der Terror-Attacke 2008 im Taj Hotel: «Es war das 9/11 für Indien», erklärt Patel. «Es ging der Bevölkerung durch Mark und Bein. Ich war zu dieser Zeit gerade aus Indien nach London zurückgekommen und verfolgte die Geschehnisse mit meiner Familie am TV.»

Als er hört, dass ein Film darüber gedreht werden sollte, bietet er seine Dienste an: «Ich wollte den guten Menschen ein Gesicht geben. Ich schlug vor, dass der Hotelangestellte, den ich spiele, ein Sikh sein sollte – also mit Turban und Bart. So schien er sofort verdächtig. Mir war wichtig, dass wir mit dem Film auch Vorurteile auf den Kopf stellen.»

Dev Patel Zurich Film Festival
© Getty Images

Mutters Stolz: Seine Eltern sind in Nairobi aufgewachsen. Ihren Sohn brachte Mama Anita in London zur Welt.

 
 

Dev Patels Filmwahl hat letztlich nur einen Gradmesser: seine Mutter! Würde ihr der Film gefallen? Offensichtlichstes Beispiel: «The Best Exotic Marigold Hotel», die Komödie über englische Senioren, die in einem Hotel in Indien eine Alters-WG einrichten. «Meine Mutter arbeitet in einem Pflegeheim.

Mama ist entzückt von seiner Freundin

Als Kind ging ich nach der Schule oft vorbei und spielte Domino mit Demenzkranken. Meine Mutter ist eine Naturgewalt und für mich ein Star. Deshalb habe ich ‹The Best Exotic Marigold Hotel› in ‹Avengers für die Ü60-Generation› unbenannt», lacht Patel und streicht sich eine Locke aus der Stirn.

Sein sexy «Lions»-Look-Make-over mit wilder Haarpracht und Bart hat ihn endgültig aus der Nerd-Ecke (siehe seine IT-Rollen in «Chappie» und der Serie «The Newsroom») herausgeholt. Komplimente machen den sympathisch bescheidenen Schauspieler verlegen: Er stammelt etwas von seinen grossen Ohren und von den Haaren, die sich gegen die Schwerkraft wehren.

Dev Patel Zurich Filmfestival
© Dev Patel Zurich Filmfestival

Tilda Cobham Hervey (links) und Dev Patel (mitte) lernten sich am Set von «Hotel Mumbai» kennen.

Tilda Cobham-Hervey, 23, scheint der Look jedenfalls zu gefallen: Seit die Beziehung mit Freida Pinto 2014 auseinanderging, ist die australische Schauspielerin und sein Co-Star in «Hotel Mumbai» nun die neue Frau an Dev Patels Seite. Die Mama soll entzückt sein.

Bildergalerie: Diese Stars feierten den Start des Zurich Film Festival


 

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