Remo Müller und Alexandra Taetz bei «Auf und davon» Eine tierische Auswanderung

Neue Heimat, neues Glück? Der Quotenhit «Auf und davon» begleitet auch dieses Jahr wieder Schweizer Auswanderer bei ihren ersten Schritten in der Fremde. Neue Stars der Staffel: die Tierpark-Besitzer Remo Müller und Alexandra Taetz. Mit Tiger und Husky auf ins Unbekannte.

Ein grauer Dezembertag. Im Tier-Erlebnispark Bell gibts keine Winterruhe. Im Gegenteil. Remo Müller, 35, schaufelt an seinem freien Tag den ausgepumpten Teich leer. ­Eimerweise Schlick. Und doch ist er umgeben von seinem Traum, mitten im ländlichen Hunsrück.

Gemeinsam mit seiner Freundin Alexandra Taetz, 28, hat der Schweizer ein heruntergekomme­nes Gelände in den Tier-Erlebnis­park Bell verwandelt. «Wir wollten einen Platz für uns und unsere Tiere finden», beschreiben sie ihre Idee. Nach langer Suche kauften sie den Park und eröffneten ihn im April 2015. Die Auswan­de­rung des Paares von Gossau SG ins deutsche Nirgendwo hatte ­etwas von Arche Noah: 22 Huskys, 7 Ziegen, 4 Pferde, 2 Hühner, ­Papageien, Minischweine, Schafe, Raubvögel, Damwild und zuletzt 4 Sibirische Tiger fanden ein neues Zuhause.

Die Mission der Auswanderer: Tiere aus Auffangstationen und Tierheimen aufnehmen, ihnen ­etwas beibringen und den Be­suchern zeigen, was sie können. «Die Tiere, die zu uns kommen, sind leider meist irgendwo überflüssig. Sie sind Wundertüten», sagt Alexandra Taetz. Trotz ihrer interessanten Arbeit hatten die Auswanderer sich nicht getraut, sich bei der Sendung «Auf und davon», die schon viele Kult-Auswanderer begleitet hat, zu bewerben. «Wir gehen doch nur nach Deutschland», dachte das Paar. SRF DOK fand das Auswandern mit Tigern aber spannend - so kam es zur Zusammenarbeit.

Flugstunde. Im grauen Winteralltag sind die Papageien ein besonders auffälliger Farbtupfer. Sie hören aufs Wort. Meistens. Kein Tier hier muss funktio­nie­ren. Alle werden einmal am Tag beschäftigt, und die Besucher können dabei zusehen. «Die Zeiten sind vorbei, in denen die Zuschauer Leistung sehen wollen», ist Remo Müller überzeugt.

Kennengelernt haben sich die Auswanderer natürlich dank den Tieren. Remo sah seine Alexandra beim Hunde-Frisbee. Während normale Pärchen bei ihrem ersten Date romantisch dinieren, adoptierten die beiden jeweils einen Hund. Als Remo dann in seiner Wohnung kein Tier halten durfte, zogen er und sein Hund gleich zu ihr. «Wenn ich schon den Hund nehme, nehme ich auch Remo mit», sagte Alexandra sich. Zwei Jahre lebten sie eine Fernbeziehung über 484 Kilometer zwischen Bell und Gossau. Baustress, Geldsorgen, Fahrerei. «Alles ging nur per Telefon. Da fehlten Emo­tionen, Blicke. Jetzt geniesse ich es, dass wir endlich zusammenwohnen können», sagt sie. 750'000 Euro wurden in 90'000 Qua­drat­meter Fläche und neue Tierge­hege investiert. «Viele Freunde haben uns für verrückt gehalten.» 20'000 Besucher braucht der Park im Jahr. Remo Müller rechnet gegen die Angst, Alexandra Taetz mahnt zum Vertrauen. Businessplan? «Haben wir, aber er ändert sich jede Woche aufgrund von Anfragen, weitere Tiere aus zweiter Hand zu übernehmen.»

Das erste Jahr lief gut. Trotzdem kämpfen die beiden. Personal im Winter einsparen, Huskytouren, Tierpatenschaften. Sie sind keine Draufgänger. «Wir sind Macher», sagt er. Das steckt an. Tapfere Matrosen an Bord sind Alexandra Taetz' Eltern. Sie verkauften ihr Haus, gaben ihre Jobs kurz vor der Rente auf und helfen im Park mit.

Tiger-Gebrüll dringt durch die kalte Luft. Die Stars des Parks haben Hunger. Nur mit zwei dünnen Stäben bewaffnet, lässt Remo Müller die Raubtiere durch die Arena springen. Der gelernte Koch liess sich im Walter Zoo Gossau zum Tierpfleger ausbilden. Manchmal sind die Tiger ihm lieber als Menschen. «Mit ­ihnen muss ich nicht über Geld oder Bauvorschriften diskutieren», sagt er und lässt sich von Tiger­dame Rani die Hand ablecken.

Das Schwerste am Auswandern war für die Tierparkbesitzer nicht der Neuanfang, sondern das Leben in der Schweiz für den grossen Traum hinter sich zu lassen. Im verschlafenen Hunsrück haben sie dank den Tieren schnell Anschluss gefunden. Dorfkinder helfen als Praktikanten, der ehemalige Ortsvorsteher und Jäger bringt frischen Rehrücken vorbei. «Wir dürfen nicht scheitern», sagt Alexandra Taetz. Allein schon wegen der Tiere. Am Ende wird sich zeigen, ob sie Schiffbruch mit Tigern erleiden oder noch viele tierische Erfolgsgeschichten schreiben werden.

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