Samu Haber von Sunrise Avenue «Wir Finnen haben seltsame Traditionen»

Am 6. Oktober gibt es endlich neue Musik von Sunrise Avenue – nach vier Jahren! Ihre Tour führt die finnischen Rocker auch in die Schweiz. Sänger Samu Haber kam aber schon vorher vorbei um uns zu erzählen, was er in der letzten Zeit so getrieben hat. Dabei hat er uns ein paar – sagen wir mal: recht ungewöhnliche – Dinge über finnische Traditionen verraten. 
Sunrise Avenue Samu Haber
© Universal Music

Sunrise Avenue bringen ihr neustes Album «Heartbreak Century» auf den Markt. «Schweizer Illustrierte» hat mit Frontmann Samu Haber gesprochen. 

Samu Haber, auf dem Cover Ihres neuen Albums prangt eine Flagge. Was symbolisiert die für Sie?
Es gibt einen Song namens „Flag“ auf dem Album, darin heisst es „never let your flag go down“ – also mehr oder weniger „Halte deine Fahne hoch“. Die Flagge auf dem Cover ist rot – also ist sie so etwas wie ein Symbol für die Liebe.

Sie wissen, dass Fahnenschwingen eine alte Schweizer Tradition ist?
Ja, und das ist für einen Finnen etwas schräg: Bei uns ist gerade die Nationalfahne heilig, man würde sie niemals herumwerfen und schon gar nicht auf den Boden fallen lassen. Mein Vater würde mich verprügeln, wenn ich das mit einer finnischen Flagge machen würde! Aber grundsätzlich haben wir Finnen viel seltsamere Traditionen als ihr.

Sunrise Avenue Samu Haber
© Universal Music

Auf dem Cover des neuen Sunrise Avenue Albums «Heartbreak Century» schwingt Frontmann Samu Haber eine rote Fahne. Für den Musiker ein Symbol für die Schweiz. 

Zum Beispiel?
Wir sind Weltmeister im Ehefrauen-Tragen.

Bitte?
Ja, es gibt die Meisterschaften im Frauen-Tragen: Man trägt seine Ehefrau über eine speziell definierte Strecke. Wir sind auch Champions im Gummistiefel-Werfen. Und dann sind da natürlich noch die Saunagänge. Welches Volk geht sonst gemeinsam schwitzen – nackt – und schlägt sich danach mit Ästen auf den Rücken!?

Das ist tatsächlich recht seltsam.
Aber alle haben komische Traditionen. Gehen Sie mal ans Oktoberfest ...

Samu Haber Fahnenschwingen
© zvg

Für «Schweizer Illustrierte» übte sich Samu Haber im Fahnenschwingen. 

Es ist vier Jahre her seit Ihrem letzten Album, eineinhalb Jahre davon sind Sie allein in der Welt herumgereist. Was haben Sie da gelernt?
Zum einen, dass die Menschen gar nicht so verschieden sind, wie man denkt. Es gibt in jedem Land Ähnlichkeiten, und ich habe viele tolle Leute kennengelernt. Zum anderen merkte ich, dass ich ganz gern allein bin, ohne Band, ohne Bühne, ohne Kameras. Und es ist ein sehr schönes Gefühl, Zuhause zu vermissen.

Und was haben Sie über sich selbst gelernt?
Ich dachte nicht, dass ich so lange allein unterwegs sein kann. Anfangs hat mir das Angst gemacht. Tagsüber ist man ja beschäftigt, aber abends geht man ins Hotel und bucht einen Tisch fürs Abendessen – allein. Anfangs war ich total verunsichert, fragte mich, ob ich ein Buch zum Essen mitnehmen soll, oder die ganze Zeit in mein Handy starren. Aber mit der Zeit genoss ich es, da zu sein mit meinem Essen, meinem Glas Wein und die Leute zu beobachten, ab und zu auch mit jemandem ins Gespräch zu kommen.

Sie sind ein Rock- und ein TV-Star, haben eine wunderschöne Modelfreundin – kurz : Das perfekte Leben. Woher kam diese Sehnsucht nach der Einsamkeit?
Ich liebe meinen Job und die Band. Aber ein solches Leben braucht auch ganz schön viel Energie, es sind immer eine gefühlte Million Leute um einen herum, die etwas von einem wollen. Gerade das Tourleben ist sehr hektisch. Da kommt irgendwann der Wunsch nach etwas Abstand auf.

Und nun da Sie Ihre Pause hatten sind Sie bereit, zu all dem zurückzukehren?
Ich bin ja eigentlich schon lange zurück. Ich habe schon während dem Reisen Songs geschrieben, nach meiner Rückkehr sind wir ins Studio. Mit dem Filmen für «The Voice of Germany» haben wir vor ein paar Monaten angefangen. Jetzt kommt wieder die Medienpräsenz dazu. Es ist also ein langsames Zurückkommen, das ist gut.

Sie haben als Coach «TVOG» mal aufgehört und sind dann wieder zurück. Warum?
Sie haben gefragt.

Und viel Geld geboten?
Natürlich spielt das auch eine Rolle, aber das wichtigste ist der Spass. Wenn es mir nur ums Geld ginge, würde ich sehr viel anderes machen. TVOG macht wirklich sehr viel Spass, und ich fühle mich geehrt, dass ich schon das vierte Mal dabei sein darf. Ich meine, ich bin Finne und spreche nicht mal richtig Deutsch... (Anmerkung der Redaktion: Samus Vater ist Deutscher).

Wir führen dieses Interview in Englisch, aber so schlecht ist Ihr Deutsch nicht.
Danke. Ich versuche ständig, mich zu verbessern, indem ich zum Beispiel Filme auf Deutsch schaue. Aber ich könnte niemals ein deutsches Magazin lesen oder dieses Interview in Deutsch führen.

Samu Haber mit Sandra Casalini
© zvg

Verstanden sich gut. Auch in Englisch: Sunrise Avenue-Frontmann Samu Haber und «Schweizer Illustrierte»-Journalistin Sandra Casalini.

Das neue Sunrise-Avenue-Album heisst «Heartbreak Century», warum empfinden Sie diese Zeit als «Jahrzehnt der gebrochenen Herzen»?
Schauen Sie diese Zeit an, in der wir leben – wir haben so viel, und trotzdem immer das Gefühl, wir vermissen etwas. Das ist doch komisch.

Was bricht Ihr Herz?
Die Liebe natürlich, wenn es nicht klappt mit ihr. Traurige Geschichten von anderen Leuten. Oder auch traurige Filme oder Songs.

Ein Merkmal unseres «Heartbreak Centurys» sind die Sozialen Medien ...
... die ich sehr liebe. Es ist eine tolle Art und Weise der Kommunikation und vereinfacht viele Dinge. Social Media ist wie Koriander im Essen: Ein tolles Extra im Leben. Aber viele Leute sind abhängig davon, das ist furchtbar.

Nutzen Sie Social Media auch als Musiker?
Da bin ich etwas Old School: Ich finde, das Wichtigste ist nach wie vor, gute Musik zu machen. Natürlich ist es wichtig, mit den Fans in Kontakt zu sein, aber ganz ehrlich: Ich bin da recht planlos. Mein Instagram-Account ist unbrauchbar, ich poste einfach, was mir gerade in den Sinn kommt. Auch wenn ich mal betrunken bin. Das sollte ich wohl nicht. Aber wenn Kids heutzutage eine halbe Million Instagram-Followers als Karriereziel angeben, ist das doch auch irgendwie abgefuckt. Oh mein Gott, ich klinge wie ein Typ mittleren Alters, der die heutige Welt hasst. Dabei ist das überhaupt nicht der Fall.

Was raten Sie denn jemandem, der Karriere im Musikbusiness machen möchte?
Werde gut. Sei ein guter Sänger, ein guter Songwriter. Sonst überlebst du nicht.

Und bewirb dich bei einer Castingshow?
Ja, wenn du denkst, dass das dein Weg ist. Aber die Castingshow allein macht dich nicht erfolgreich. Du musst immer noch gut sein und hart arbeiten.

Im November treten Sie in der Schweiz auf. 
Darauf freue ich mich sehr. Ich liebe das Land und war schon oft hier. Ich bin begeisterter Snowobarder und Skifahrer. Ich habe auch schon Ferien hier verbracht, im Sommer und im Winter. Und wir haben schon überall hier gespielt – von kleinen Clubs wie dem Bierhübeli in Bern bis zum Hallenstadion.

Was ist das Beste am Touren?
Das Publikum. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, wie es auf die neuen Songs reagiert. Ich bin sehr nervös.

Mit so viel Bühnenerfahrung?
Ja, und ich mag das. Es gibt kein besseres Gefühl als wenn du merkst, dass deine Songs bei den Fans gut ankommen.

Das Album «Heartbreak Century» gibt’s ab sofort auf iTunes, Sunrise Avenue treten am 20. November 2017 im X-Tra Zürich (bereits ausverkauft) und am 14. März 2018 im Hallenstadion Zürich auf.

Auch interessant