Viktor und Renate Röthlin Marathon-Tanz ins Eheglück

Von ganz unten in den siebten Himmel: Wenige Wochen nach seinen Lungenembolien hat Viktor Röthlin im Engadin seine Renate geheiratet. Der Marathon-Star und die Kinderärztin tanzen auf Wolke Sieben.

Schwere gesundheitliche Rückschläge musste Marathon-Star Viktor Röthlin, 34, in diesem Jahr hinnehmen. Aber jetzt ist alles vergessen. Viktors Freundin Renate, 32, betritt vergangenen Samstag am Arm ihres Vaters Bernhard Hotz die Kirche San Gian in Celerina GR. Aus dem Lautsprecher ertönt «She’s the One» von Robbie Williams. Viktor steht das Glück ins Gesicht geschrieben – und er kämpft mit den Tränen. Seit 2002 sind der Marathon-­Läufer und die Kinderärztin ein Paar, jetzt sind sie Mann und Frau.

Viktor und Renate Röthlin, herzlichen Glückwunsch zur Vermählung! Ihren Hochzeitstanz haben Sie in der Kirche gemacht, zum Lied «When You Say Nothing at All» von Ronan Keating. Ihr Bezug zu diesem Song?
Viktor: Das Lied ist aus dem Film «Notting Hill».
Renate: Das ist unser liebster Kitsch-Film. Wir schauen ihn mindestens zweimal pro Jahr.
Viktor: Und wir haben trotzdem immer wieder Tränen in den Augen (lacht).

Wo haben Sie Renate den Antrag gemacht?
Viktor: Ich habe vergangenen September in Venedig um die Hand von Renate angehalten.
Renate: Ich konnte gar nicht mehr Nein sagen. Er hat alle Register gezogen (lacht)!

Wie denn?
Renate: Wir fuhren in einer Gondel durch die Kanäle, und als wir unter der Rialto-Brücke waren, ging Viktor auf die Knie. Er hatte es perfekt geplant, aber extrem romantisch. Sogar den Verlobungsring mit Gravur hatte er schon vorbereitet! Wirklich raffiniert.
Viktor: Uff, wenn das meine Freunde hören, gelte ich definitiv als Warm­duscher (lacht). Aber ich bin nun mal ein Romantiker. Jedenfalls haben wir kurz darauf die Kirche hier reserviert.

War es von Anfang an klar, dass Sie auch kirchlich heiraten?
Viktor: Ja, auf jeden Fall. Wir wollten vor Gott und unseren Liebsten be­zeugen, dass wir zusammengehören. Den Moment, als Renate in die Kirche gekommen ist und ich sie zum ersten Mal in Weiss gesehen habe, werde ich nie vergessen. Und das Zittern in meinen Beinen auch nicht (lacht).
Renate: Ich habe mir immer gewünscht, dass mein Vater mich eines Tages in der Kirche meinem Zukünftigen übergibt. Heiraten soll für uns mehr sein als nur eine Unterschrift auf dem Standesamt.

Waren Sie nervös?
Viktor: Schlimmer als vor jedem Marathon! Sogar meine Hände zitterten.

Weshalb haben Sie gerade die Kirche San Gian gewählt?
Viktor: Wir sind sehr oft im Engadin. Und immer, wenn wir an dieser wunderschönen Kirche vorbeigelaufen sind, haben wir darüber gesprochen, dass diese Kirche der Ort wäre, wo wir heiraten würden.

«Es ist noch kein kleiner Viktor unterwegs. Wir wollten aus Liebe heiraten. Das ist der einzige Grund»

Renate trägt in der Kirche ein ecru­farbenes Kleid von Manuel Mota mit kleinen glitzernden Trägern und einer langen Schleppe. Der Haar- & Make-up-Artist Björn von Roth, ein Freund von Viktor, hat Renate die Hochsteckfrisur gemacht und den langen Schleier kunstvoll eingeflochten. Viktor trägt einen körperbetonten Dreiteiler mit Gilet von Hugo Boss und – da bleibt er Sportler durch und durch – schwarze Lack-Turnschuhe von Onitsuka Tiger. Der reformierte Pfarrer, Andreas Urweider aus Biel, liest aus der Bibel Psalm 118: «Dies ist ein Tag, den der Herr gemacht hat.»

Ist auch schon Nachwuchs im Anmarsch?
Viktor: Nein, es ist kein kleiner Viktor unterwegs. Viele Paare heiraten ja, weil die Frau schwanger ist – und das ist okay so. Aber wir wollten aus Liebe heiraten, das sollte der einzige Grund sein.

Und Kinder?
Viktor: Die wünschen wir uns beide. Aber wir haben da keinen Stress.

Viktor Röthlin, Sie erleben 2009 alle Höhen und Tiefen.
Das kann man wohl sagen. Zuerst überlebe ich mit viel Glück zwei Lungenembolien, jetzt bin ich ein verheirateter Mann. Extremer geht es fast gar nicht.

Wie geht es Ihnen jetzt gesundheitlich?
Meine Lunge regeneriert sich sehr gut, und ich trainiere täglich, laufe etwa 170 Kilometer in der Woche. Obs jemals wieder für Spitzensport reicht, weiss ich aber noch nicht.

Renate, man sagt, zur Hochzeit sollte eine Frau etwas Neues, etwas Altes, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen.
Daran halte ich mich! Ich hab ein neues Kleid, einen Ohrstecker von meiner Mutter und ein Strumpfband mit einer blauen Masche von einer Freundin.

Nach der Trauung gehts mit einem grauen Mini zum Apéro in die Schau­käserei Morteratsch in Pontresina. Ein Freund des Paares spielt auf der Geige Zigeunermusik, die 97 erwachsenen Gäste und 13 Kinder verköstigen sich mit Alpkäse, Bündnerfleisch und Birnenbrot. Nach dem Apéro geht es nach Punt Muragl, wo die Zahnradbahn die Gäste ins Berghotel Muottas Muragl bringt. Während Renate die Strecke gemütlich in einer Kutsche absolviert, schlüpft Viktor in seine Trainingskleider und joggt mit seinen Kollegen die neun Kilometer zur Talstation.

Die grosse Feier steigt am Abend im Berghotel Muottas Muragl auf 2456 Meter über Meer. Während kirchlich im klassischen Stil gefeiert wurde, geht es auf dem Berg leger zu und her. Nach dem Abendessen (Risotto, Piccata Milanese, Pasta mit Tomatensauce, Mangold­spinat und Dessertbuffet) greift die Band Acoustical Mountain in die Saiten. Krokus-Sänger Marc Storace heizt der Hochzeitsgesellschaft mit hartem Rock ein. Später legt ein DJ auf.

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