Jörg Abderhalden Nun Prinzessin Jill

Nachwuchs im Königshaus: Der erfolgreichste Schwinger aller Zeiten, Jörg Abderhalden, ist zum dritten Mal Papi geworden. Jill wird diese Woche einen Monat alt - und schlägt ganz schön dem Vater nach.

Jörg und Jill. Der König und seine jüngste Prinzessin. Mit seiner kräftigen Hand streicht der erfolgreichste Schwinger aller Zeiten seiner kleinen Tochter übers Näschen. Jörg Abderhalden schaut selig: «Sie kommt ganz nach mir», sagt er stolz. «Zumindest was die Grösse anbelangt.» Tatsächlich: Prinzessin Jill kam mit 53 Zentimetern und stattlichen 4,15 Kilo auf die Welt. Kein Wunder: Der Vater war bei Geburt 56 Zentimeter gross und wog gar 4,64 Kilo. Ganz de Bappe!

Seit dem 26. Mai ist das Königshaus an der Königsstrasse 10 in Nesslau SG um eine Tochter reicher. An jenem Dienstag brachte Abderhaldens Frau Andrea das dritte Kind zur Welt. Jörg, 29, war während der ganzen Geburt im Spital Linth in Uznach SG bei ihr. «Jill ist gesund und gedeiht prächtig», sagt die 31-Jährige. Nach zwei Fehlgeburten ist sie jetzt umso glücklicher.

Um 2.30 Uhr habe seine Frau angerufen, die Wehen hätten eingesetzt, erinnert sich der Schwinger. Abderhalden ist in dieser Nacht nicht daheim im Toggenburg, sondern mit Kollegen auf dem Bürgenstock LU. Er legt dort seine Schreinermeister-Prüfungen ab. Jörg fährt sofort zu seiner Andrea nach Hause und bringt sie ins Spital.

Gut zwölf Stunden nach den ersten Wehen kommt Prinzessin Jill auf die Welt. Andrea: «Es ist ein Sterngucker-Kind, musste mit der Saug-Glocke geholt werden.» Bei einer solchen Geburt ist das Kinn des Babys nicht wie gewöhnlich nach unten gebeugt, sondern weit nach oben gereckt. «Zum Glück war kein Kaiserschnitt nötig.»

Fünf Tage später kehrt die ausgebildete Kauffrau wieder heim. Die Residenz der Aberhaldens: ein modernes Haus aus Beton mit grossen Fenstern. «Wir haben uns riesig auf unser Schwesterchen gefreut», erzählen Lynn, 5, und Terry, 3.

«Lynn, Terry, Jill – meine Frau und ich sind weltoffen und modern eingestellt»

Damit sich seine Frau möglichst ungestört erholen kann, nimmt sich Jörg die ersten zwei Wochen besonders viel Zeit für die Familie, lässt gar sein Schwing-Training sausen. «Jörg half, wo er nur konnte», sagt Andrea. Einkaufen, kochen, spazieren mit Jills Geschwistern, die beiden ins Bett bringen: «So hielt mir Jörg den Rücken frei. Auch Lynn und Terry kümmern sich rührend um Jill.» Stillen könne er leider nicht, sagt Jörg Abderhalden und lacht. «Und das Wickeln überlasse ich meist Andrea. Das kann sie viel besser.»

Lynn, Terry, Jill sind keine typi­schen Toggenburger Vornamen. «Lynns Namen entdeckten wir während der Flitterwochen in Kanada. Andrea und ich sind weltoffen. Wir haben eine moderne Einstellung und wollten unseren Kindern etwas davon auf den Weg geben.» Jörg liegt entspannt auf dem Ledersofa in seiner Stube. «Die Nächte sind gut, Jill schläft schon vier bis fünf Stunden am Stück. Ich komme meist aus­geschlafen zur Arbeit.»

Die Kräfte kann Abderhalden gebrauchen. Er trainiert wieder mit Vollgas. Letzten Juli verletzte er sich beim Appenzeller Kantonalen: An der rechten Schulter rissen alle Sehnen. Es folgten Operation und Physiotherapie. Zwei Monate nach dem Unfall begann das Aufbautraining, in den Schwingkeller gings nach acht Monaten. Zu Abder­haldens Trainingspartnern gehört seit zwanzig Jahren Nöldi Forrer, Schwingerkönig 2001. «Bei Schwingfesten ist er ein harter Gegner», so Jörg. «Doch sonst verstehen wir uns gut.» So gut, dass Abderhaldens Schreinerei in Nöldis neuem Haus in Stein SG die Küche einbauen durfte.

«Ich bin auch nicht mehr 20», sagt Abderhalden. «Mit knapp 30 dauert die Regeneration eben etwas länger.» Nun sind die Sehnen verheilt, die Schmerzen weg. Seit drei Monaten trainiert der König wieder täglich – im Schwingkeller, auf dem Bike oder im Kraftraum. Kniebeugen mit 120 Kilo an der Langhantel auf den Schultern schafft er problemlos. Zwei, drei Kilo habe er zugenommen. «Aber die bring ich wieder weg», so der 123-Kilo-Mann.

«Ich bin gut in Form. Aber natürlich noch nicht so wie nach meinen Siegen an den Eidgenössischen. Doch nun will ich wieder um den Sieg kämpfen!» Die Saison sei für ihn zwar gelaufen. «Aber vier bis fünf Ernstkämpfe möchte ich trotzdem bestreiten. Da kommt immer die ganze Familie mit.» Sein grosses Ziel: das Eidgenössische 2010 in Frauenfeld. Dort will Abderhalden nochmals gewinnen. Und seiner Laufbahn die letzte Krone aufsetzen. Vier Mal Schwinger­könig – das hat noch keiner geschafft.

Drei eidgenössische Siege, drei Kinder. Wenns in Frauenfeld ein viertes Mal klappt – kommt dann noch ein Baby? Abderhalden schmunzelt. «Unsere drei Kids halten uns jetzt schon ganz schön auf Trab!»

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