Javier Bardem «Dieser Typ ist scheusslich!»

Am Freitag feierte «Skyfall» Schweizer Premiere. Javier Bardem, 43, spielt im 007-Film den Gegenspieler von James Bond - und kommt ihm auf der Leinwand auch etwas näher. Im Interview mit SI online spricht der spanische Schauspieler über seine Rolle als Bösewicht und seine Beziehung zu Daniel Craig.
«Die Erfahrung am Set war sehr extrem und emotional», berichtet Javier Bardem in Zürich von den James-Bond-Dreharbeiten.
© Tilllate.com «Die Erfahrung am Set war sehr extrem und emotional», berichtet Javier Bardem in Zürich von den James-Bond-Dreharbeiten.

SI online: Javier Bardem, wo ist Ihr schönes blondes Haar aus dem Film?
Javier Bardem: Keine Ahnung, alles weg!

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie diesen auffälligen Haarschnitt tragen?
Der Charakter einer Rolle ist wichtig. Doch noch wichtiger ist ein sinnvolles, dramatisches Aussehen, das zur Geschichte und zur Rolle passt. Regisseur Sam Mendes hatte eine klare Vorstellung: Er will jemanden zeigen, der sich wohlfühlt, aber mit seinem Verhalten die anderen verunsichert. Damit sie nicht wissen, was er als nächstes plant. Bond weiss nicht, ob Raoul Silva witzelt oder ernsthaft ist. Und das muss sich im Aussehen widerspiegeln. Ich will nicht zu viel verraten, aber der Typ ist scheusslich!

Was war Ihre Inspiration für Ihre Rolle als Raoul Silva?
Ich kenne mich selber und wollte meinen eigenen Prozess nicht beeinträchtigen, in dem ich mich von bisherigen Bösewichten inspirieren lasse. Sam und ich schauten uns Fotos von verschiedenen Menschen an und suchten so den Look. Ganz nach dem Motto: Mach dein eigenes Ding!

Ist es eigentlich eine Ehre, einen Bösewicht im James Bond zu spielen?
Ich vermute ja. Aber für mich ist es insbesonders eine Ehre, in diesem Film dabei zu sein. Jeder wird sich an diesen Streifen erinnern. Die Geschichte ist stark, der Cast super und Sam Mendes wirklich verdammt gut.

Wie war es, mit Daniel Craig zu spielen?
Ich schauspielere jetzt seit 25 Jahren und darf sagen: Ich bin gesegnet. Die Erfahrung am Set war sehr extrem und emotional wegen den langen Drehtagen. Du wirst zum Partner. Zuerst kennst du dein Gegenüber nicht, und nach ein paar Stunden verfügst du über ein grosses Wissen über ihn. Und was wirklich immer stimmt: Die besten Schauspieler sind auch die tollsten Menschen. Daniel schätze ich als hervorragenden Schauspieler und Menschen. Er ist grosszügig und wirklich, wirklich lustig. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst, was im Leben der Schlüssel zum Erfolg ist.

Silva scheint sexuelle Absichten gegenüber Bond zu haben. Ist der Bösewicht schwul?
Diese Szene war so geschrieben, und ich fands gut! Es definiert Raoul Silva aber nicht. Es zeigt nur eine Farbe von einem Gemälde, nur einen Ton einer ganzen Melodie. Die Szene widerspiegelt weniger eine sexuelle Absicht, sondern viel mehr, dass diesen Typen nichts berühren kann - nur seinen eigenen Schmerz.

Silva sorgt auch für Witz. Ist es eigentlich schwierig, einen Bösewicht mit Humor zu spielen?
Die Pointen waren da. Ich musste nichts improvisieren. Meine Rolle besitzt viel Humor. Er ist sein Werkzeug, um zu überleben und auch seine Waffe.

Setzte Sie die Tatsache, in einem 007-Streifen mitzuspielen, unter Druck?
Als Daniel mich bei unserem allerersten Treffen fragte, ob ich Lust hätte mit ihm und Sam den nächsten Bond-Film zu machen, sagte ich: «Äh ja, das tönt ziemlich cool.» Doch du musst alle Erwartungen aus dem Fenster werfen und das Drehbuch neutral lesen, wenn du es vor dir hast. Ich bin jetzt 43 und schaue mir seit ich elf Jahre alt bin die Bond-Filme an. All diese Erfahrung beiseite zu legen, brauchte Zeit. Erst beim fünften Mal las ich wirklich, was im Script stand.

Waren Sie eigentlich schon einmal in der Schweiz?
Zweimal. In Zürich, Genf und Chamonix - ich weiss, es liegt nicht in der Schweiz. Aber hey! Ihr grenzt an so viele Länder, das ist nicht einfach für einen Aussenstehenden! Leider verbringe ich die Zeit hier vorwiegend im Hotel und fliege auch heute wieder weiter. Vielleicht kann ich noch etwas Schokolade probieren.

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