Was macht eigentlich... ...Pete Doherty?

Als er noch mit Kate Moss durch die Gassen zog, beanspruchte der britische Sänger Peter Doherty nicht wenig Platz in den Klatschspalten. Eine unüberschaubare Anzahl Entzüge später, vermeldet Pete nun auf seiner offiziellen Website endlich Neuigkeiten: Er flog nach Nord-Thailand - für einen neuerlichen Rehabilitationsversuch.

Wer kürzlich den offiziellen Webauftritt von Musiker Pete Doherty, 33, besuchte, kam an folgender Meldung nicht vorbei: Gemeinsam mit Manager Andy Boyd ist Doherty am 26. Juni in den Norden von Thailand geflogen. Dort habe Doherty in der Entzugsanstalt «The Cabin» eingecheckt - die berüchtigste in ganz Asien. Und die erfolgreichste. Dort will Doherty «endlich seine Süchte besiegen».

Nebst medizinischer Begleitung und einem klassischen Zwölf-Schritte-Programm sollen auch Yoga-Stunden und Elefanten-Trekking Heilung bewirken. Seit 2004 habe Pete Doherty immer wieder Entzugskliniken von innen gesehen, heisst es weiter in dem Online-Communiqué. Und: «Erst kürzlich hat er bestätigt, dass er immer noch Heroin und Crack konsumiert.»

2012: KNAST UND FILM
«Ich begann, das Zeitalter, in dem wir leben, zu verstehen.» Derartige Einsicht ist man sich nicht gewohnt von Pete Doherty. Er, der immerzu aus dieser Welt und ihren Normen und Zwängen ausbrechen wollte - oder musste. Doch der Satz fällt in einem fiktionalen Kontext: im Trailer zu «Confession Of A Child Of The Century». In dem Film ist Doherty neben Charlotte Gainsbourg in einer Hauptrolle zu sehen - und zum ersten Mal überhaupt in einem Film.

Dabei trat Doherty erst gerade im Mai eine Gefängnisstrafe wegen Drogenbesitzes an. Er wurde in London zu einer sechsmonatigen Strafe verurteilt, nach sechs Wochen wurde er jedoch frühzeitig entlassen. In Gerichtshöfen ist Doherty übrigens kein seltener Gast: Der Verurteilung gingen dreizehn frühere Gerichtstermine voraus.

Trotzdem präsentierte Doherty im März seine erste eigene Kleiderlinie, eine sogenannte Capsule-Kollektion für das Pariser Label «The Kooples». Der Clou: Traditionsgemäss ist jede Kollektion einem Paar gewidmet, das auch im echten Leben liiert ist. Neben Doherty stand daher Irina Lazareanu, die ewige Moss-Rivalin (als Kate noch aktuell war). Mit ihr war Doherty schon mehrmals zusammen - und auch schon verlobt, im Jahr 2007.

2009: PETES SOLO
Dieses Jahr verdient vor allem deswegen Aufmerksamkeit, weil Doherty damals «Grace/Wastelands» herausbrachte. Das Solo-Album markiert gleichzeitig seinen letzten offiziellen Release. Die Platte kletterte in den britischen Charts zwar auf Platz 17, fast zeitgleich wurde Doherty aus der von ihm gemieteten Villa gekickt, für die er 3250 britische Pfund pro Monat abdrückte. Der Grund: leere Flaschen in der Einfahrt, übervolle Abfalleimer, mit Graffitis beschmierte Wände, 13 nicht stubenreine Katzen.

2007 - 2008: MODE UND (CH-)KONZERTE
Erste Ausflüge ins Mode-Geschäft unternahm Doherty, der mit seinem Hut-Dreitagebart-Hosenträger-Look eine ganze Generation an Teenies prägte, schon damals. Kurz vor der offiziellen Trennung von Kate Moss, 38, war er das Gesicht einer Kollektion des italienischen Modedesigners Roberto Cavalli. Das weibliche Model in derselben Kampagne: Kate Moss.

Die Solo-Show in der Royal Albert Hall im Juli 2008 gehört zu den grösste musikalischen Erfolgen von Doherty. Im selben Jahr tritt Doherty mit seiner Band, den Babyshambles, im Zürcher «Mascotte» auf und in der Basler «Reithalle» - beides solide, gute Rockkonzerte. Den Auftritt in Avenches während des Festivalsommer 2006 konnte er indes nicht wahrnehmen - Pete schaffte es nicht über die deutsche Grenze.

2005 - 2007: KATE MOSS
Der Song hiess «I Touch Myself», im Original gespielt von den Divinyls, und er sollte alle Zweifler an der Liebe zwischen dem wahren Heroine im Model-Theater und dem heroinabhängigen Sänger endgültig zum Schweigen bringen. Sich gegenseitig berührt haben sich die beiden immer wieder - so trennte man sich nach einem öffentlichen Streit im Zug, bei dem geschrien, gebissen und gekratzt wurde. Nur, um sich bald darauf wieder zu versöhnen.

Pete und Kate konnten nicht mit aber auch nicht ohne einander. Die Beziehung war gespickt mit Exzessen, Partys, Konzerten, Eifersuchtsszenen, Abstürzen und gipfelte in einem filmreifen Finale: Im April 2007 tritt Kate Moss - wie schon öfter zuvor - auf die Bühne, um ihre Passage in dem Song «La Belle Et La Bête» zu singen. Am selben Konzert gibt Boyfriend Pete die Verlobung bekannt.

Keine drei Monate später ist alles endgültig aus. Fotos, auf denen Kate im Studio mit Pete angeblich Kokain konsumiert, gelangten an die Presse, es folgte ein weiterer heftiger Streit, in dem Kate Petes Hab und Gut kurz und kleinschlug. Bis auf seine Sammlung von Elefanten-Figuren-Sammlung.

Zeitgleich zur Verlobung veröffentlichte das Duo Moss/Dogherty ein spezielles Home-Video im Internet. Der Song heisst passenderweise «KP Nuts»:

Musikalisch folgte in diesen Jahren und nach den Erfolgen und Dramen mit den Libertines die Ära der Babyshambles. Mit dieser Band veröffentlichte Doherty zwei Alben. Weitere erwähnenswärte künstlerische Betätigungen sind einerseits seine Tagebuch-Einträge, die er 2007 veröffentlicht. Andererseits Bilder, die er 2007 erstmals ausstellen lässt und die unter anderem mit echtem Blut gemalt sind. Als «Blutspender» fungierte auch eine damalige gute Freundin Dohertys: Amy Winehouse.

Bis 2005: FRÜHES LEBEN UND LIBERTINES
Pete Doherty wächst im englischen Hexham in einer katholischen Familie auf. Mit elf Jahren beginnt er erstmals Gitarre zu spielen, mit 16 gewinnt der talentierte Junge mit genialistischen Zügen einen Dichter-Wettbewerb. Nach seinem Schulabschluss mit äusserst guten Noten zieht Doherty zu seiner Grossmutter nach London, um Gräber zu schaufeln - öfters aber auf Grabsteinen sitzt, um zu lesen und schreiben.

Nach einem Jahr an der London-Universität, wo er Englische Literatur studierte, lässt Pete das Studium sausen, um mit seinem neuen Freund Carl Barât zusammenzuziehen. Wir schreiben die späten neunziger Jahre, und die beiden gründen die Band The Libertines. Es folgen Zeiten des künstlerischen Erfolgs, lobenden Kritiken und vielen Konzerten.

Dann, im Jahr 2003, raubt Doherty Barâts Wohnung aus. Seine Drogenprobleme haben zu diesem Zeitpunkt dramatische Ausmasse angenommen. Er geht in den Entzug, kommt zur Band zurück - doch Ende 2004 löst sich die Truppe endgültig auf. Ironischerweise war Doherty damals in der Detox-Klinik «Wat Tham Krabok» - und diese ist ebenfalls in Thailand gelegen.

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