Chefreporter André Häfliger erinnert sich Dölf Ogi machte Kofi Annan zu meinem Freund

In seiner Tätigkeit als SI-Chefreporter ist André Häfliger dem nun verstorbenen Kofi Annan mehrere Male begegnet. Dass alt Bundesrat Adolf Ogi für einen ganz besonderen Moment zwischen ihm und dem ehemaligen Uno-Generalsekretär sorgen würde, hätte der Reporter nie gedacht.
Kofi Annan André Häfliger
© David Biedert

Kofi Annan und seine Ehefrau Nane gratulieren SI-Chefreporter André Häfliger (l.) am 13. Juni 2016 in Basel zum 60. Geburtstag.

Wir sind am WEF in Davos. Kofi Annan, †80, sein Berater und ich im Hotellift. Aus meiner linken Hosentasche will ich den Zimmerschlüssel greifen, da fällt mein Kristall von Dölf Ogi, 76, (immer in dieser Tasche) auf den Boden. Annan bemerkt das zuerst nicht, spricht mit seinem Berater. Da sieht er den Stein und sagt: «Oh, sorry, das ist meiner!» Ich erkläre ihm: «Entschuldigung, Herr Generalsekretär, es ist meiner - er ist mir gerade runtergefallen». Zur Sicherheit greift Annan in seine linke Hosentasche: «Richtig! Meiner ist an seinem richtigen Ort.»

Stets in der linken Hosentasche, einmal in der Woche waschen und Dölf sofort anrufen, wenn der Kristall verloren geht. Das sind die drei Regeln, die man als stolzer Besitzer dieses edlen Steines aus dem Berner Oberland zu beachten hat. Das wusste auch Kofi Annan, das hat mich mit dem Friedensnobelpreisträger, dem grossen Staatsmann und liebenswürdigen Menschen Kofi Annan verbunden.

«Annan ist ein Anti-Politiker»

Nie werde ich die bewegenden Worte vergessen, die Laudator Adolf Ogi seinem engen Freund Kofi Annan und den Gästen zurief, als der ehemalige oberste UN-Repräsentant in Rüschlikon ZH, 600 Meter neben meinem Heim, den Gottlieb-Duttweiler-Preis erhielt. «Kofi Annan ist ein Anti-Politiker», sagte Ogi. «Er ist immer höchst aufmerksam, liebenswürdig, hoch anständig. Manchmal vielleicht zu anständig für sein Amt.»

Kofi Annan Ogi
© Keystone

Schätzten einander: Kofi Annan und alt Bundesrat Adolf Ogi (r.).

Unvergesslich auch der Moment, als Kofi Annan, seinen Wanderfreund aus den Berner Alpen zum UN-Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden ernannte. Eine Berufung, die Ogi nach gescheiterter Kandidatur als IOC-Mitglied (mit sechs Schweizer im Gremium leider ziemlich chancenlos) weltweit mit grösstem Erfolg und höchster Anerkennung ausübte.

Was haben wir uns amüsiert, als wir uns an der Ski-WM 2017 im Badrutt's Palace in St. Moritz begegneten. Sie in Begleitung von UBS-CEO Sergio Ermotti, 58. Annan verfasste das fantastischen Vorwort zum 50'000-fach verkauften Buch zu Ogis 70. Geburtstag, verfasst von Georges Wüthrich, 69, und mir. Der ehemalige Uno-Generalsekretär hob die Hände und sagte: «Hello my friend!» Schmunzeld bemerkte Sergio Ermotti: «Is this your friend?» Kofi Annan und ich zückten unsere Ogi-Kristalle, standen da mit ihnen in der Hand. Annan sagte nur: «Yes, this is my friend.»

André Häfliger trifft Ogi & Annan
© Sedrik Nemeth

Georges Wüthrich, Kofi Annan und SI-Chefreporter André Häfliger (v. l.). In den Händen die Ogi-Kristalle.

60. Geburtstag mit Kofi Annan

Tief bewegt hat mich Annan, als ich vor zwei Jahren in Basel im Dienst meinen 60. Geburtstag feierte. Und er mit seiner so charmanten und liebenswürdigen Ehefrau Nane, 73, zu mir kam, mir die Hand schüttelte und schmunzelnd sagte: «Ich weiss alles. Herzlichen Glückwunsch zum runden Wiegenfest!» Dölf Ogi hatte es ihm gesagt.

Danke, lieber Dölf, dass ich dank Dir diesen grossen Mann der Weltgeschichte, von dem wir so viel gelernt haben, so oft treffen durfte. Danke, Kofi Annan, dass Sie die Welt mit Ihren grandiosen Werten friedlicher, schöner und lebenswerter gemacht haben. Sie werden immer ein Vorbild bleiben, wir werden Sie nie vergessen!

Auch interessant