Das persönliche Interview mit Anatole Taubman «Meine Mutter sagte mir Zuckergoschi»

In seiner Jugend galt er als schwer erziehbar. Doch Anatole Taubman legt eine Schauspielkarriere hin, die ihresgleichen sucht. Der Schweizer begeistert in Frankreich, England und den USA. Hier verrät er, wer ihm Herzschmerz bereitet und was es mit seinem Privatjet und Toten auf seinem Balkon auf sich hat.
Anatole Taubmann Persönliches Interview Schauspieler
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Neu im Kino: In der Komödie «Es war einmal in Deutschland...» (seit Donnerstag im Kino) spielt Anatole Taubman an der Seite von Moritz Bleibtreu einen Überlebenden des Holocaust im Nachkriegsdeutschland.

Schweizer Illustrierte: Anatole Taubman, Sie spielen in «Es war einmal in Deutschland...» Fränkel, einen jüdischen Überlebenden im Nachkriegsdeutschland. Sie selbst haben Angehörige im Holocaust verloren.
Drei meiner Grosseltern wurden während des Holocaust ermordet. Rollen in Geschichten im oder um den 2. Weltkrieg sind deshalb immer etwas Besonders für mich.

Wie religiös sind Sie selbst?
Ich bin nicht konservativ oder religiös. Ich kenn mich leider wenig bis gar nicht im jüdischen Glauben aus. Aber mein Blut und meine Herkunft sind hundert Prozent jüdisch. Ich glaube an Schicksal und an eine höhere Macht. Nichts passiert zufällig. Ich bin ein Weltbürger, und bei mir gilt Charakter/Persönlichkeit vor Ideologie/Religion.

Im Film gehts auch um Vorurteile gegen Juden. Wurden Sie selbst schon mit solchen konfrontiert?
Einmal. Ich war zwölf Jahre alt.

Was passierte da?
Beim Duschen nach dem Fussballtraining schaute mich ein Mitspieler an und stänkerte: «Du bisch ja en Jud. En huere Saujud.»

Und Ihre Reaktion?
Ich war perplex, überfordert und sprachlos. Ich erzählte es meiner Mama und fragte: «Was oder wer ist ein Jude?»

Was hat Ihre Mutter, als Sie noch ein Kind waren, immer gesagt?
Zuckergoschi.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
Manchester United, meine Religion.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Aus Rue Mouffetard in Paris, Portobello Road in London und Pontcanna Field, Cardiff.

Welches Gemüse gehört verboten?
Auberginen finde ich langweilig.

Und was für ein Gemüse wären Sie?
Eine Kartoffel, vielseitig zu verarbeiten, bodenständig und zäh.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
50 Prozent wären gut. Vor allem ein bisschen länger schlafen am Morgen, das wäre super.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt?
Im März – ein Fotoalbum mit selber eingeklebten Fotos und Ferienerinnerungen zum Geburtstag meiner 14-jährigen Tochter.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Manchmal im Herz – wenn mir meine Frau fehlt.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Ich esse immer leer.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein, ich sollte mich drum kümmern. Sinnvolle Sache.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Mothers Finest, «Baby Love».

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Die kommt bestimmt noch...

Und Ihre dümmste?
Da kann ich gar nicht genug aufzählen.

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Einen Privatjet zu besitzen.

Was würden Sie Ihren Kindern mit auf den Weg geben wollen?
Mein Gespür für Menschen.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie ausstatten?
Das Fussballgeschick von Cristiano Ronaldo, den Geist von Martin Luther King, die Spiritualität vom Dalai Lama und den Mut von Arnold von Winkelried.

Welche Bücher, Filme und Musik beeinflussten Ihr Leben?
«Die Brüder Löwenherz» von Astrid Lindgren, der Film «Breakfast Club» und die Musik von The Cure, «Strangers on a Beach».

Welche Pille gehört erfunden?
Unter Zeitdruck wünschte ich mir manchmal eine Pille, die mich satt macht und gesund ernährt.

Ihr Spitzname als Kind?
Ani.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus.
Fussball, Fussball, Fussball – und ein Bett.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Edward Norton oder Mark Ruffalo.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht verändern?
Mein Balkon wird stets fleissig von mir begrünt und stirbt wegen meiner längeren Auslandsaufenthalte leider immer wieder einen kläglichen Tod. Ich sollte mich besser darum kümmern. Nicht der grünen Lunge Berlins wegen, sondern auch wegen mir.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Ab zwei Franken fahre ich nur noch mit dem Velo.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Cecile Büeler, wir gingen zusammen in die 6. Klasse im Bad Allenmoos in Zürich.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über einen originalen Champions-League-Fussball.

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