Stars verraten ihren Umgang mit Sackgeld Anna Maier zahlt ihrer Tochter einen Jugendlohn

In der Schweiz ist jeder dritte Jugendliche verschuldet. Anna Maier will ihrer Tochter dies ersparen - mit einem spannenden Konzept, das ihre Lena nicht immer cool findet. Bereits zeigen andere berühmte Eltern Interesse am sogenannten «Jugendlohn».
Anna Maier und Tochter
© Thomas Buchwalder

Moderatorin Anna Maier, 40, vermittelt ihrer Tochter Lena, 16, mittels Jugendlohn Finanzkompetenz.

Manche lernen es auf die harte Tour: Musiker Gustav hatte mit 21 seine Kreditkarte dermassen überzogen, dass er seiner Schwester, die damals seine Schulden beglich, ein Jahr lang Raten zurückzahlen musste. «Es war hart, aber Schulden hatte ich seitdem nie wieder», sagt der Freiburger heute.

So geht es vielen Jugendlichen in der Schweiz: ein Drittel hat bereits Schulden gemacht. Gerade hat Online-Shopping das Handy als grösste Schuldenfalle überholt. 

Für Thomas Russenberger und Karina Berger ist das Problem offenkundig. «Online ist alles immer auf Kredit verfügbar, man muss nicht einmal mehr Bargeld in die Finger nehmen, alles passiert virtuell, das macht es so problematisch. Als wir jung waren, ging man einfach einmal die Woche in die Stadt und kaufte sich nur, was man sich leisten konnte.» 

Thomas Russenberger und Karina Berger mit Töchtern Jahr 2012
© Thomas Buchwalder

Ein Bild aus alten Tagen (2012): Die Älteste von Thomas Russenberger, 50, und Karina Berger, 49, ist schon aus dem Haus: Noemi ist 24 und musste ein Budget vorlegen, um ausziehen zu dürfen. Shenay, 11, wohnt noch zu Hause und kriegt 15 Franken Sackgeld im Monat. 

Bei der finanziellen Erziehung seiner zwei Töchter hat das Eventplaner-Paar deswegen klare Regeln aufgestellt: «Schon als unsere ältere Tochter zu Hause war, musste sie einen Teil ihres Lohnes abgeben und nach und nach mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen, etwa die eigene Wäsche waschen», sagt Karina Berger.

Als Noemi vor einem halben Jahr schliesslich von zu Hause auszog, verlangten ihre Eltern, dass sie einen Budgetplan vorlegt, um zu beweisen, dass sie sich eine eigene Wohnung leisten kann und die eigenen finanziellen Mittel nicht überschätzt. «Tools, wie man ein einfaches Budget erstellt, gibt es zum Glück mittlerweile massenhaft im Internet.»

Renzo Blumenthal weiss, wie es sich anfühlt

Erfahrungen mit Schulden hat auch Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal: «Als ich den Betrieb meiner Eltern übernahm, musste ich natürlich Kredite aufnehmen, aber es blieb in einem gesunden Rahmen», sagt der Bündner. Dass sich aber Jugendliche mit Statussymbolen finanziell übernehmen, sei ein Erziehungsproblem, ist er überzeugt: «Da kommen wohl gewisse Eltern ihrer Pflicht nicht nach.»

Renzo Blumenthal mit Frau Ladina und den Kindern Moreno, Lena-Priscilla, Naemi (viertes Kind war noch nicht auf der Welt) 2016
© Thomas Buchwalder
Renzo Blumenthal, 41, hat mit Ehefrau Ladina eine Grossfamilie: sie sind die Eltern von Moreno, 9, Lena-Priscilla, 7, Naemi, 5 und Grace, 8 Monate. Die Jüngste war zum Zeitpunkt des Shootings noch nicht auf der Welt.

Anna Maier ging das Problem frühzeitig mit ihrer Tochter an

Dieser Pflicht ist sich Moderatorin Anna Maier bewusst: von einer Freundin wurde ihr das Konzept Jugendlohn von Pro Juventute empfohlen. Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Jugendliche erhalten früh - empfohlen wird ab dem 12. Geburtstag - einen fixen monatlichen Betrag, von dem sie einen Teil ihrer Lebenskosten selbstverantwortlich finanzieren.

Der erste Versuch, einen Jugendlohn einzuführen, lief im Hause Maier nicht ganz so rund. «Als Lena zwölf Jahre alt war, sind wir kläglich daran gescheitert.» Vier Jahre später klappts nun ganz gut.

Im Video sprechen Anna Maier und ihre Tochter Lena über Sackgeld:

Susanne Kunz orientiert sich beim Sackgeld an Pro Juventute

Das Konzept Jugendlohn begeistert auch andere Promi-Eltern: Susanne Kunz, Komikerin, Moderatorin und Mutter zweier Kinder hat sich schon fürs Sackgeld nach den Empfehlungen von Pro Juventute gerichtet. «Mein 12-Jähriger erhält nun 20 Franken im Monat. Aber ab der Oberstufe kann ich mir vorstellen, dass wir eine Art Jugendlohn einführen werden.» 

Denn in Sachen Finanzkompetenz lasse ihr Sohn  - ganz im Gegensatz zu seiner sparsamen kleinen Schwester - noch zu wünschen übrig. «Er gibt so ziemlich alles, was er hat, für Eistee, Chips und kleine Gadgets aus. Es kommt vor, dass er schon Mitte Monat pleite ist und sich halt nichts mehr leisten kann. Aber ich finde, das ist dem Alter absolut angemessen. Er hat noch Zeit zu lernen.»

Susanne Kunz SRF-Moderatorin
© SRF/Oscar Alessio

Susanne Kunz, 39, moderiert auf SRF die Sendung «1 gegen 100». Sie hat einen 12-jährigen Sohn und eine 7-jährige Tochter. Fürs Berechnen des Sackgelds, hat sie sich im Internet - unter anderem bei Pro Juventute  - schlau gemacht. Später kommt ein Jugendlohn für ihre Kinder infrage. 

Mit Ferienjobs das Portemonnaie aufpolstern

Als sie selber im Teenager-Alter war, hat sie sich das Portemonnaie mit gelegentlichem Babysitten und Ferienjobs aufgepolstert. «Ich habe jeweils eine einer Fabrik Schrauben abgezählt. Hoffentlich gibt es solche Möglichkeiten heutzutage überhaupt noch. Langsam kommt mein Sohn ins Ferienjob-Alter.»

Wenn er gut im Stall mithilft, gibts schon mal einen Fünfliber

Auch Moreno, der älteste von Renzo Blumenthal lernt, dass Geld nicht auf Bäumen wächst, sondern verdient werden muss. «Wenn er gut im Stall mithilft, gibts schon mal einen Fünfliber. Aktuell gibt er den aber gleich wieder für Panini-Bilder aus.»

Renzo ist ohne festes Taschengeld aufgewachsen und will das auch bei seinen Kindern so handhaben. «Aber den Jugendlohn finde ich eine gute Idee, werden wir wohl auch so machen. Aber bis dahin ists noch eine ganze Weile.»

Gustav überlässt seinen Jungs, was sie von dem Geld kaufen

Auch bei Gustav ists noch lange hin, bis Geld bei den Kindern ernsthaft ein Thema wird. Seine Jungs kriegen jeden Freitag einen Einfränkler, um sich nach der Schule im Lädeli was zu kaufen. «Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Süssigkeiten man für einen Franken kaufen kann.» Aus der Sicht eines Erwachsenen sei das ja nur Mist. Aber dreinreden wolle er seinen Jungs deswegen nicht. «Ich kann ihnen ja auch nicht wirklich erklären, warum ich unbedingt ein 23. Gitarrenpedal brauche…» 

Musiker Gustav segelt  auf der Yacht seines Freundes über den Murtensee, am 10.07.2017
© LUCIAN HUNZIKER

Musiker Gustav, 43, ist Vater von drei Kindern: seine Jungs sind 10 und 8, das Mädchen 4 Jahre alt. Er legt monatlich für jedes Kind etwas zur Seite, um sie während der Ausbildung unterstützen zu können.

Wenns bei ihm mal wieder knapp wird mit dem Geld, verdient er sich mit Strassenmusik etwas dazu. Und für seine Kinder will er sich mal etwas genauer informierten über dieses Konzept Jugendlohn. 

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